Nena kein bisschen leise

Zwickau - Nena rockt die Zwickauer Stadthalle. Doch ein bisschen dauert es, bis der Funke vollends überspringt.

 

Der Funke springt nicht sofort über. Die "Großstadthelden" waren wohl im Vorprogramm nicht ganz so heldenhaft. So beginnt der Hauptact mit nur vereinzeltem Mitklatschen. Dieser und jener wippt im Takt. "Na he!" ruft die NDW-Königin Deutschlands. Sie hält das Mikro Richtung Rang und ins Rund. "Kommt! Einmal aufstehen! Einmal alles geben!" Nena textet spontan um: "Wer nicht mitmacht, der hat heute was versäumt!"

 

Das wollen sich die Fans dann doch nicht vorwerfen lassen. Sie beweisen fortan Textsicherheit, egal ob bei altbekannten oder neuen Liedern des Tournee-Albums Made in Germany. Die hippige 50-Jährige hat erreicht, was sie hätte tun können: Sich hinsetzen und das Publikum singen lassen. Die Sanges- und Tanzfreudigen in der Zwickauer Stadthalle mussten am Donnerstag allerdings reichliche zehn Minuten auf die Pop-Lady warten. Einige wenige Kreischer vermuteten, sie schon entdeckt zu haben. Doch zwei Background-Sängerinnen entpuppten sich lediglich als Outfit-Doubles vergangener Nena-Jahre.

 

Dann endlich - in knallrotem wehendem Lederblazer, schwarzer Lederweste, Glitzersteinchen besetzten Jeans und grau gebatictem T-Shirt flippert Nena über die Bühne. Die vollen 90 Minuten. Umgeben von durchschnittlich halb so alten Mitstreitern. Diesbezüglich ausgerichtet sind die alten, neu arrangierten, Songs. Auch die aktuellen. Es gibt wortwörtlich viel auf die Ohren. Selbst in tonuntermalten Gesprächen mit den Fans muss die Künstlerin ihre Jungs ermahnen: "Ihr könnt ruhig leiser spielen!"

 

Den etwa 3000 Leuten scheint das egal. Sie feiern inzwischen gedächtnisgestützte Karaoke-Party. Sie wolle stets das beste Konzert spielen, sagt Nena nach einer dreiviertel Stunde. "Aber nur mit Euch!" Sie heizt noch mal an. Es funktioniert wie es bis dato in drei Jahrzehnten funktionierte: Ohne großes Stimmvolumen mit fast identischen Arrangements einfach Stimmung unters Volk bringen. Früher mit Neuer Deutscher Welle, heute intensiv metal-haft, mit Gesang auf Synthi-Technobeats und gelegentlichen adaptierten Grüßen von Gaga und Co. Dagegen nahezu erfrischend die zu wenigen ruhigen, besser zu ihrer Stimme passenden, Balladen. uhe