Netzschkauer Bürgermeister muss abtreten

Der Netzschkauer Bürgermeister Werner Müller feiert am Freitag 68. Geburtstag. Damit hat er das Alter erreicht, ab dem die Sachsen kein Bürgermeisteramt mehr bekleiden dürfen.

Netzschkau - Wegen der Altersgrenze fand im Februar in Netzschkau eine Wahl statt, bei der Mike Purfürst (Gewerbeverein) mit absoluter Mehrheit siegte. Die Amtsgeschäfte übernimmt er am 1. Mai. Werner Müller muss an diesem Tag vorzeitig abtreten, denn die derzeit laufende Amtsperiode endet eigentlich erst im Sommer 2015. Dass Müller aus Altersgründen nicht bis zum Ende durchhalten kann, war zur Wahl 2008 bereits bekannt. Trotzdem entschieden sich damals die meisten Wähler für den Altbürgermeister und gegen Purfürst, der den Sprung auf den Amtsstuhl diesmal sozusagen im zweiten Anlauf geschafft hat.

Werner Müller "regiert" die Schlossstadt seit 19 Jahren. 1994 hatte er als Wunschkandidat der SPD die Abstimmung gegen den damaligen Amtsinhaber Harald Gräfe (CDU) gewonnen und war danach noch zweimal (2001 und 2008) wiedergewählt worden. Doch ein Unbekannter war Werner Müller schon damals nicht, denn bereits von 1989 bis zur Wende saß er ein Jahr lang auf dem Netzschkauer Bürgermeisterstuhl.

Dass man ihn jetzt in den Ruhestand schickt, haut Werner Müller nach eigenen Angaben nicht um. Schließlich habe er seit fünf Jahren gewusst, dass mit 68 Schluss ist, sagt er. Und ganz zurückziehen wolle er sich auch nicht, denn als Kreisrat gebe es ebenfalls noch viel zu tun. Außerdem plane er die Gründung eines Natur- und Heimatvereines in Netzschkau.

Blickt Müller zurück, ist er stolz auf die Straßeninstandsetzungen in Netzschkau, auf den Bau der Kläranlage, in die Reichenbach, Mylau, Netzschkau und Limbach gemeinsam einleiten, sowie auf den länderübergreifenden Städteverbund Nordvogtland. Unter seiner Regie wurden bereits in den 1990er Jahren eine städtische Sanierungssatzung verabschiedet und Bauvorhaben wie zum Beispiel Schulzentrum mit Turnhalle, Bürgerhaus und Anbau Feuerwache in Brockau, neues Feuerwehrdepot in Netzschkau in Angriff genommen.

Erst vor zwei Jahren hat der Stadtrat ein so genanntes integriertes Stadtentwicklungskonzept verabschiedet. Danach soll der Rückbau am Stadtrand gefördert und dadurch die Innenstadt aufgewertet werden. Laut Müller eine "spannende Aufgabe", Kinder- und Jugendangebote in Schlossnähe zu schaffen und einen Park der Begegnung zwischen den Altenheimen anzulegen.

In 19 Jahren als Bürgermeister musste Werner Müller allerdings auch Niederlagen verkraften. Dazu zählt er den Wegfall der Nema-Produktion sowie die weiterhin offene Frage einer Abwasserentsorgung für Forschenroda. Auch dass der geplante Bau eines Sportzentrums für Wasserball, Schulschwimmen und Eisschnelllauf gemeinsam mit der Stadt Mylau nicht verwirklicht werden konnte, bedauert Müller sehr.

Jetzt legt Werner Müller die Verantwortung in jüngere Hände. Seinen Nachfolgern wünscht er, "dass sie den bisher erfolgreichen Weg der Stadt Netzschkau durch kluge Ideen und verantwortungsbewusste Entscheidungen weiter fortsetzen". Er selber hat jetzt mehr Zeit für Frau und Familie sowie für seine Hobbys Malen, Wandern und Reisen. va