Neoplan bleibt erhalten, doch Bus-Bau ist Geschichte

Das Neoplan-Werk in Plauen bleibt erhalten, doch 280 Arbeitsplätze gehen für den Standort dennoch verloren. Und Busse werden künftig nur noch "veredelt" - gebaut werden keine mehr.

Plauen/München - Der Standort des Münchner Lastwagen- und Maschinenbauers MAN in Plauen wird nicht geschlossen. In dem Werk soll ein "Bus Modification Center" entstehen, wo ab Mai 2015 Linien- und Reisebusse der Marken MAN und Neoplan mit speziellen Kundenwünschen ausgestattet werden, wie das Unternehmen bei einer Betriebsversammlung gestern mitteilte. Unter anderem soll der neue Bus des FC Bayern München ausgerüstet werden. In dem Center sollen 140 der bisher 420 Mitarbeiter einen Job finden. Die anderen sollen ein Angebot im Werk von VW in Zwickau erhalten.

Ursprünglich war geplant, das Neoplan-Werk in Plauen komplett zu schließen. Dagegen hatte es nicht nur seitens der Belegschaft, sondern unter anderem auch aus der Politik Proteste gegeben. Beispielsweise hatte der sächsische Ministerpräsident Stanislaw Tillich mit VW-Chef Martin Winterkorn Kontakt aufgenommen. Von März 2015 an sollen die Neoplan-Busse in der türkischen Hauptstadt Ankara gefertigt werden.

"Wir können unsere qualifizierten Mitarbeiter jetzt hier weiter einsetzen", sagte der Vorstand für Produktion und Logistik der MAN Truck and Bus, Carsten Intra. Es sei nach einer dauerhaft wirtschaftlichen Lösung für das Werk gesucht worden. Beispiele für Sonderwünsche seien unter anderem Räume für Meetings oder auch Küchen, ging er auf die Veredelungsarbeiten ein, die künftig in Plauen getätigt werden sollen.

Betriebsrat und IG Metall zeigten sich am Montag ebenfalls zufrieden. "Die Schließung des Werkes wäre eine Katastrophe gewesen", sagte Betriebsratschef Marcus Galle. "Wir haben jetzt eine Zukunftsperspektive für die Kollegen und die Region Plauen." Es seien harte Verhandlungen gewesen. "Das Traurige an der Sache ist aber dennoch, dass es mit dem Bus-Bau an dem Standort zu Ende geht", sagte der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Zwickau, Stefan Kademann.

Dass 140 Arbeitsplätze erhalten bleiben, sei besser als die Situation vergangene Woche, kann aber keinesfalls als ausreichend akzeptiert werden, stellt Plauens Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer fest. Auch wenn 280 Mitarbeiter von VW ein Übernahmeangebot von Zwickau/Mosel erhalten sollen und damit sozial abgesichert sind, bleibe die Tatsache, dass bei Neoplan in einem auch mit Fördermitteln des Freistaates und der EU ausgebauten hochmodernen Werk 280 Arbeitsplätze für den Standort verloren gehen.

Oberdorfer fordert VW als Mutterkonzern der MAN auf, am Standort Plauen wieder ein Produkt zu fertigen, das technologisch ebenso anspruchsvoll ist wie die Produkte, die abgezogen wurden. Man möge ein schlüssiges, belastbares Konzept vorlegen, aus dem sich ergibt, auf welchem Wege die verlorenen Arbeitsplätze mittelfristig wieder entstehen können. va