Neues Museum im Greizer Schloss

Das Obere Schloss in Greiz beherbergt nun ein Museum. Am Samstag wurde die neue Dauerausstellung "Vom Land der Vögte zum Fürstentum Reuß älterer Linie" feierlich eröffnet. Auf 1800 Quadratmetern wird Historie mit der Aufforderung zum Anfassen präsentiert.

 

Umzu denWurzeln der über 700-jährigen Greizer Reußen-Geschichte zu gelangen, muss künftig der 60 Meter hohe Schlossberg erklommen werden. "VielWissen wird im Oberen Schloss gezeigt", sagte der Greizer Bürgermeister Gerd Grüner (SPD) in seiner Eröffnungsrede am Samstag im Fürstensaal. Und er platzte vor Neugierigen schier aus den Nähten - mehr als 300 Gäste drängten sich in dem für 199 Personen konzipierten Raum. Kein Wunder, galt es doch nach Jahren der Sanierung, in die 6,92 Millionen Euro in der vergangenen Dekade flossen, ein Museum zu eröffnen, dass zweifellos zu den derzeit beeindruckendsten Geschichtsschauen im weiten Umkreis gehört.

 

Auf vier Etagen wird dem Besucher nicht nur einfach eine Sammlung unterschiedlichster Exponate vor Augen geführt. Geschichte wird im Wortsinn für Jung und Alt erlebbar - seien es die Stirnlampen, mit denen die Gäste die geologischen Ursprünge der Region ausleuchten können, das Skateboard, auf dem durch die Bauhistorie des Oberen Schlosses gerast werden kann, oder der 3D-Film, der im Gewölbe der romanischen Doppelkapelle die Greizer Geschichte sichtbar macht. Kurzum, zu den Ausstellungsstücken gibt es allerorten Knöpfe zum Drücken, Bildschirme zum Schauen, Figuren, die sprechen und den Besucher so auf eine faszinierend lebendige Zeitreise einladen. Dabei sind die im Zuge der Sanierung wieder entdeckte Doppelkapelle aus dem 12. Jahrhundert oder die Rokkokostukaturen in den anderen, von schweren Kristalllüstern dominierten Räumen für sich schon bewundernswert.

 

Der umfangreich medial unterstützten Präsentation der Exponate wurden zudem passend Arbeiten des Hallenser Künstlers Moritz Götze zur Seite gestellt. Seine an Comics und Popart erinnernden Gemälde führen die Gäste des Museums abermals auf eine erfrischende Art durch die Ausstellung. Über 90 Firmen waren an der Sanierung und dem Aufbau des neuen Museums beteiligt, für deren Engagement sowohl Bürgermeister Gerd Grüner als auch Museumschef Rainer Koch dankte. Das Museum werbe, so Koch in seinen Ausführungen, für das "Abenteuer Geschichte vom frühen Mittelalter bis zumbeginnenden 20. Jahrhundert" und könne mit dem Besuch des Museums im Unteren Schloss eine zeitliche Fortsetzung bis in die Gegenwart finden. Dorthin zog übrigens 1809 das Fürstenhaus Reuß Älterer Linie um und erhob das Untere Schloss zum Sitz der Landesregierung.

 

Letztlich auch ein Grund, warum die historische Bedeutung des Oberen Schlosses in Vergessenheit geriet - und beinahe vollends unterging. Denn dem glücklichen Umstand, dass der Greizer Architekt Matthias Hamann im Zuge der Sanierungsarbeiten auf dem Oberen Schloss historische Stuckelemente fand, ist es zu verdanken, dass unter anderem die romanische Doppelkapelle wieder entdeckt wurde. "Kultur ist bitter nötig, um Identität, Lebenskraft und Lebensqualität zu stärken", sagte Dr. Karl-Heinz Hänel, Referatsleiter im Thüringer Ministerium für Wissenschaft, Bildung und Kultur zur Eröffnung, die musikalisch Dresdens Frauenkirchenkantor Matthias Grünert begleitete. Das neue Museum im Oberen Schloss Greiz leistet dafür einen unbedingt sehenswerten Beitrag.