Neue Tourist-Info um jeden Preis?

Ob sich die Diskussion ebenso lange hinzieht wie weiland die über den Standort eines Innovationszentrums Plauener Spitze, ist noch nicht abzusehen. Einen kleinen Schritt auf dem holprigen Weg in Richtung neuer Standort Tourist-Info gingen die Mitglieder des Stadtbau- und Umweltausschusses.

Plauen "Der Worte sind genug gewechselt, lasst mich auch endlich Taten sehn." Dichterfürst Goethe für den Stadtbau- und Umweltausschuss zu bemühen, hat durchaus seine Berechtigung. Denn einmal mehr verbissen sich auch die Mitglieder dieses Ausschusses in die Frage, wo denn nun die Tourist-Information ihr Domizil finden soll und vor allem, ob unter diesem Dach auch Räumlichkeiten zur Erinnerung an die Friedliche Revolution ihren Platz haben werden. Auch die Mitglieder des heute tagenden Verwaltungsausschusses werden sich dazu eine (erste) Meinung bilden.
Baubürgermeister Levente Sarközy stimmte auf das Thema ein und erinnerte an den im Vorjahr gefassten Stadtratsbeschluss, derartige Räume für ein Informations- und Dokumentationszentrum (IDZ) zu finden. Vor allem gehe es um das WO und WIE vor dem Hintergrund, die Nachfolgekosten so gering wie möglich zu halten. Die Verwaltung präferiert den Bau eines neuen Gebäudes in der Melanchthonstraße - das obige Modell weist aus, wie es aussehen könnte, wenn das IDZ, für das sich vor allem der Verein 89 stark macht, im neuen Gebäude der Tourist-Info mit unterkäme.
Nicht gegen das Projekt an sich, wohl aber die fortgeschrittenen Vorplanungen für diesen Standort, wendet sich ein Antrag der CDU. Die Verwaltung möge schlüssig darlegen, welcher Bedarf für einen solchen kombinierten Neubau bestehe. Zu prüfen sei zudem, ob das IDZ nach Ausbau des Brandschutzamtes am Oberen Graben nicht auch dort sein Domizil finden könnte. Die Tourist-Info wiederum könnte mit ihrem kompletten Angebot ins jetzige Spitzenmuseum umziehen, das nach seinem Umzug ins Weisbachsche Haus leer stünde. Die bisherige Tourist-Info wiederum könnte nach den Vorstellungen der CDU zu "einem kurzen geschichtlichen Infopoin.
Neues Gebäude im
Millionenbereich

Dass der Stadtrat die Ergebnisse der Standortanalyse bestätigt und einen Neubau der Tourist-Info in Verbindung mit einem IDZ beschließe, damit mochten sich die Antragsteller nicht anzufreunden. Mit Powerpoint präsentierten Modellen warb Sarközy nochhmals für den Standort Melanchthonstraße, für den die Vorplanungen tatsächlich recht weit fortgeschritten sind.
Studie 1 sieht ein zweigeschossiges Gebäude für die Tourist-Info samt öffentlichen WC vor. Kostenpunkt 960.000 Euro. Eine Erweiterung um die Räumlichkeiten des IDZ ist möglich, schlügen natürliich finanziell entsprechend zu Buche. Tourismusbeauftragte Silvia Weck leistete ideelle Schützenhilfe. Die Mitarbeiterinnnen der Tourist-Info könnten die Ausstellungsgebäude während der Öffnungszeiten betreuen, so ließen sich die Personalkosten so gering wie möglich halten. Zudem sei eine "selbsterklärende, also stark audiovisuelle, Ausstellung angestrebt. Würden beide Einrichtungen separat untergebracht, stiegen die Personalkosten um mindestens 50.000 Euro jährlich.
Kein Vereinsheim,
sondern Aushängeschild

Agiere die Stadt als Betreiber beider Einrichtungen unter einem Dach, dann sei dies tatsächlich eine sinnvolle Lösung, merkte Grünen-Stadtrat Oliver Bittmann an. Dann bliebe quasi nur der geeignete Standort zu diskutieren - stets vor dem Hintergrund möglichst geringer Folgekosten. Dies sah sein Fraktionskollege Dieter Rappenhöner ähnlich, und der für die CDU deren Antrag begründende Stadtrat Dieter Blechschmidt fügte an, dass auch ein Standort unklar bliebe, solange die Frage des Betreibers nicht entschieden sei. Hier aber scheint Klarheit zu herrschen - diesen Part wird die Stadt übernehmen. Hinsichtlich des von der CDU ins Spiel gebrachten Standortes ehemaliges Brandschutzamt verwies Sarközy auf relativ hohe Kosten, die aus einer Sanierung erwachsen und die Tatsache, dass das Gebäude eigentlich verkauft werden soll. SPD-Stadtrat Stubenrauch, Plauener aus Überzeugung, drehte das große Rad. Plauen habe sich ein IDZ verdient, für dessen professionelle Betreuung müssten Kosten in den Haushalt eingestellt werden. Manfred Sörgel, Chef des Vereins 89, machte deutlich, dass für den Verein nur eine Verbundlösung in Frage komme. "Hier entsteht kein Vereinsheim, sondern ein weiteres Aushängeschild für Plauen." Eine Zusperr-Lösung sei schon im Sinne der Willkommenskultur nicht zu befürworten. In einem Gespräch mit dem Leiter des Museums Mödlareuth habe der ihm zugesagt, dortige Touristenbusse nach Plauen "weiterzuleiten". "Gehen wir mal von 0,5 Prozent aus, dann sind das 4000 Besucher jährlich in Plauen", rechnete Sörgel vor. Und Vereinsmitglied Hansjoachim Weiß sichtlich genervt: Er höre immer "der Verein braucht". "Der Verein braucht gar nichts, es geht darum, dass die Stadt etwas möchte. Wir dürfen das Projekt nicht zerreden, immerhin besteht die Möglichkeit einer 85-prozentigen Förderung und die Unterstützung aus Berlin und Dresden.
Auftrag an Verwaltung:
Betreiberkonzept

Am Ende rauften sich die Fraktionen von CDU und Grünen in Form eines Antrags so weit zusammen, dass auch Goethe Genüge getan wurde, der endlich Taten sehen will. Die Verwaltung wird beauftragt, ein Betreiberkonzept zu erarbeiten. Eine Standortentscheidung ist unter Berücksichtigung der Folgekosten zu treffen. Sollte der von der Verwaltung bevorzugte Standort Melanchthonstraße den Segen der Stadträte finden, dann ist eine verkehrstechnische Lösung für die zu erwartenden Touristenbusse vorzulegen - im II. Quartal 2020