Neue Spielzeit weckt zahlreiche "Erwartungen"

Mit großen "Erwartungen" geht nicht nur das Publikum des Theaters Plauen-Zwickau in die neue Spielzeit, sondern auch das Ensemble. Und: "Erwartungen" ist zugleich das Motto, unter dem die einzelnen Sparten des Hauses hochkarätige Inszenierungen präsentieren.

Von Torsten Piontkowski

Plauen - "Erwartungen" sei ein ambivalenter Begriff, der sowohl künstlerich als aus gesellschaftlich verstanden werden könne, leitete Generalintendant Roland May gestern die traditionelle Vorstellung der neuen Spielzeit an seinem Hause ein. "Wir sehen uns als jene, die mit künstlerischen Mitteln in den gegenwärtigen Dialog eingreifen, so May, der die Gesellschaft derzeit einer Zerreißprobe ausgesetzt sieht. Erwartungen verbindet er aber auch mit dem Fortgang und dem Abschluss der Baumaßnahmen am Gewandhaus in Zwickau, das ab Herbst den regulären Spielbetrieb wieder aufnehmen soll. Auch in Plauen stehe die Kleine Bühne aufgrund von Sanierungsarbeiten bis November nicht zur Verfügung, weshalb man für kleinere Angebote das Löwel-Foyer nutzen werde.
Die humorvolle Bemerkung Mays, seine Spartenleiter würden mit der Vorstellung ihrer Vorhaben in einen Wettstreit treten, sollte sich denn auch bewahrheiten.

Musiktheater
Als Auftakt in der Sparte Musiktheater darf sich das Publikim auf die Mozart-Oper Don Giovanni am 2. November freuen. Jürgen Pöckel, unter dessen Regie das Stück in italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln erarbeitet wird, freut sich vor allem auf die hochkarätig besetzten Titelrollen mit Sebastian Seitz als Giovanni - und auch die drei weiblichen Hauptrollen versprechen Musikerlebnis pur. Eine Saga über mehrere Generationen einer schwedischen Familie steht im Mittelpunkt des Musicals "Das Lächeln einer Sommernacht" (25. Januar). Pöckel avisiert ein verspieltes Werk mit durchaus tragikomischen Aspekten.
Bei der Revuette "Kind, ich schlafe so schlecht" (8. Februar) werden auf der Kleinen Bühne so existenzielle Dinge wie Matratzen, Kissen, Träume und Einschlafschwierigkeiten unter die Lupe genommen, macht Pöckel Appetit auf ein heiter-frivoles Programm, was dennoch für Besucher ab 12 Jahren geeignet ist. 
Wie bekommt man Partnerschaft und Karriere unter einen Hut werden sich nicht nur zahlreiche Menschen "da draußen" fragen - dieses Problems widmet sich auch das Musical "Die letzten fünf Jahre" (28. Februar). Das Besondere: Zwei Schauspieler erzählen die Geschichte - einer beginnt am Anfang, der andere am Ende und schließlich treffen sich beide Zeitschienen in der Mitte - die erste Regiearbeit von Schauspielerin Nadine Aßmann. "Die lustige Witwe" ist quasi der "Quotenbringer", mit dem das Musiktheater am 25. April an den Start geht. Zudem macht Pöckel auf die Fortsetzung der beliebten Liederabende aufmerksam, die am 21. September mit dem neuen Bass des Ensembles, Frank Blees, eröffnet werden - ein Mann, der seine Vorliebe für spanische Musik an diesem Abend voll ausleben kann.

Konzerte
Einmal mehr versuche man den Spagat zwischen Tradition und Moderne, sagt der Generalmusikdirektor Leo Siberski bei der Vorstellung der Angebote seiner Sparte und stellt das künstlerische Schwergewicht der Sinfoniekonzerte vor: Frank Dupree, Artists in Residence, was soviel heißt, als dass er während mehrerer Konzerte in Plauen und Zwickau einen Gesamtüberbkick seines Könnens präsentieren wird. "Er geht steil", sagt Siberski schmunzelnd in Neudeutsch - inzwischen stehe man in Verhandlungen mit den wichtigsten Agenturen in London, weil Dupree eben internationales Renommee genießt.

