Neue Schau von Frank Zaumseil eröffnet

Wer sich Latein für Angeber angelernt hat, kommt mit "in medias res" und damit drei Worten zur Sache. Doch es geht auch anders. Rüdiger Flämig begann als Laudator zur Eröffnung der Ausstellung von Frank Zaumseil die Zuhörer bedeutungsschwanger und unvermittelt mit dem Satz: "Im Sinne eines uns alle stets betreffenden Zeitfaktors ..." zu attackieren.

 

Wo ein schlichtes Begrüßen der Gäste angebracht und Gebot banaler Höflichkeit gewesen wäre. Was danach der promovierte Philosoph den rund 50 Besuchern zumutete, war einfach nur unverständlich. Zwar bemühte sich das Auditorium fast atemlos und sichtbar angestrengt, wenigstens hin und wieder einen Sinn des Ganzen zu erfassen - vergebens. Der Satz für Satz abgelesene Text scheinbar wissenschaftlicher Aussagen zum Thema Philosophische Ästhetik erschloss sich wohl nur dem Vortragenden.

 Einen Lichtblick gab es. Der geradezu klassischen Situation, die wir aus dem Märchen von des Kaisers neuen Kleider kennen, trat diesmal kein Kind, aber mit fester Stimme ein beherzter Besucher entgegen. Nicht mit der Formel "Der Kaiser ist ja nackt", sondern dem unmissverständlich geäußerten Einwurf: "Spinner!" - zumindest ein bei einer Ausstellungseröffnung in der Kapelle Neuensalz singulärer Vorgang.

 Zumal, und das kann nicht entschieden genug betont werden, die gezeigten Bilder von Frank Zaumzeil kein pseudophilosophisch-ästhetisches Geschwafel, sondern eine gründliche und angemessene Interpretation durchaus verdient hätten. "Architektur der Sinne", diesen Titel hat der 1941 in Rotschau geborene Künstler seinen relativ großformatigen Arbeiten, die seit Freitag im Ausstellungs- und Veranstaltungszentrum Kapelle Neuensalz zu sehen sind, gegeben. Sich einprägend, weil häufig vorkommend: das Motiv der russisch-orthodoxen Kirche, mit Zwiebeltürmen und himmelwärts strebenden Gebäuden.

Bildbezeichnungen orientieren den Betrachter über Absichten und Anliegen des Künstlers, lassen jedoch Raum für eigene Überlegungen. Elementare Formen wie der Kreis oder das Kreuz bestimmen häufig die Bildkomposition. Die zum Teil farbigen, aber auch schwarz-weiß gestalteten Bilder fesseln den Betrachter. In vielen Darstellungen verlässt Frank Zaumzeil das Konkret-Gegenständliche, abstrahiert mehr oder minder stark und erreicht damit einen Zuwachs an künstlerischer Aussage.

 

Nach Ausstellungen, die doch eher dem handwerklich Unverbindlichen verpflichtet waren, ist "Architektur der Sinne" von Frank Zaumzeil in der Kapelle Neuensalz ein deutlicher Gewinn. Die Präsentation ist zu den Öffnungszeiten der Galerie immer am Samstag und Sonntag von 14 bis 17 Uhr und noch bis zum 20. September zu sehen.  M.B.