Nicht mehr für deutschen Alltag tauglich

Auerbach - Tropische oder arktische Temperaturen, gefährlicher Dschungel und der brasilianische Regenwald lockten am Freitagabend rund 100 Besucher in die Göltzschtalgalerie Auerbach.

 

Während vor der Galerietür der Winterdienst gegen Eis und Schnee kämpfte, ließen sich die Gäste drinnen zu einem farbenprächtigen Rückblick auf zwanzig Jahre Abenteuerreisen durch rund 150 Länder entführen. Axel Brummer und Peter Glöckner, zwei Weltenbummler aus Thüringen und Sachsen, präsentierten dabei in einer grandiosen Dia-Show die Dokumentation ihrer unermüdlichen Expeditionstouren.

 

"Gemeinsam mit meinem Freund Peter Glöckner gehe ich seit 20 Jahren auf Weltreise. Wir haben die Erdkugel schon ein Mal mit unseren Fahrrädern umrundet, waren auf allen Kontinenten und sind mit dem Paddelboot durch Amazonien gefahren", so Axel Brummer. Spektakulär wurde zum Beispiel ihre Fahrrad-Tour 1990 bis 1995 um die Erdkugel. Nach 80 000 Kilometern und 60 Ländern kehrten die beiden Abenteurer nach Deutschland zurück. Ohne große Pause wurden damals sofort neue Pläne geschmiedet. Das Ziel hieß Amazonas.

"Wir wollten die Tour von den Anden bis zum Atlantik mit dem Paddelboot absolvieren und ahnten damals nur wenig, was wir uns da für einer schweren Aufgabe stellten", betont Brummer. Die Erlöse aus Reiseberichten, Dia-Shows und TV-Sendungen finanzierten das gewaltige Unternehmen. Zwei einheimische Hochlandindianer aus Bolivien und der Berliner Paddelbootspezialist Jörg Buhl gingen mit auf Tour. Gestartet wurde im Jahr 1998.

Auch diese Tour wurde zum Erfolg, die beiden Abenteurer bekamen damals nicht nur eine gewaltige Resonanz in den deutschen Medien, sondern lernten in Brasilien auch ihre zukünftigen Ehefrauen kennen. "Ich bin genau wie Peter mittlerweile in Südamerika zuhause Meine brasilianische Frau habe ich vor wenigen Wochen geheiratet. Sie arbeitet in ihrer Heimat als Lehrerin", erzählte Axel Brummer.

 

Während ihrer weiteren Expeditionsreisen durch den Amazonas-Urwald erlebten die Paddler in abenteuerlicher Weise unermüdliche Goldsucher, mückengeplagte Fischer, Indianer und organisierte Rauschgiftschmuggler. "Oft waren wir wochenlang von jeglicher Zivilisation abgeschnitten und lebten wie die Ureinwohner des Landes, also primitiv und gefährlich" , erinnerten sich die Weltenbummler. Nach Amazonien wurden weitere Pläne geschmiedet, aus den Radlern und Paddlern wurden Seefahrer. Brummer und Glockner folgten den Spuren Marco Polos. Mit einer rekonstruierten Hochsee-Segel-Dschunke ging es quer durch die Inselwelt Südostasiens, nach Indien und Arabien. Die erste Dschunke sank jedoch in einem Zyklon. Mit der zweiten überstehen Boot und Mannschaft die furchtbare thailändische Tsunamiwelle im Jahr 2005 unbeschadet.

 

Piratenüberfälle, Stürme und Seekrankheit lehrten den Abenteurern am Horn von Afrika das Fürchten. Dagegen begeisterte das farbenfrohe Indien die Seefahrer. Während der Landtrips erleben sie den Urwald von Borneo und alte Kulturen in Kambodscha, im Oman und im Jemen. Brummer und Glöckner sind nicht nur Weltenbummler sondern auch hervorragende Fotografen. Dank eines Sponsoringvertrages mit der Edel-Kamera-Schmiede Leica verfügen sie über eine optimal auf Expeditionen abgestimmte Ausrüstung.

 

Die Kameras sind hart im Nehmen, Wasser, Sturm und extreme Temperaturen können ihnen so schnell nichts anhaben. Entstanden sind auf den Weltreisen einmalige Bilder. Die optische Brillanz aber auch die professionelle Gestaltung der Motive, beeindruckten die Zuschauer in der Göltzschtalgalerie. Die rund zweistündige Diashow war gekonnt in Szene gesetzt, mit Livekommentaren versehen und von exzellenter Spannung. Die aufmerksamen Besucher bemerkten aber auch die innere Unruhe der beiden heute über 40-jährigen. Brummer und Glöckner sind nicht mehr für den deutschen Alltag geschaffen. Sie wollen raus, die frische Luft der großen weiten Welt schnuppern.

"Wir bringen unsere geplanten Vorträge zu Ende, packen in wenigen Wochen die Sachen und fliegen zurück nach Brasilien. Dort warten unsere Frauen und eine tolle Gewalttour quer durch Amazonien auf uns. Natürlich mit dem Paddelboot", kündigten die beiden an.  H.H.