Neue Konzertreihe huldigt dem Frühling

"Grünend umkränzet Wälder und Höh?!/ Schimmernd erglänzet Blütenschnee. / So dränget sich alles zum bräunlichen Licht; / Es schwellen die Keime, die Knospe bricht; / Sie haben gefunden, was ihnen gebricht; / und du? Und du?" - In seinem Gedicht "Frühlingssehnsucht" fasste einst Ludwig Rellstab das Werden in der Natur, die Sehnsucht des Menschen nach dem Aufbruch in die Blütezeit in Worte und kein geringerer, als Franz Schubert vertonte sie mit schlichten Gesangsmelodien.

Passender kann die neu erblühende Kammermusikreihe in Reichenbach, initiiert vom "Calliope-Duo" (Artashes und Sarah Stamboltsyan), nicht beginnen, mit einer Huldigung an den Lenz: "Dem grünen Frühling singe ich". Das erste der im Jahr vier geplanten Konzerte fand am vergangenen Sonntag im Kleinen Saal des Neuberinhauses Reichenbach statt. Sarah Stamboltsyan begrüßte die Zuschauer sehr herzlich und erläuterte mit wenigen Worten ihre Intentionen, ihre Pläne und Inhalte zu dieser neuen Kammerkonzertreihe.

Einen ungewöhnlichen, sehr reizvollen Auftakt bot dieses Konzert, klassischen Liedgesang mit Gitarrenbegleitung. Andrea Chudak, Sopran, und Lidiya Nazmova, Gitarre, beides namhafte Solistinnen, arbeiten bereits seit 2004 zusammen und genau dies ist zu spüren am wohltemperierten Gleichklang. Lidiya Naumova ist eine fabelhafte, einfühlsame Begleiterin. Dezent hält sie sich zurück und gibt der Stimme die Bedeutung, die ihr zusteht. Andrea Chudak weiß, wie man mit dem schwierigsten Genre der Gesangskunst, dem kleinen Drama "Lied" umgeht. Ihr heller, schlanker Sopran strahlt glockenklar in den Äther. Sie färbt die Stimme adäquat zum Text der Lieder, wunderbare Piani wechseln ab im gekonntem Anschwellen der Töne (Messa di voce) und die Textverständlichkeit ist hervorragend.

Beide interpretierten Lieder aus der Barockzeit bis in die Romantik, sangen und spielten vom Erwachen des Frühlings, vom Träumen im grünen Gras, von Liebesfreud?, Liebesleid und Hoffnung, gleichwohl von der Vergänglichkeit allen Lebens. Von Felix Mendelssohn Bartholdy über Carl Phillipp Emanuel Bach, Johannes Brahms, Wolfgang Amadeus Mozart, Franz Schubert, Robert Schumann bis hin zu Karl-Rudi Griesbach und Hermann Claudius waren mit Zugabe insgesamt 18 Lieder zu hören, eine enorme Aufgabe für die Stimme. Das Publikum wusste sowohl die Qualität, als auch die Quantität zu schätzen und dankte mit lebhaftem Applaus in der Hoffnung, dass dieser erfolgreiche Beginn der Konzertfolge eine viel gefragte Fortsetzung haben wird.