Neoplan Plauen baut Werk völlig um

Beim Bushersteller Neoplan in Plauen bekommt die Produktion in den kommenden drei Jahren eine neues Zuhause. Bis auf das Verwaltungsgebäude bleibt nichts stehen. Schon bald rücken die ersten Bagger an.

Plauen - Zwei Jahrzehnte werden am Leuchtsmühlenweg Neoplan-Busse gebaut. In dieser Zeit musste so manche Herausforderung gemeistert werden. Nun steht die nächste gewaltig vorm Betriebstor: In drei Jahren wird sich das Aussehen des Werkes gänzlich ändern. Die MAN Nutzfahrzeuge AG, zu der Plauen als einziger noch verbliebener Neoplan-Fertigungsstandort seit zehn Jahren gehört, will 19 Millionen Euro in die Modernisierung der hiesigen Anlagen investieren.

Bis 2013 sind der Neubau eines Logistikzentrums, einer Montagehalle und einer umweltfreundlichen Lackieranlage geplant. Außerdem ist die Entwicklung eines neuen Überland-Bustyps vorgesehen, dessen Endmontage und Innenbau ab 2012 erfolgen soll. Darüber hinaus soll ein Kundencenter errichtet werden, in dem künftig bestellte Busse abgeholt werden können. Durch die Neugestaltung werde Plauen zum erstklassigen Montagezentrum für exklusive Luxus-Reisebusse.

Dabei ist es erst ein gutes Jahr her, als die Plauener Neoplan-Belegschaft um Arbeitsplätze zitterte. Anfang 2010 hatte MAN bekannt gegeben, die Fertigung von Bus-Rohkarossen aus Plauen ins polnische MAN-Werk Starachowice zu verlagern.

Doch mit der vom Land Sachsen geförderten 19-Millionen-Investition in den Umbau des Betriebes, mit einer Arbeitsplatzgarantie bis mindestens 2016 und einem MAN-Kompetenzzentrum blickt Plauen in eine sichere Zukunft. Übrigens: 70 befristete Arbeitsverträge wurden nach Aussage von Geschäftsführer Achim Knabe zu Festanstellungen. Dazu gehörten auch 20 ehemalige Gardine-Mitarbeiter, die vor drei Jahren von Neoplan umgeschult wurden. Gegenwärtig zähle die Neoplan Bus GmbH 450 Mitarbeiter. 30 jungen Leute absolvieren im Unternehmen ihre Ausbildung. Weil die Auftragsbücher gut gefüllt seien, sei auch die Zahl der Leiharbeiter wieder auf 123 angewachsen.

Noch in diesem Monat beginnt laut Knabe der Umbau des Betriebes mit der Errichtung des Logistikzentrums - neben der bereits bestehenden Rohbauhalle. Das 1,8 Millionen-Projekt soll bis Jahresende fertig sein. Der gesamte Anlieferungsverkehr von außerhalb wie auch die Arbeitsplatz genaue Materialbereitstellung für die Fertigung im Betrieb werde über das Logistikzentrum laufen.

Bis 2012 werde in einem zweiten Schritt ein Lack- und Klebekompetenzzentrum aufgebaut. Dafür würden bereits Laboranten gesucht. "Lackierungs- und Verklebungsprozesse in der Busproduktion von MAN werden dann über Plauen betreut", sagte Knabe. Bis 2013 schließlich entstehe eine neue Hauptmontagehalle. "In der Zeit des Umbaus unseres Betriebes, der natürlich bei laufender Produktion erfolgen muss, wird die Fertigung in das Gebäude der ehemaligen Plauener Gardine verlagert", sagte Knabe. 2008 hatte Neoplan das Gebäude angemietet und zum Werk II ausgebaut. Ende 2013/Anfang 2014 soll die Fertigung komplett aus der "Gardine" an den umgebauten Standort zurückkehren. Zu diesem Zeitpunkt werde auch der Mietvertrag für das Gebäude aufgelöst.

Um Platz für die topmoderne Busproduktion zu schaffen, seien laut Knabe bereits in den vergangenen Jahren angrenzende Grundstücke hinzugekauft worden. Und so werden aus den 20 000 Quadratmetern im Jahre 1991 rund 70 000 Quadratmeter Grundfläche.

Neu geschaffen werde auch ein Kundencenter. "Wir sind glücklich, dass es neben der zentralen Auslieferung in München auch in Plauen wieder eine Fahrzeugübergabe direkt an die Kunden geben wird. Mit der neu entstehenden Auslieferungslounge werden Kunden aus ganz Europa nach Plauen kommen", sagte Knabe. Und auch, dass gegenwärtig die Vorbereitungen für einen neuen Überland-Bus laufen. "Er soll 2012 in die Produktion gehen." Nach Aussage des Geschäftsführers soll es ein 7-Tage-Bus werden. "Das Fahrzeug könne beispielsweise von Montag bis Freitag im Linienverkehr und Freitag bis Montag im Reiseverkehr unterwegs sein", sagte Knabe.

Neben der Belegschaft und der Betriebsfläche sei auch die gefertigte Stückzahl kontinuierlich über die 20 Jahre gewachsen. "Im ersten Jahr 1991 haben wir im Werk rund 120 Busse ausgebaut. In diesem 20. Jubiläumsjahr werden wir etwa 500 Komplettbusse hergestellt haben", sagte Knabe. "Und dabei wird es keine Abstriche geben. Das bedeutet voller Einsatz jedes einzelnen, trotz Umbauarbeiten auf dem Werksgelände keine Beeinträchtigungen der Produktion zuzulassen."