Sonderkonzerte
Bewährtes und Beliebtes wird auch hinsichtlich der Mondscheinserenade auf der Bahnhofstraße beibehalten (31. August) Unter dem Dirigat von Vladimir Yaskorski erklingt einmal mehr Musik von Händel. Ein besonderes Konzert erklingt zur Nagelkreuzverleihung in der Johanniskirche (10. April) und bereits am 5. April erklingt im Vogtlandtheater das Projekt Messias. Noch nicht gänzlich in trockenen Tüchern befindet sich ein anderes Event. Hinsichtlich des Sächsischen Mozartfestes (31. Mai 2020) am Vogtlandtheater laufen noch die Verhandlungen. Mit Chansons, klassischer Moderne und Auszügen aus Operetten begrüßen die Theaterfreunde das neue Jahr (1. Januar) mit dem Neujahrskonzert unter dem Titel "Welcome 20!"
Ballett
Mit dem neben Schwanensee berühmtesten Ballett - Giselle - beginnt die Saison in der Sparte Ballett (20. September). Um den bedeutendsten Maler des Impressionismus geht es in der Aufführung "Max Pechstein bewegt" (11. Januar). Ausgehend von verschiedenen Bildern wolle man in das Schaffen Pechsteins eindringen, avisiert Spartenleiterin Annett Göhre, die das Stück auch choreografiert hat. "Die vier Jahreszeiten" nach der Musik von Antonio Vivaldi erleben am 23. Mai ihre Premiere - danach werde man mit dem Ballett ein Gastspiel in Berlin geben.

Schauspiel
Mit auch für Plauen wichtigen Themen warte die Sparte Schauspiel auf, wecken Generalintendant Roland May und die Leitende Dramaturgin Maxi Ratzkowski Interesse für das "gesprochene Wort". "Die bessren Zeiten sagen guten Tag" (3. Oktober 2019) beinhalten Prosa, Lyrik und Songs über die politische Wende 1989 - zusammengestellt von Roland May. Mannigfaltige Ideen zur Gestaltung einer menschlichen Gesellschaft habe es damals gegeben, sagt May, der deshalb "unglaublich viel Material" gesichtet habe. Ein wenig, so der General, soll die Inszenierung an die in der DDR sehr erfolgreiche Reihe "Jazz, Lyrik, Prosa" erinnern. Auf die Lachmuskeln wartet am 5. Oktober die Komödie "Wir sind auch nur ein Volk". Eine Geschichte über einen westdeutschen TV-Serienautor, der unmittelbar nach der Wende die "typische Ost-Familie" ausfindig machen soll. Doch leider ist die vorwiegend "ganz normal'", so dass man sich zur Bedienung aller Klischees einiger Tricks bedienen muss...
Als diesjähriges Weihnachtsmärchen steht einmal mehr ein Klassiker der Gebrüder Grimm an - "Rumpelstilzchen" feiert am 1. Dezember Premiere. "Honig im Kopf" kommt am 13. Dezember auf die Kleine Bühne und Maxi Ratzkowski verspricht eine Theaterfassung - einen Tick besser als der Film von Til Schweiger aus dem Jahre 2014. Einem ebenfalls ernstem Thema widmet sich das Jugendstück "Auf Eis" (19. März). Frei von pädagogischer Belehrung will man sich des Problems Crystal Meth annehmen. Gespielt von vier Leuten, zwischen denen am Ende keinerlei Kommunikation mehr möglich ist. "Der Besuch der alten Dame" im Vogtlandtheater steht am 21. März an, bevor am 9. Mai "Der zerbrochene Krug" samt Dorfrichter Adam erscheint.

Parktheater
"Rock of Ages" dürfte eine sichere Bank sein, um wieder zahllose Besucher ins Parktheater zu locken. Die Story spielt im L.A. der 80er, wo Fönfrisuren, Lederjacken und Stirnbänder "Pflicht" waren. Die Premiere findet am 10. oder 11. Juli 2020 statt und vielleicht gibt es ja Rabatt für alle, die im Look jener Jahre erscheinen.