Neue Optik

ANSICHTSSACHE

Von Wilfried Hub

Ich weiß, ich werde mich jetzt vermutlich wahnsinnig unbeliebt machen bei einigen Leuten im Plauener Rathaus. Aber das lässt sich nun mal nicht ändern. Das gehört bei mir vielleicht auch ein bisschen zum Job. Aber ich versuche es so behutsam wie möglich. Es geht um den Kampagnen-Wettbewerb zum 900. Plauener Stadtjubiläum im Jahre 2022. Und dabei insbesondere um das neue Logo für die Stadt, das von Berliner Studenten entwickelt werden soll. Ich bin nämlich der Ansicht, wir brauchen gar kein neues.
 Die Idee, der Stadt zum Jubiläum "ein neues, identitätsstiftendes, modernes und frisches Erscheinungsbild" zu geben ist ja richtig. Ähnlich gut gemeinte Ideen gibt's ja öfter. Mal sind sie gut, mal weniger gut. Ich erinnere nur an den Städtetester Christian Klotz, der, eingeladen vom damaligen Bau-Bürgermeister Manfred Eberwein, vor sieben Jahren einige Male durch die Stadt spazierte und dann eine gewichtige Studie mit Änderungsvorschlägen präsentierte. Klotz wurde damals fast wie der neue Messias gefeiert und man war sich einig, dass jetzt ganz schnell vieles zu ändern sei. Mal abgesehen davon, dass das Wirken von Herrn Klotz die Stadt eine ganze Stange Geld gekostet hat, umgesetzt wurde von seinen Ideen keine. 
 Nur mal so zum Spaß einige seiner längst vergessenen Vorschläge: Die Bahnhofstraße sollte für den Verkehr freigegeben werden, die Parkgebühren sollten gesenkt und die Poller entfernt werden. Er empfahl dringend den Bau des Spitzenzentrums am Oberen Graben und forderte den Umzug der Touristinformation in einen Glaspavillon auf dem Neustadtplatz. Die Vorschläge waren nur für Klotz selbst ein Erfolg. Außer Spesen nichts gewesen.
 

Stadtwappen das beste Logo
Jetzt sollen Studenten der privaten Design-Akademie Berlin der Stadt auf die Sprünge helfen. Plauen soll eine neue Optik bekommen. Von der Stadtverwaltung beauftragt waren eine neue Kommunikationsstrategie, ein einheitliches visuelles Erscheinungsbild, ein passendes Logo, ein Stadtslogan und eine Marketingkampagne für die Stadt. Eine Herkulesaufgabe also. Unter den 15 Kampagnenentwürfen, die derzeit im Rathaus ausgestellt sind, sollen die Bürger ihre Favoriten auswählen. Außerdem wird eine Fachjury eine Bewertung abgeben. Das letzte Wort hat der Stadtrat. Die passendste Studentenarbeit soll dann mit ansässigen Agenturen umgesetzt werden. Das sind eigentlich die Profis, die es gewohnt sind, solche Kampagnen zu erarbeiten. Ob das gut geht?
 Die 15 Arbeiten sind allesamt lobenswert und in jedem Entwurf stecken gute Ideen, darunter Vorschläge für kleine Kampagnen, Logos, Briefe oder Stadtmöbel. Ein gutes neues Signet, eigentlich die Hauptaufgabe, habe ich nicht gesehen. Ich denke aber auch, wir brauchen kein neues. Um die vorhandenen anzupassen, sollte im Rathaus genügend Sachverstand vorhanden sein. Das schönste Logo ist meiner Ansicht nach ohnehin das Stadtwappen. Dieses mit einer "900" darunter, würde mir als Jubiläumssignet am besten gefallen. Könnte aber sein, dass da juristische Probleme zu lösen sind.
 Die beiden anderen Marken sind leider nicht so toll. Das Signet "Plauen - Stadt im Vogtland" könnte vielleicht noch am ehesten sinnvoll verändert werden. Am Logo "Plauen - echt spitze", im Volksmund "Elefant" genannt, ist nur der Slogan gut, und der sollte auch beibehalten werden. Es gibt keinen besseren. Sollte man im Rathaus dennoch meinen, dass es ein neues Logo sein muss, könnte es auch hier einen Ideenwettbewerb geben. Nichts gegen Berlin, aber das können wir auch selbst. Erfahrene Agenturen beschäftigen sich mit solchen Themen. Wenn's eine preiswertere Lösung mit Studenten sein soll, auch kein Problem: Wir haben im BSZ e.o.plauen eine Fachschule für Kommunikationsdesign. Die hätte sich über den Auftrag bestimmt sehr gefreut.
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