Neues Sudhaus in der Schublade

Der Bierkonsum nimmt deutschlandweit weiter ab, der Wettbewerb wird schärfer. Doch die Sternquell Brauerei ist zuversichtlich. Als erstes Brauhaus in Sachsen hat sie zum dritten Mal den Bundesehrenpreis erhalten. Falsche Flaschen machen das Brauereileben schwer. Und auch über den Standort Dobenaustraße wird nachgedacht.

Plauen - 156 Jahre wird in der Dobenaustraße, dort wo die Geschichte der Sternquell Brauerei begann, Bier gebraut. Bei der härtesten Bierprüfung der Welt, beim Biertest der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft DLG, konnte Sternquell seit 1992 insgesamt 61 Medaillen abräumen. Drei davon kamen erst zu Jahresbeginn hinzu, für das Pils, Premium Pils und die Bierbrause - alle in Gold und mit einer Punktewertung, die weit über dem Durchschnitt lag. Dafür gab es zum dritten Mal den Bundesehrenpreis, die höchste Auszeichnung des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz.

"Solch eine Qualität kommt nicht von selbst, sondern kann nur durch angestrengte Arbeit jeden Tag erreicht werden. Dafür bedanke ich mich bei den Mitarbeitern", sagt Geschäftsführer Jörg Sachse. Die Qualität des Bieres sei kein Selbstläufer, immerhin braucht es natürliche Rohstoffe, die nicht immer gleichbleibend sind. "Die Kunst der Brauer ist es, die Schwankungen klein zu halten, denn jeder erwartet beim Bier den gewohnten Geschmack. Ganz penibel sind wir bei der Sauberkeit", so Sachse. 90 Mitarbeiter zählt die Brauerei.

"Mit einer ganz klaren Qualitätsaussage wollen wir dem sinkenden Bierkonsum gegensteuern. Wurden 1990 noch 145 Liter pro Kopf getrunken - übrigens in Ost und West fast gleich - so waren es 2012 nur noch 105 Liter. Das war fast ein Drittel weniger", erläutert Sachse. Dennoch habe die Sternquell Brauerei ihren Bierabsatz 2012 auf dem Niveau des Vorjahres halten können. "Problem ist der Verriss der Preise. Zwar blieb der Bierpreis über Jahre unverändert, aber die Zahl an Rabattaktionen hat zugenommen. Es gibt Wettbewerber, die verkaufen gut zwei Drittel über Aktionen. Und so werden auch wir gezwungen, die Rabattschlacht mitzumachen", erklärt der Geschäftsführer.

Zu den frisch prämierten Sternquell-Spezialitäten gehört auch die Bierbrause. "Das Mischgetränk aus zwei Dritteln Limo und einem Drittel alkoholfreiem Bier findet großen Zuspruch und hilft uns, neue Kunden zu generieren. Aber auch das Schwarzbier, das ebenfalls seit 2012 auf dem Markt ist, kommt super an", freut sich Sachse. Acht Sorten Bier werden derzeit in Plauen gebraut, "und es werden vorerst nicht mehr". Das Bierabsatzgebiet sei um den Kreis Erfurt-Leipzig-Dresden erweitert worden. Die Bierbrause würde auch gern in Bayern getrunken.

Gebraut wird das Bier noch immer in der Dobenaustraße, abgefüllt in Neuensalz. Bereits 1995 wurde die gesamte Logistik auf das Gelände an der Autobahn ausgelagert. 2001 wurde der neue Flaschenkeller eingeweiht. Pro Schicht verlassen 9000 Kästen das Band, das sind 360 000 Flaschen am Tag. Zehn Kästen wiederum ergeben einen Hektoliter. "Unser Ziel ist es, das Sudhaus mit nach Neuensalz zu ziehen. Die Pläne dafür liegen in der Schublade. Es gibt aber noch keinen Termin für den Neubau. Er ist abhängig von der Absatzentwicklung", schildert Sachse. Für die 50 000 Quadratmeter Fläche an der Dobenaustraße sucht er eine sinnvolle Nachnutzung. "Schön wäre es, wenn der Schalander und die alten Gebäude erhalten werden können", sagt Sachse, der das Gelände von Kindesbeinen an gut kennt. "Aber es macht auf Dauer keinen Sinn, zwei Standorte zu halten. Der Transport des Braugutes kostet zusätzliches Geld."

Schon jetzt ein riesiges Problem, das aber immer größer wird, sind die falschen Flaschen, die bei Sternquell landen und am Band von fünf Mitarbeitern täglich aussortiert werden. "Immer mehr Brauereien arbeiten mit Individualflaschen und wir kriegen ein sehr durchmischtes Leergut zurück. 25 Prozent sind Fremdflaschen. Wir investieren derzeit, um die Sortierung zu mechanisieren", sagt Sachse und ärgert sich zugleich darüber, dass auf Grund der riesigen Leerguttransporte zu den einzelnen Brauereien die umweltbewusste Mehrwegflasche ihren Sinn verliert.

Normalerweise überstehe eine Mehrwegflasche rund 50 Umläufe. Die Zusammenarbeit im Konzern Kulmbacher Brauerei AG mit der Bad Brambacher Mineralquellen ist für Sachse "eine hervorragende Ergänzung in der Gastronomie. Wir passen toll zusammen. Und Brambacher erleichtert uns das Leben", sagt Sachse auch mit Blick auf die wachsenden Absatzzahlen bei Mineralwasser. Wer sehen möchte, wie das Bier in die Flasche beziehungsweise Fässer kommt, sollte sich das Brauereifest auf dem Gelände Neuensalz am 7. und 8. September vormerken. Erstmals ist der Eintritt am Sonntag, dem Familientag, frei. Bereits am 6. September gibt Schlagerlegende Roland Kaiser den Auftakt zum Festwochenende. Und am Samstag stehen Eisbrecher, ELA und Frayed Eyes auf dem Programm.