Nazi-Parolen auf Zeltplatz Gunzenberg

Jocketa - Noch kein Urteil erging am Amtsgericht Plauen gegen zwei junge Männer (29 und 26) aus Crinitzberg und Kirchberg, die in einer Julinacht des vergangenen Jahres an der Talsperre Pöhl Naziparolen grölten.

Weil sich in der Beweisaufnahme eine veränderte Rechtslage ergeben habe, setzte Richter Josef Martin Oppermann die Hauptverhandlung zunächst aus. Neben des bereits angeklagten Straftatbestandes des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen kommt nun möglicherweise auch noch eine Verurteilung wegen Nötigung in Betracht.

  Schnaps macht die Runde   Die beiden Beschuldigten Matthias (29) und Mirko (26, Namen aller Betroffenen geändert) waren am Abend des 25. Juli 2008 auf dem Campingplatz Gunzenberg angereist. Nachdem sie ihr Zelt aufgebaut und einen Kasten Bier entladen hatten, ließen sie sich gemeinsam mit weiteren Bekannten den Gerstensaft ordentlich schmecken. Auch die eine oder andere Flasche Schnaps machte in diesen Abendstunden die Runde. Irgendwann zu späten Stunde setzten sich die beiden Beschuldigten unaufgefordert zu einer Gruppe junger Leute aus Thüringen. "Wir hatten sie nicht dazu eingeladen", erklärte der 20-jährige Zeuge Robby aus Gera. Und weiter: "Sie haben dann auch Heil Hitler und Sieg heil gebrüllt." Andere sahen, wie Matthias und Mirko mit erhobenem rechten Arm den "Deutschen Gruß" zeigten. Den einschlägigen Tatbestand hatten sie damit bereits erfüllt. Doch war dies den Westsachsen, die beide über keine abgeschlossene Berufsausbildung verfügen, offenbar noch nicht genug.

  Schläge angedroht    "Einer der Herren hat mich gefragt, ob ich ein Nazi bin. Er wäre einer", erinnerte sich der 20-jährige Adrian aus Nordhausen im Verhandlungssaal. Einem anderen jungen Mann wurde von Mirko ein Ultimatum zum Verlassen des Platzes gestellt, für den Fall des Nichtbefolgens der Aufforderung wurden Prügel angedroht. Diesen Fakt nahm die Staatsanwältin zum Anlass, einen rechtlichen Hinweis anzuregen, dass auch eine Verurteilung wegen Nötigung in Frage komme. Der betroffene junge Mann konnte an diesem Tag allerdings gar nicht als Zeuge vernommen werden, da er nicht geladen war. Und weil Mirkos Verteidiger, der Plauener Rechtsanwalt Peter Krivanec, obendrein signalisierte, sich gemeinsam mit seinem Mandaten erst auf die mittlerweile veränderte Situation einstellen zu müssen, setzte Richter Oppermann die Verhandlung aus. Ein neuer steht noch nicht fest und ergeht von Amtes wegen.  Sven Gerbeth