Neue Ideen für Klingenthal

 

Enrico Bräunig, Klingenthals neuer Bürgermeister, ist seit seinem Wahlsieg am Sonntag ein gefragter Mann. Und deshalb steht er ein wenig auf dem Schlauch, zumindest, was seinen Noch-Arbeitsplatz betrifft.

 

Der befindet sich nämlich (noch) in der Bundespolizeidienststelle, die nicht gerade ein Ort öffentlichen Publikumsverkehrs ist. Als "neutralen Boden" zum Pressetermin wählte er deshalb gestern das "Café B", in dem er schon öfters weilte. Nicht ohne Grund, denn hiermit wollte er symbolisch einmal Dank für die Mitarbeiter dieser und anderer Einrichtungen sagen, deren ehrenamtliches Wirken für die Stadt unverzichtbar sei.

Bräunig gibt zu, dass die vergangenen zwei Wochen doch eine gewisse Zitterpartie waren, vor allem seit der Kandidatur Harald Herolds im eigentlich eher CDU-geprägten Klingenthal. Dass er im zweiten Wahlgang dennoch rund acht Punkte zulegen konnte, sieht er als überwältigenden Vertrauensbeweis. Dies motiviere ihn natürlich sehr für seine bevorstehenden Aufgaben, für die er ganz bewusst als Einzelkandidat und nicht über seine Partei, die SPD, angetreten sei. Mit Überparteilichkeit und unabhängig wolle er in den nächsten Jahren die Geschicke der Stadt lenken, wobei er damit nicht einmal bis zu seinem offiziellen Amtsantritt am 1. April warten möchte. So wird er bereits am 26. März bei der Jahreshauptversammlung der Feuerwehr dabei sein, bei der die Wahl des Gemeindewehrleiters ansteht. Weiterhin plant er Gespräche mit den Fraktionsvorsitzenden der im Stadtrat vertretenen Parteien und Vereinigungen über die Modalitäten der künftigen Zusammenarbeit. Und er möchte sich in der Verwaltung über laufende und zukünftige Aufgaben informieren und mit Noch-Bürgermeister Reiner Schneidenbach Details der Amtsübergabe klären. Ab April will er sich dann voll und ganz der Umsetzung seines Wahlprogramms widmen.

Dabei dämpft er allerdings übertriebene Erwartungen. Alles was Geld kostet, sei derzeit schon wegen der vorläufigen Haushaltsführung nicht machbar. Doch es gäbe etliches, das in Angriff genommen werden könne. An erster Stelle stehe das Problem des Fehlbetrags von rund 600 000 Euro im Haushalt, über dessen Reduzierung man auch in Dresden reden müsse. Ganz wichtig sei zudem ein Personalentwicklungskonzept. Etwa ein Drittel aller Mitarbeiter der Stadtverwaltung würde in den nächsten sieben Jahren in den Ruhestand gehen, die idealerweise durch übernommene Azubis aus dem Ort ersetzt werden sollten. Eine totale Runderneuerung bräuchte der Internetauftritt der Stadt, der Vereine und die Unternehmen einbeziehen muss und etwa eine Ausbildungsplatzbörse enthalten könnte. Für die rund 90 Vereine der Stadt wird es darüber hinaus einen festen Ansprechpartner als Vereinsmanager geben. Und auch die Bürger sollen für ihre Anliegen einen Anlaufpunkt finden. Zu seinen ersten Aufgaben zählt Bräunig außerdem Gespräche mit den ortsansässigen Unternehmen.

In Klingenthal gäbe es einiges, was für den Besucher attraktiv sei, wobei er neben der Landschaft die Vogtland Arena oder die traditionsreiche Musikindustrie mit der ältesten Akkordeon- und Mundharmonikafabrik der Welt sieht und bezieht hier genauso die Schaumanufaktur ein, die in irgendeiner Weise erhalten werden müsse. "Für den Tourismus muss schleunigst ein schlüssiges Gesamtkonzept her", so Bräunig, der als Bürgermeister Zielstrebigkeit und Enthusiasmus zeigen möchte. "Das Schönste wäre, wenn sich das auf andere überträgt, denn wie viel mehr kann man doch gemeinsam erreichen."