Nazi-Chat: Strafen gegen vogtländische AfD-Mitglieder

Diese hatten in einem Chat gewaltverherrlichende Nazi-Posts ausgetauscht. Ein Amtsenthebungsverfahren plus Ämtersperre wurde gegen Steve Lochmann, AfD-Kreisverbandschef Vogtland, gestartet. Es gab auch Verwarnungen und Rügen.

Plauen - "Derartiges Verhalten ist geeignet, das Ansehen der sächsischen AfD nachhaltig zu schädigen. Inhalte dieses Posts waren nie Politik der AfD, sind es nicht und werden es nie sein. Künftig werden wir in ähnlich gelagerten Fällen genauso vorgehen", erklärt Andreas Harlaß, Pressesprecher des AfD-Landesvorstandes.

Vor wenigen Tagen kam das menschenverachtende Tun innerhalb der geschlossenen Chatgruppe "AfD Spaß mit Politik - erneuter Versuch" ans Tageslicht. Gepostet wurden Fotomontagen zur standrechtlichen Erschießung der Bundeskanzlern, Fotos von Wehrmachtsdevotionalien und "Späße" über die Tötung von Flüchtlingen und Ausländern. Beteiligt im Chat sollen mindestens neun Politiker der Vogtland-AfD gewesen sein.

Nun hat die AfD ihre Konsequenzen gezogen und nach der Anhörung sechs Parteistrafen, die von der Rüge bis zum Parteiausschluss reichen, ausgesprochen. Letzteres betrifft nach Informationen des Vogtland-Anzeigers einen der beiden Männer, die diese menschenverachtenden Bilder gepostet haben sollen.

Der andere soll aus freien Stücken nach der Anhörung aus der Partei ausgetreten sein. Eine Ämtersperre wurde vermutlich auch gegen die Administratorin besagten Chats verhängt. "Ich weiß gar nix von einer Strafe. Bitte fragen Sie den Vorstand", sagt die Plauenerin Christina Limmer, die bei der AfD Vogtland Frauenpolitische Sprecherin ist.

"Ich weiß von nix", sagt auch das Plauener Vorstandsmitglied Frank Schaufel sichtlich überrascht. Gar nicht per Telefon oder Mail-Statement zu erreichen ist der betroffene AfD-Kreisverbandschef Steve Lochmann, dem man vorwirft, dem Treiben im Chat keinen Einhalt geboten zu haben. Nach Infos unserer Zeitung sollen Lochmann, Schaufel und der Schatzmeister der AfD Vogtland im Chat gewesen sein.

Nicht dabei sei nach eigenen Angaben des Vogtland-AfD-Vizechefs Ulrich Lupart gewesen. Sollte Lochmann seines Chefpostens enthoben werden, könnte diesen Lupart einnehmen. "Vielleicht gibt es Neuwahlen, vielleicht wird das Amt der Stellvertreter besetzt. Ich warte hier auf Vorschläge vom Landesverband und äußere mich nicht weiter", so Lupart. "Auch ich war einige Tage Mitglied bei ,AfD Spaß mit Politik?, dem Vorgängerchat des späteren, mit dem Zusatz versehenen Chats ,erneuter Versuch?, der erst da zur Höchstform auflief.

Als ich merkte, was da abgeht, bin ich raus", sagt ein Ex-AfD-Mitglied. Nach der Chat-Sache ist diese Person aus der Partei ausgetreten, wie andere auch. "Ich habe das dem Kreisvorstand gemeldet und nur Schulterzucken bekommen." Ehemalige AfD-Mitglieder meldeten die Posts in dem Chat auch dem AfD-Landesverband und trugen zur Aufklärung bei. Nach dem Austritt etlicher sich dem gemäßigten AfD-Flügel zugehörender Mitglieder tummele sich auch in der AfD Vogtland nur noch der rechte Bodensatz, Rassisten und Sympathisanten des Dritten Weges. Cornelia Henze