Netzschkauer Künstlerin will Ballon retten

Dem Ballon an der Göltzschtalbrücke droht das letzte Stündlein. Der Betreiber findet nach eigenen Angaben nicht genug Sponsoren. Doch es gibt ein kleines Hoffnungsfünkchen.

Netzschkau - Die Malerin und Holzbildhauerin Kerstin Körner möchte mit ihrer Aktion "Rettet den Ballon" Gemeinden, Bürger, Unternehmen und die Politik an einen Tisch bringen. "Ist der Ballon erst einmal weg, ist das Vogtland um eine Touristenattraktion ärmer. Viele besuchen die Göltzschtalbrücke, machen eine Ballonfahrt, besuchen die örtliche Gastronomie und genießen danach die nähere Umgebung oder machen einen Einkaufsbummel. Mit dem Wegfall des Ballonbetriebes bleibt nur die Brücke und damit ein maximaler Aufenthalt von einer halben Stunde", sagt Frau Körner. Die Künstlerin kämpft um den Erhalt des Ballon-Standortes.

Der Betreiber, die GTG-Göltzschtal Touristik, hatte für Mitte November die Einstellung der Fahrten in 150 Meter Höhe aus wirtschaftlichen und bürokratischen Gründen angekündigt. "Die Bemühungen zur Gewinnung von Sponsoren und Werbepartnern, die dringend zur Finanzierung notwendig sind, waren leider erfolglos", erklärt Körner. Weiterhin lässt die Attraktivität des Ballonstandorts zu wünschen übrig. Ungenügende sanitäre Anlagen, das bisher fehlende Einrichten einer Fahrradstation am Göltzschtalradweg und die durch mangelnde Pflege weitgehend zerstörten Ziegelkunstwerke, die einst unter dem Motto "Brückenschlag" von tschechischen und deutschen Künstlern geschaffen wurden, laden derzeit wenig zu einem längeren Besuch an der Göltzschtalbrücke ein.

Außerdem wurde durch das sächsische Luftfahrtamt die Nachtfahrerlaubnis verwehrt. "Die fehlende Subventionierung durch die anliegenden Gemeinden hängt auch mit einem angeblich fehlenden zukunftsorientierten Geschäftsmodell zusammen", erklärt Kerstin Körner. Und genau das möchte die 49-Jährige mit Hilfe von Gemeinden, Bürgern, Unternehmen und der Politik ändern und ruft die Aktion "Rettet den Ballon" ins Leben. "Einige Vorstellungen zum Betrieb habe ich gesammelt und ein Grobkonzept entworfen. Es müssen aber weitere Ideen zusammengetragen und über die Umsetzung beraten werden. Wir brauchen alle, die ein Interesse am Ballonstandort haben, angefangen von Einwohnern, über Stadträte und Bürgermeister, Landrat, Tourismusverbände, Unternehmer, Gastronomen und natürlich unsere Abgeordneten im Land- und Bundestag. Ich bin überzeugt, dass gemeinsam eine Lösung gefunden werden kann."

Die Unterhaltskosten inklusive aller Nebenkosten belaufen sich monatlich auf rund 10 000 Euro. Ein beträchtlicher Teil wird durch die zahlreichen Fahrgäste erwirtschaftet. "Für potenzielle Sponsoren ist es die Gelegenheit für eine Werbung. Korb und Ballon bieten dazu hervorragende Möglichkeiten, genauso das Umfeld. Voraussetzung ist natürlich die Aufwertung des Geländes." GTG-Betriebsleiter Manfred Dörjer möchte am Standort ebenfalls festhalten. "Wir standen bereits im vergangenen Winter vor dem Aus. Der freiwillige Lohnverzicht unserer fünf Mitarbeiter rettete uns in die Saison. Das ist den Leuten nicht hoch genug anzurechnen", sagt Dörjer.

Ab kommendem Jahr könnten an der Brücke die Ausbildung von Mitarbeitern der Cargolifter für ein von der Firma entwickeltes Ballon-Kransystem und der Fahrgastverkehr mit einem kleineren Ballon stattfinden. "Das sind aber alles ungelegte Eier", so Manfred Dörjer. Er und Kerstin Körner setzten auf das Potenzial des Vorhandenen. Zu einem ersten Treffen laden die Macher der Aktion "Rettet den Ballon" herzlich ein., bei dem der Geschäftsführer der CL cargolifter GmbH Dr. Carl-Heirich von Gablenz Rede und Antwort stehen wird - am Samstag, 2. November, 11 Uhr, im Netzschkauer Bürgerstübel.