Neues Buch über Göltzschtalbrücke

Milchkartons werben damit, Bierflaschen und ec-Karten, die IG Metall benutzt sie, Wohnungsvermieter und sie prangte auf Geldscheinen: Die Göltzschtalbrücke eignet sich bestens zu Werbung. Autor Gero Fehlhauer zeigt zum 160. Geburtstag des weltgrößten Ziegelstein-Viadukts (128) neue Seiten der Grande Dame unter den Brückenbauten - in seinem neuen Buch.

Netzschkau/Mylau - Mit Haut und Haar taucht Fehlhauer in das Thema ein - und lässt sich auch nicht von Polizisten stören: Die holten ihn von der Göltzschtalbrücke, als er mit seiner belgischen Schäferhündin Casy fotografieren wollte, wie die Elektrifizierung des Bauwerks voranschreitet. "Weil ich keinen Ausweis mit hatte, fuhren mich die Beamten nach Hause. Dort musste ich dann 25 Euro bezahlen: wegen gefährlichen Eingriffs in den Eisenbahnverkehr. Die Quittung ist im Buch zu sehen - die Polizisten haben ,Gölschtalbrücke', geschrieben - ohne tz", sagt der Reichenbacher.

Fehlhauers Buch "Die Göltzschtalbrücke - Größter Ziegelsteinviadukt der Welt" ist im guten Sinne ein Bilderbuch geworden: Mehr als 220 bisher kaum veröffentlichte Aufnahmen aus dem Archiv des Autors oder aus Privatsammlungen zeigen das "Weltwunder in Stein" seit 1900, das erst jüngst mit dem Titel "Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst in Deutschland" geadelt wurde.

Fehlhauer beschäftigt sich in seinem Buch mit der Skisprungschanze neben der Brücke, auf der 1931 bis 1964 Sportgeschichte geschrieben wurde. Erwähnt werden tragische Ereignisse wie ein 1999 als Selbstmord getarnter Mord: Das Opfer war zuerst verscharrt worden, wurde zwei Tage später ausgegraben und von der Brücke gestürzt.

Der Band ist Fehlhauers 15. Buch, das vierte, das der Erfurter Sutton-Verlag veröffentlicht. In der Neuerscheinung erinnert der Autor an den Brand in Ketzels Kunstmühle 1903, den Bahnunfall auf der Strecke der Mylischen Berta 1937, als herrenlose Waggons von Lengenfeld (!!!) bis an einen Prellbock an der Brücke rollten und dort entgleisten. Der Autor berichtet vom Hochwasser 1954, als das Wasser bis in die Höhe der Brücksockel reichte. "Ich habe mich mit Dingen beschäftigt, die teilweise in Vergessenheit geraten sind", sagt Fehlhauer.

Zu diesen bisher vernachlässigten Aspekten gehört die Verwendung der Brücke als Agitationsmittel. Man kennt den Schriftzug "Wählt Thälmann" am Bauwerk von 1932, um den Sieg Hitlers zu verhindern. Es gab Festplaketten für Reservisten aus dem Jahr 1933. Und 1951 wurde für das "Deutschlandtreffen" geworben. "Politische Instrumentalisierung der Brücke vor und nach dem Zweiten Weltkrieg: Für die Nazi-Zeit habe ich keine Fotos gefunden", berichtet der Autor.

Ein Teil seines Buches beschäftigt sich mit dem gegenwärtigen Umbau der Brücke als Teil der Streckenelektrifizierung von Reichenbach bis Hof. Nach Fehlhauers Meinung fügt sich der künftig 1,50 Meter breitere Brückenkopf je Seite harmonisch in das Gesamtbild ein. "Ich bin froh, dass ich den Umbau hautnah miterleben darf", sagt er und zollt den Bauleuten seinen Respekt. Und gleichzeitig macht er auf seine Beobachtung aufmerksam, wonach Ausländer beim Brückenbau unabdingbar scheinen: "Vor 160 Jahren wurden Italiener eingesetzt, heute sind es Eisenflechter aus dem ehemaligen Jugoslawien."

Maurer, Elektriker, Mediengestalter, Macher: Gero Fehlhauer legt sein 15. Buch vor - diesmal über das Weltwunder aus Ziegelsteinen. Jetzt hat Fehlhauer das Buch in Ketzelsmühle am Fuße der Brücke vor 60 Gästen vorgestellt. Der 44-Jährige strotzt vor Tatkraft und lässt sich auch von Rückschlägen nicht entmutigen, auch nicht davon, dass die Stadtverwaltung Netzschkau vergessen hat, ihn zur Jubiläumsveranstaltung einzuladen.

Das Buch Gero Fehlhauer: "Die Göltzschtalbrücke - Größter Ziegelsteinviadukt der Welt"

ISBN 978-3-86680-826-3, Sutton Verlag, 128 Seiten, 18,95 Euro