Neujahrskonzert im Vogtlandtheater

Erwartungsvoll gestimmt gehen die Besucher in jedem Jahr zum Neujahrskonzert ins Vogtlandtheater. Diesmal lockte das Konzert mit einem besonderen Versprechen.

 

Tobias Engeli, schwarzgelockter Kobold im Frack und mit Dirigentenstab, klärte auf: "Fein könnt? auf der Welt es sein" sei der Titel eines Liedes aus Emmerich Kálmáns Operette Gräfin Mariza. Tassilo verbinde nach heftigen Liebesenttäuschungen diese seine Hoffnung mit der illusorischen Bedingung, dass die "feine Welt" dann Wirklichkeit werde, wenn es keine Mägdelein mehr gäbe. Ein Alptraum, so auch Tobias Engeli, dem wir wohl alle nicht weiter nachgehen wollten. So mischte der stark beanspruchte Dirigent des Neujahrskonzertes seine Moderation mit Informationen über die Technikbegeisterung diverser Komponisten, flocht die eine und andere Lebensweisheit ein (auch gereimt) und garnierte alles mit freundlichem Charme und bestimmtem Auftreten. Der von vielen als Moderator erwartete Dietrich Mund kam in diesem Jahre nicht zum Zuge. Darf man fragen, warum?

 

Des Ersten Kapellmeisters Tobias Engeli Hauptaufgabe bestand natürlich darin, das Philharmonische Orchester des Theaters Plauen-Zwickau zu leiten. Das tat er mit Schwung, ansteckender Begeisterung und hörenswertem Resultat. Mitreißend der Auftakt. Zwei slawische Tänze (7 und 2 op. 72) von Antonin Dvorák bot das Orchester mit der nötigen Einfühlung und gebotenen Delikatesse. Immer wieder ein Erlebnis, obwohl sicher schon tausendmal gehört und im weiland Musikunterricht damit malträtiert: Die Moldau aus dem Zyklus Mein Vaterland von Bedrich Smetana. Viel Beifall gab es für diese perfekt dargebotene Perle der sinfonischen Programmmusik.

 

Vor der Pause sang Tenor Joshua Whitener in russischer Sprache sehr gefühlvoll die Arie des Lenski aus Tschaikowskis Oper Eugen Onegin nach dem Poem von Puschkin. 18 Jahre habe Alexander Borodin an seiner einzigen Oper Fürst Igor gearbeitet, wusste Tobias Engeli zu berichten; auch deshalb, weil der Komponist zudem Wissenschaftler, Beamter und Familienvater gewesen sei. Zu hören waren aus dieser Oper die beliebten Polowetzer Tänze. Mit Brahms? Ungarischen Tänzen (1,4 und 2) wurde das Neujahrskonzert nach der Pause fortgesetzt. Großartig Sopranistin Uta Simone mit dem Lied der Saffi aus Johann Strauß? Zigeunerbaron: "So elend und so treu ist keiner", gefolgt von Joshua Whitener mit "Fein könnt? auf der Welt es sein", bis sich dann beide im Duett "Ich will nur Dich" aus Emmerich Kálmáns Csárdásfürstin stimmlich vereinten.

 

Nach der reizvollen Neuen Pizzicato-Polka von Johann Strauß gab es zum offiziellen Abschluss des Konzertes noch den Konzertwalzer Wiener Blut. Hier waren zum Finale Uta Simone und Joshua Whitener noch einmal eindrucksvoll zu hören. Nach dem unisono formulierten Glückwunsch zum neuen Jahr durch Dirigent und Orchester, folgte ein weiterer musikalischer Glanzpunkt, bevor im gemeinsamen Klatschen der Radetzky-Marsch zelebriert wurde.                                 Lutz Behrens