Nazi-Szene Vogtland bringt Briten mit

und die Nazis wollen in Plauen aufmarschieren. Die rechtsextremistische Partei hat im Landratsamt eine Versammlung zum "Arbeiterkampftag" angemeldet.

Plauen - Offiziell gelte als Anmelder das "Nationale und soziale Aktionsbündnis 1. Mai", erklärt Patricia Vernhold, Pressesprecherin im sächsischen Innenministerium. Bekannt sei auch, dass sich hinter diesem Bündnis die Köpfe vom "III. Weg" verbergen, die auch als Anmelder fungierten: Klaus Armstroff, der Vorsitzende der Partei III. Weg sowie Rico Döhler - Stützpunktleiter aus dem Vogtland.

Derzeit gehe man laut Patricia Vernhold von etwa 200 Rechtsextremen aus, die am Tag der Arbeit mit dem Slogan "Kapitalismus zerschlagen - für einen Deutschen Sozialismus" auf die Straße gehen. Laut Recherche unserer Zeitung auf einschlägigen rechtsradikalen Internetportalen soll die Versammlung am Vormittag am Oberen Bahnhof in Plauen beginnen.

"Die Anmeldung liegt vor, auch die gewünschten Orte. Ob es hier von unserer Behörde Einschränkungen geben könnte, wird noch geprüft", sagt Kreissprecherin Kerstin Büttner, die auf das hohe Gut des Versammlungsrechtes hinweist, das nur mit guten Gründen zu verhindern sei.

Die Runde macht auch, dass die Anhänger vom "III. Weg" noch Verstärkung bekommen: Von der extrem gewaltbereiten Gruppierung "National Action" (NA) aus Großbritannien. "Es handelt sich um eine extrem starke rechtsextreme Gruppe", weiß auch die Ministeriumssprecherin, die ihre Infos jedoch hauptsächlich aus Netzwerken linker Gruppierungen bezogen hat.

Diese behaupten, dass sich die Briten in Plauen per Transparent zu erkennen geben wollen. Formiert haben sollen sich einige Dutzend Mitglieder extrem aggressiver Briten im Jahr 2013 zu NA - einer Vereinigung, die selbst andere britische Rechtsextreme als Provokation empfinden sollen.

Doch zurück ins Vogtland. Der III. Weg sei derzeit mit rund 30 Mitgliedern der bedeutendste Akteur in der hiesigen Naziszene und habe als Sammelbecken jene aufgefangen, die vorher in der im Göltzschtal angesiedelten Revolutionären Nationalen Jugend (RNJ) organisiert waren.

Schlüsselfigur ist hier der aus dem oberfränkischen Töpen stammende Tony Gentsch, vormals einer der Rädelsführer des inzwischen verbotenen Kameradschaftsverbandes "Freies Netz Süd". Er zog die Anhänger aus der RNJ hinüber zum III. Weg. Zu den beim III. Weg eine Führungsrolle Spielenden gehören auch Rico Döhler, vormals NPD- und dann RNJ-Mitglied, sowie der Plauener NPD-Stadtrat Thomas Lauter.

Dass mit Lauter eine rechtsextreme Kraft im Stadtrat sitzt, sieht Patricia Vernhold als heikle Situation: "Der Mandatsgewinn des Stützpunktes Plauen bietet der Partei ,Der III. Weg? die Möglichkeit, an interne Informationen aus dem kommunalen Geschehen zu gelangen. Die in den Stadtratssitzungen besprochenen Informationen können gezielt im Sinne der Partei genutzt werden."

Bereits am 1. Mai 2014 marschierten die Nazis in Plauen auf - damals waren es 700 Rechtsradikale. "Nur" 200 werden dieses Jahr erwartet. Wie die Gegendemonstranten vom Runden Tisch "Bündnis gegen Rechts" agieren, das werde derzeit beraten, sagt die Plauener Superintendentin Ulrike Weyer. "Wir arbeiten an Aktionen gegen diese Demo, und geben diese im April bekannt."

Auch wenn die rechte Szene im Vogtland zahlenmäßig nicht enorm ist, soll sie doch ein sehr hohes Aktionsniveau besitzen und überregional gut vernetzt sein. Das macht auch Landrat Rolf Keil Sorgen. "Wir haben zwei Diktaturen hinter uns - gerade deshalb brauchen wir die Rechten nicht in der Region." Laut Kerstin Büttner liegen derzeit sieben Anmeldungen vor - so auch zwei Mal vom DGB Südwestsachsen, Bündnis 90/Grüne, dem "Runden Tisch", dem Verband der Verfolgten des Naziregimes und der Antifa Vogtland.