Netzwerker ziehen Reißleine

Gestartet waren die Macher und Gesellschafter hinter dem innovativen VIN-Hub mit großen Ambitionen. Nach einem halben Jahr endete die Ära jedoch früher als gedacht. Seit Ende Februar ist der Geschäftsbetrieb eingestellt und die Gesellschaft wird nach und nach aufgelöst.

Von Ingo Eckardt

Die Räume im Obergeschoss der Berufsakademie sind leer, ein paar einzelne Tische und Stühle stehen einsam herum, auf einem Gesprächstisch stehen noch ein paar kleine Getränkeflaschen, die davon künden, dass man hier hoffte, Kunden einzuladen, sich einzumieten. Daniel Förster, Geschäftsführer des VIN-Hubs, kommt zum Gespräch extra aus der Firma seines Vaters und Gesellschafters Dr. Jörg Förster. Mit diesem hatten der Chef der Plauen Stahl Technology, Peter Völkner, und der Rektor der Studienakademie, Prof. Lutz Neumann, das VIN-Hub aus der Taufe gehoben und privat finanziert. "Ziel war es, mit privaten Mitteln das Vogtland ein Stück voran zu bringen. Wir wollten bewusst keine Kredite aufnehmen, um das Risiko gering zu halten. Wir hatten von Beginn an ein halbes Jahr Anlaufzeit geplant. Das ist nun vorbei und die Erwartungen wurden nicht erfüllt. Deshalb wurde letztlich die Reißleine gezogen", erzählt Geschäftsführer Förster.
Die Geschäftsidee bestand in der Vermietung von Infrastruktur für junge und innovative Unternehmen. Das VIN-Hub wollte die Funktion des Vernetzers übernehmen, der Ideen aus unterschiedlichen Bereichen zusammenbringt - von Entwicklung und Produktion bis Marketing und Vertrieb. Zudem sollten Veranstaltungen Impulse in die Region aussenden. "Das mit den Veranstaltungen war in Ordnung. Man denke nur an die Zusammenarbeit mit Saxony high five, wo wir das Thema Telemedizin in eine breite Öffentlichkeit gebracht haben", erinnert Förster. Auch seien die angebotenen Vortragsreihen gut angenommen worden.
Hingegen seien die Angebote der Vermietung und Vernetzung kaum wahrgenommen worden. "Die Ansprache kooperationsbereiter Start-ups und bestehender Kleinunternehmen, die hier Innovation leben könnten, ist nicht gelungen. Das muss man ganz nüchtern konstatieren", sagt der bisherige VIN-Boss. Die kleineren Unternehmen hätten zumeist erste kleine Räume, zudem gab es ein paar technische Fragen, die Kompatibilität von Software war in den genannten Bereich nicht so einfach zu klären, und so habe sich die Perspektive des Geschäftsmodells als nicht gut herausgestellt. "Vielleicht sind wir am Standort Plauen einfach noch nicht so weit, dass es dafür Bedarf gibt", sinniert Förster.
In gewisser Weise habe man versucht, eine Vision zu verkaufen, immer in der Hoffnung, eine gewisse "kritische Masse" an innovativen Mietern zu erreichen. "Vielleicht", so sinniert Daniel Förster, "haben wir einen Konstruktionsfehler gehabt und die Anlaufzeit zu gering geplant. Wir wollten auch kein Banken- oder Investorengeld rein holen. Letztlich sollte die Entwicklung aber in unserem Ermessen bleiben. Eine Änderung des Geschäftszweckes wünschten die Gesellschafter nicht."
Selbst Online-Inserate auf insgesamt 23 Web-Plattformen hätten am Ende nicht dazu geführt, dass man eine nennenswerte Nachfrage erzeugen konnte. "Wir haben dann beratschlagt und uns dazu entschlossen, das Unternehmen zu schließen, um eine Insolvenz zu vermeiden. Es wurde insgesamt ein mittlerer fünfstelliger Betrag investiert.
Nach einem Jahr wird die GmbH liquidiert. Im Kopf der Gesellschafter wird die Idee aber natürlich weiter leben", erzählt Förster, dessen berufliche Zukunft im Unternehmen seines Vaters liegen wird. Die Gesellschafter würden weiterhin das Vogtland voran treiben. Sein Vater werde die Förderung regionaler Produkte thematisieren, Peter Völkner will sich der Fachkräftethematik stärker widmen und Prof. Lutz Neumann Forschung und Bildung in den Fokus nehmen. Er selbst will die Vernetzung von Start-ups weiter voran bringen, sagt Förster junior.