Nicht Äpfel mit Birnen vergleichen

Theaterfinanzierung, das ist, um mit Fontanes Briest zu sprechen, "ein weites Feld". Auf dem man sich leicht verlaufen und die Orientierung verlieren kann. Wir sprachen mit Roland May, denn: der Generalintendant muss es wissen. Und der hat in diesem Falle echte Sorgen.

 

Plauen - Wer bei der Veranstaltung war, zu der am 23. März zum brandheißen Thema Theaterfinanzierung vom Theaterförderverein eingeladen wurde, der weiß, wie kompliziert das Thema ist.

 

Doch hier redeten Roland May und sein Geschäftsführer Volker Arnold bereits Klartext: zugesagte Strukturmittel müsse das Dresdner Kunstministerium zahlen, zumal die Plauener der Meinung sind, alle daran geknüpften Bedingungen zu erfüllen. Fand doch die Podiumsdiskussion mit Peter Lönnecke, dem Referatsleiter für Theater im Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst, genau am Abend des Tages statt, an dem den beiden Theaterchefs ein Stein vom Herzen gefallen war: der Haustarifvertrag war, nach sehr langen Verhandlungen, endlich unter Dach und Fach! Und das sei, so Roland May sehr energisch gegenüber dem Mann aus Dresden, ein gewichtiger Grund, die zugesagten Strukturmittel von jährlich 200 000 Euro ans Theater Plauen-Zwickau zu zahlen. Wie es anteilig 2088 geschah und wie es in voller Höhe 2009 erfolgte, damals sogar noch ergänzt durch eine Komplementärfinanzierung durch den Kulturraum von 120 000 Euro.

 

Leider sei aber seit 2010 nichts mehr gekommen und auch 2011 wurde die Zahlung der Gelder aus Dresden abgelehnt. Es sind, um das nochmals zu sagen, zusätzliche Mittel, die aus Dresden kommen, um notwendige und geforderte Strukturveränderungen am Theater finanzieren zu können.Aus diesem Grunde hatte unter Interimsintendant Rüdiger Bloch eine Expertengruppe einen Vorschlag ausgearbeitet, den es mit Hilfe dieser Mittel umzusetzen galt. Wichtige Punkte dabei: Abbau von Stellen und die Fortsetzung des Haustarifes. Der Haustarif, wie gesagt, wurde am 23. März abgeschlossen. Die Strukturmittel könnten fließen.

Eine andere Sache macht Roland May die viel größeren Kopfschmerzen: es sind die "Äpfel". Um im Bild zu bleiben, "Birnen" sind die ausbleibenden Strukturmittel. "Äpfel", das ist der gefährdete Etat des Theaters, eine ganz andere Baustelle. Denn, auch das war ein wichtiger Grund, Herrn Lönnecke nach Plauen einzuladen, hier geht es um die Kürzung des sächsischen Kulturraum-Etas. Der Grund sind die Landesbühnen Radebeul, die, so Ministerin Sabine von Schorlemer, erst mit sieben, schließlich dann mit dreieinhalb Millionen Euro aus den Kulturraummitteln bedacht werden sollen; bislang wurde diese Bühne aus Landesmitteln separat finanziert. Wenn also dem Kulturraum Gelder fehlen, müssen sie in den Kulturräumen eingespart werden. In Plauen hat man das inzwischen mit (auch vor Zorn) zitternder Hand ausgerechnet und ist auf die Summe von 62 320 Euro gekommen.

Roland May rechnet es gleich um: "Da muss das Publikum auf ein kleines Schauspiel und eine Oper verzichten!" Und, so mutmaßt der Theaterleiter, das wird wohl im nächsten Jahr sogar mehr werden, was uns fehlt. Werden die Gesellschafter den Betrag ausgleichen? Wie weit wird das Theater kommen in seinem Anspruch, ein anspruchsvolles Angebot zu präsentieren, mit immer weniger werdenden Mitteln, zumal die Mitarbeiter seit Jahren freiwillig Gehaltsverzichte in Kauf nehmen? Viele Fragen. Da freut sich Roland May, im Plauener Theaterförderverein einen Partner zu haben, der unlängst zum Beispiel für die Mitfinanzierung der neuen Stühle über 20 000 Euro spendete und das Untere Foyer mit bislang rund achttausend Euro "aufhübschte". Lutz Behrens