"Neundorfer" in Plauen nun eine "Bausünde"?

 

Plauen - Es ist erst wenige Tage her, da war das entlang der Neundorfer Straße teilweise herrschende Parkchaos im Wortsinne zum Greifen deutlich. Schneeverwehungen machten es unmöglich, dass Pkw unmittelbar an den Bordsteinen der eingerichteten Parkbuchten platziert werden konnten.

Folge: Sie standen zu nahe der Straßenbahnschienen, die Trams mussten oft unfreiwillige Stops einlegen. Ist die vor kurzem mit hohen Kosten fertig gestellte "Neundorfer" nun eine "Bausünde"? Sind die Gehwege zu breit, die Straße zu schmal oder beides? Oder gar umgekehrt? Damit beschäftigten sich am Montag die Mitglieder des Stadtbau- und Umweltausschusses. Einen ausführlichen Rückblick in den Ausgangszustand und die Planungsphase gab zunächst Matthias Kreul vom Tiefbauamt der Stadtverwaltung.

Unter Berücksichtigung aller so genannten Nutzungsarten - also befahrene Straße, vom öffentlichen Personennahverkehr genutzt, als Straße mit Parkmöglichkeiten und nicht zuletzt Gehwegen einschließlich Baumbestand, müsste die Gesamtbreite etwa 25,50 Meter aufweisen. Tatsächlich aber stehen aufgrund der Bebauung nur 22,30 Meter zur Verfügung, an der schmalsten Stelle gar nur 14 Meter. Also habe man sich für Kompromisse entscheiden müssen. Beispielsweise habe man auf die ursprünglich geplanten Radwege verzichtet, die Radler dürfen nun auch den Gehweg nutzen.

In der Tat wurde eine sieben Meter breite Fahrbahn geschaffen, selbst für Bundesstraßen sei nur eine Breite von 5,50 Metern erforderlich, argumentierte Kreul. Andererseits wurden Parkbuchten angelegt, die die erforderliche Tiefe von 2,50 Metern nicht ausweisen. An sich kein Riesenproblem, wenn sie nicht auch an Stellen entstanden wären, wo die Straßenbahn sich in einem Schwenkbereich befindet, und dann wird es dramatisch eng. Als Sofortmaßnahme wurde ein absolutes Parkverbot für diese Flächen eingeführt, sehr zum Unmut der Anwohner und vor allem Gewerbetreibenden, deren Lieferungen nun teilweise beträchtlich entfernt von ihren Geschäften abgeladen werden.

Bürgermeister Manfred Eberwein versuchte denn auch erst gar nicht, um den heißen Brei herumzureden. Man habe Fehler festgestellt, die er aber angesichts der Gesamtbaumaßnahme als "menschlich" wertete. Er avisierte, dass vermutlich zwei Parkbuchten im Bereich des Löwel-Platzes künftig nicht mehr genutzt werden könnten.

Dieter Blechschmidt (CDU), auf deren Antrag das Thema auf die Tagesordnung gesetzt worden war, kritisierte vor allem, dass wieder einmal nicht auf das Empfinden der Bürger reagiert worden sei - wie schon im Falle der Sanierung des Altmarktes oder der Asschreibung des Wende-Denkmals. Wenn die beiderseitigen Fußwege elf Meter breit seien und die Straße sieben Meter, dann stimme etwas mit den Proportionen nicht. CDU-Fraktions-Chef Hansjoachim Weiß sah das ähnlich: Mit den Gewerbetreibenden sei im Vorfeld zu wenig gesprochen worden. Er forderte einen monatlichen Bericht, wie man die Mängel schnellstens abzustellen gedenke. "Mit Sperrungen und Beschilderungen ist es jedenfalls nicht getan", sprach Weiß Klartext. Mit den Betroffenen wird es am 17. Februar ein Bürgerforum geben und spätestens dort werden Lösungen auf den Tisch kommen müssen. Schnell und unbürokratisch. tp