"Natur bewegt uns"

Die NaturFreunde Plauen feiern mit einer Festwoche ihren 110. Geburtstag. Seit 1983 leitet Hans Leipold die Geschicke des Vereins.

Von Mario Wild

Plauen Mit einer Städtereise kann man Hans Leipold nicht wirklich reizen. Trotz der Verlockungen von Paris, London, New York und Co. zieht es ihn von Kindesbeinen an eher in die Natur.
Seit 1990 führt er die NaturFreude Plauen. Zuvor fungierte er vier Jahre als erster Stellvertreter und sieben Jahre als Vorsitzender der Sektion Wandern der BSG Handwerk Plauen, die 1979 gegründet wurde. Der Vorläufer der modernen NaturFreunde. Diese erblickten am 25. Juli 1990 abermals das Licht der Welt, die Vorläufer reichen aber bereits in das Jahr 1909 zurück.


206 Mitglieder zählen derzeit die Naturfreunde Plauen. "Die Zahl blieb über die vergangenen Jahre konstant", so Leipold, der 2007 für seine Verdienste mit der Plauener Stadtplakette ausgezeichnet wurde. Neue Mitstreiter, vor allem jüngeren Semesters, sind natürlich jederzeit gern gesehen.


Stammsitz des Vereins ist das Vereinszimmer im Pfaffengut. Auf dem Areal wird jeden ersten Dienstag von April bis November ein Grundstück gehegt und gepflegt. Aber das ist bei weitem nicht alles, was die Naturliebhaber auf die Beine stellen. Die Gesamtheit ihrer Aktivitäten würde jeden, aber wirklich jeden Zeitungsartikel sprengen.


Den größten Bekanntheitsgrad erlangen die Naturfreunde durch ihre jährlichen Familienwanderung am Himmelfahrtstag. Diesen gibt es seit mittlerweile 28 Jahren. Handgezählte 44.851 Teilnehmer waren bisher mit von der Partie.
2018 organisierten die verantwortlichen Wanderleiter 47 Touren. Gelaufen wird bei Wind und Wetter. Und das nicht nur im Vogtland. Nächsten Monat steht beispielsweise eine Tagestour durch den Rabenauer Grund im Tal der Weißeritz auf dem Programm. Rund ein Jahr, bevor es los geht, wird der Wanderkalender erstellt.


Generell gilt für Leipold die Devise: "Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah". "Im Vogtland gibt es doch alles. Wälder, Seen, Gebirge, Naturschutzgebiet, und vieles mehr. Alles vor der Haustür. Da brauche ich doch gar nicht um die Welt zu reisen", so der rüstige 76-Jährige. Doch der Blick von Leipold und den NaturFreunden geht natürlich über den Tellerrand hinaus. Schließlich sind die Plauener Mitglied der Naturfreunde Internationale. Die gibt es nämlich in mehr als 30 Ländern. Allein in Deutschland existieren 600 Ortsgruppen mit 70.000 Mitgliedern. Unterwegs waren die wanderlustigen Vogtländer schon in (mindestens) halb Europa: Von Norwegen bis Portugal.
Die Plauener pflegen auch die Zusammenarbeit mit den Partnerstädten, besonders enge Kontakte gibt es nach Hof. Mit einem befreundeten Verein werden seit 30 Jahren gemeinsame Wanderungen organisiert. Leipold bedauert, dass es im Hinblick auf Siegen und Steyr "derzeit etwas ruhig geworden ist".


Doch bei den Plauenern wird nicht nur gewandert. Auch Nordic Walking, Gymnastik, Joggen und Radfahren ist möglich. Nicht zuletzt deshalb heißt das Motto des Vereins "Natur bewegt uns". Bewusst doppeldeutig gewählt. Denn schließlich bewegt der Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen Leipold und seine Mitstreiter. Deshalb versteht es sich daher fast von selbst, dass die Naturfreunde bei Spendenaktionen, Baumpflanzaktionen und beim Frühjahrsputz mit von der Partie sind. Zudem kontrollieren Leipold & Co. eine Teilstrecke des Vogtland Panorama Weges und zweimal jährlich Rundwanderwege in Neundorf, Großfriesen und Plauen sowie die Nordic-Walking-Strecke im Plauener Stadtwald.
Jungen Leuten die Natur nahebringen. Das hat Leipold auch in seiner Zeit als Berufsschullehrer getan. Regelmäßig fuhr er mit seinen Lehrlingen in die Hohe Tatra. Übernachtet wurde im Zelt. Darauf wird der Vereinschef heute noch angesprochen, wenn er seinen ehemaligen "Schützlingen" in der Stadt begegnet.


Dabei erlebte Hans Leipold eines seiner bisher einprägsamsten Erlebnisse. Bei einer Gebirgstour in der damaligen Tschechoslowakei waren die Vogtlä

nder nicht allein unterwegs. Sie machten Bekanntschaft mit den einheimischen Bären, die in der Nacht genüsslich ein Zelt verwüsteten. Die aufgestellte Nachtwache schlief zuvor den Schlaf des Gerechten. Und so blieb die Vorwarnung aus.
Wenn Hans Leipold nicht gerade auf Wanderschaft ist, beschäftigt er sich mit seinen Enkeln oder mit dem Zeichnen von Aquarellen. Dazu benötige man innere Ruhe, so der Experte.
Apropos innere Ruhe: Aus Japan schwappt derzeit ein Trend nach Europa: Waldbaden. Ziel des "Wellnessangebotes": Eins sein mit der Natur. "Die Vöglein hören, Beeren kosten, einen Baum umarmen", nennt Leipold nur einige Beispiele. Er hält bereits Ausschau nach einem geeigneten Waldstück. Gar nicht so einfach. Denn dort muss absolute Stille herrschen, das Areal aber trotzdem leicht erreichbar sein.


Absolute Stille wird am Samstag im Pfaffengut nicht herrschen, wenn die Plauener Naturfreunde bei einem geselligen Beisammensein "ihren" 110. Geburtstag begehen. Denn eines stellt Leipold klar: "Wir können auch feiern".