Neue Plauener Löwel-Stiftung auf der Zielgeraden

Plauen - Der Förderverein des Theaters Plauen hat seine Hausaufgaben gemacht - und zwar rechtzeitig. Bevor die Löwel-Stiftung am 31. Dezember dieses Jahres endet, wurden die Grundlagen für eine weiterführende Stiftung geschaffen.

 

Nicht alles, aber vieles begann im Jahre 1993. Lutz Behrens, Redakteur des Vogtland-Anzeigers nahm einen Termin im Rathaus wahr, bei dem auch Hans Löwel zugegen war. Der damals 73-Jährige, der mit dem bundesweiten Vertrieb von Plauener Spitze zu Wohlstand gelangt war, übergab einen Scheck in Höhe von 50 000 Mark, damit in seiner Heimatstadt, der er zeitlebens eng verbunden war, "etwas mit Kunst gemacht würde". Doch lange hörte der Mäzen nichts mehr und niemand vermochte so recht zu sagen, wofür man den Geldsegen nun eigentlich verwendet habe.

 

Nach einem Beitrag im Vogtland-Anzeiger kam dann doch noch Bewegung in die Sache. Der damalige OB schickte Löwel einen Dankesbrief samt Termin für ein persönliches Gespräch. Löwel zeigte sich daraufhin ausgesprochen spendabel und verdoppelte seine Spende auf 100 00 Mark. Mit dieser Summe finanzierte er die von Erik Seidel geschaffene Plastik "Vater und Sohn", die inzwischen von der Bahnhofstraße vor das Erich-Ohser-Haus in der Nobelstraße "umgezogen" ist. 1995, also im gleichen Jahr der Einweihung der Seidel?schen Plastik, spendete Löwel jedem Bewohner in Plauener Altenheimen zum Nikolaustag eine Kiste Nürnberger Lebkuchen, ein Jahr später kamen das Tierheim Kandelhof und der Plauener Tierschutzverein in den Genuss von 50 000 Mark.

 

Doch damit nicht genug - als Löwel erfuhr, dass sich das Plauener Theater in finanziellen Schwierigkeiten befindet, spendete er eine halbe Million Euro an den Förderverein des Vogtlandtheaters. Geld, von dem beispielsweise die Titanic-Inszenierung mitfinanziert wurde, das Konzertzimmer, der Steinway-Flügel, diverse Open Air-Aufführungen im Parktheater und die neue Bestuhlung im Großen Saal. Im Frühjahr 1996 entschloss sich Löwel, sein Vermögen in eine Stiftung zu überführen. Am 18. März 1996 wurde diese in Bamberg gegründet - nur wenige Tage vor dem Tod Löwels am 3. April.

Die Begünstigten erhalten jährlich einen bestimmten Prozentsatz der Zinsen auf das Gesamtkapital. 50 Prozent kommen verschiedenen wohltätigen Projekten der Universität Bamberg zugute. Weitere 25 Prozent erhält die Stadt Plauen, 12,5 Prozent die Initiative Kunstschule, den gleichen Prozentanteil der Theaterförderverein. Ähnlich wie die Stadt, die ihren aktuellen Anteil von 1,6 Millionen Euro in eine Bürgerstiftung einzubringen beabsichtigt, verfolgt auch der Förerverein seit nunmehr drei Jahren das Ziel, eine eigene Stiftung zu gründen.

Denn die Löwel-Stiftung wurde auf 15 Jahre befristet, zu diesem Zeitpunkt wird das Stiftungskapital an die Begünstigten ausgezahlt. Und das habe sich nach dem Ableben von Edith Löwel und überaus geschickter Anlageformen deutlich erhöht, sagt der Vorsitzende des Theaterfördervereins Lutz Behrens. Allein an den Förderverein seien im Laufe der Jahre etwa 250 000 Euro ausgeschüttet worden. Beliefen sich die Zinserträge anfangs noch auf 19 000 Mark, so betrugen sie im Vorjahr 31 000 Euro. Zur Jahreshauptversammlung im Mai 2010 habe man einstimmig den Beschluss gefasst, eine eigene Stiftung zu gründen und die zur Verfügung stehenden 850 000 Euro in diese einfließen zu lassen, ergänzt der stellvertretende Fördervereinsvorsitzende Helko Grimm.

 

Bereits 2008 wurde eine Arbeitsgruppe unter Federführung von Schatzmeister Klaus Hlawatsch gegründet, die sich intensiv dieses Themas widmete. Ende 2009 signalisierte der Vorstand der Hans Löwel-Stiftung in Bamberg, einer vom Förderverein neu zu gründenden "Hans-und Edith-Löwel-Stiftung - Vogtlandtheater Plauen" zuzustimmen. "Es wird sich um eine zeitlich unbefristete Stiftung handeln", betont Behrens. Absolut einig ist man sich, den Stiftungszweck konsequent fortzusetzen.

"Wir stehen Gewehr bei Fuß, um die Stiftung in der beabsichtigten Form zu gründen", sagt Hlawatsch, nachdem auch die Landesdirektion Chemnitz und das Finanzamt den Satzungsentwurf befürwortet habe. Es scheint guten Grund zu geben, in der nächsten Silvesternacht besonders kräftig anzustoßen. L.B./tp