Neue Montessori-Mittelschule in Plauen

Plauen - Die neue Evangelische Montessori-Mittelschule in Plauen hat zum Schuljahresbeginn mit einer Feierstunde, der Segnung des Hauses, der Kinder und Lehrer ihren Betrieb aufgenommen. Nun steht das Haus der ersten fünften Klasse als Domizil zur Verfügung. Es ist eine Schule für 14 Schüler. Fazit nach dem ersten Schultag: Schön und spannend zugleich.

Noch wirkt die Schule etwas wie ein Provisorium. Im vierten Stockwerk der ehemaligen Albert-Schweitzer-Schule über den drei Etagen der Reusaer Grundschule gelegen, die wegen Renovierung ihres Hauses gerade auch hier untergebracht ist, haben Lehrer, Eltern, Sponsoren, Handwerker und weitere Helfer, ja sogar die künftigen Schüler mit Hand angelegt, um aus einer verlassenen Etage eine Schule zu zaubern.

Frische Farbe, gut gebrauchte Möbel, ein kreatives Umräumen und Neustrukturieren mit Tischen mitten im Raum, Laptops, Tafeln und mittigen aus Holz gezimmerten Würfeln, an denen die Pläne der Schüler und Hinweise gepinnt sind, sind zu sehen. "Mensch, das sieht ja ganz anders aus, als ich es beim ersten Rundgang gesehen habe", findet auch Friedrich Jacob Engelmann, einer der ersten Schüler im Haus beim Anblick seiner Schule am ersten Schultag. Auch Elisabeth Blei schaut sich wie ihre Mitschüler mit froher Miene um. "Ich habe auch mitgeholfen, drei Türen gestrichen und mit angepackt", sagt Elisabeth.

Der allererste Tag verläuft "geordnet hektisch". Morgens die Einweihungs-und Segnungsfeier, der Gang in die Kirche, die ersten Schulstunden mit dem freudigen Premierenstress. Sogar ein Apfelbäumchen wird gepflanzt - direkt vor die Tür. Die Schulleiterin und Klassenlehrerin in einer Person Silke Wukasch lässt das Ganze laufen und hat informative bis aufmunternde Worte für ihre Schützlinge parat, wenn es Fragen gibt. Und sie gibt ihrer Klasse genug Zeit, die Räume in Beschlag zu nehmen.

Werkstatt, Lernbüro, Raum der Stille, die Spielecke, die weiteren Zimmer. Sportlehrer Peter Derr, er ist auch der Sportchef der Montessori-Grundschule, läuft aufgeregt umher, die erste Sportstunde lief Klasse. Weitere sieben Pädagogen auf Honorarbasis werden die Schüler in den verschiedenen Fächern unterrichten. Auf die Frage, ob in einer Evangelischen Kirche nur gläubige Kinder lernen dürfen, sagt Wukasch lächelnd: "Es ist nicht Bedingung, gläubig zu sein, wir haben als einzige feste Einrichtung aber lediglich Religionsunterricht im Programm, der aber nicht dazu dient, ein Kind zu bekehren. Wir sind vor allem eine Einrichtung, die das Montessori-Lernkonzept verfolgt." Und nach kurzer Pause: "Ich bin froh, unsere Schule hat geöffnet. Mal sehen, wenn die Grundschule wieder nach Reusa zieht, dann ziehen wir auch um, in die erste Etage dieses Hauses", blickt Silke Wukasch voraus. Dann würden sich die Bedingungen noch mal verbessern.

Der Tag geht schnell vorüber. So schnell wohl wie die Ferien. In der vierten Etage herrscht nachmittägliche Ausgelassenheit, im Raum der Stille toben die Kinder auf den Polstermöbeln, der Schaukelhängemattenstuhl wird nicht zum Relaxen, stattdessen zum Schaukeln und Necken mit den neuen Schulkameraden genutzt. Auf dem Flur kracht es auf der Tischfußballanlage und nach und nach treffen Eltern ein, die ihre Schützlinge wieder in Empfang nehmen. "Mir gefällt es, die Klasse, das sind liebe Leute", findet Schülerin Elisabeth. Und Friedrich Engelmann, den jetzt schon alle im Haus Fritz nennen meint: "Hier kann man sich wohlfühlen." Ein kleiner Bursche geht, bevor er nach Hause abzwitschert, noch schnell zu seiner neuen Direktorin: "Tschüss, bis morgen", sagt Markus Lösel froh, man sieht ihm an, er freut sich auf den nächsten Schultag.

Von Frank Blenz