Narva-Plauen: Stecker raus für Speziallampen-Herstellung

Die Tage bis zum Abtransport der Maschinen für die Speziallampenproduktion bei Philips (Narva) in Plauen sind gezählt. Seit Ende der letzten Woche ist die Stromzufuhr abgestellt.

Plauen - Die Kollegen der Nachtschicht produzierten bis Punkt 6 Uhr am Freitag die letzten Speziallampen H 4. Dann wurden die Bänder leer gefahren, wie es der Betriebsratsvorsitzende von Philips Plauen (Narva), Andreas Rother, formuliert. Und während die Männer und Frauen der Nachtschicht eine letzte ordnungsgemäße Übergabe machen und sich auf den Heimweg begeben, wird von einer Plauener Elektrofirma die Stromzufuhr zu den Bändern unterbrochen. "Was die Kollegen nach der letzten Schicht an 'ihrer H 4' fühlten, stand ihnen ins Gesicht geschrieben", sagt der Gewerkschafter.

Ab Montag werden die Männer und Frauen in anderen Abteilungen eingesetzt und je nach individueller Vereinbarung am 1. August, 1. November oder Anfang nächsten Jahres in eine Transfergesellschaft übernommen. "Der Sozialplan enthält einen Interessenausgleich", macht Rother auf einen Aspekt aufmerksam, der von der Gewerkschaft erstritten werden konnte. In die Halle, in der bisher die H 4-Produktion brummte, wird indes nur kurz Schweigen einziehen. Denn bereits am Montag wird mit dem Zerlegen der Technik begonnen, um sie transportfähig zu machen. Voraussichtlich am kommenden Donnerstag wird sie von Fahrzeugen der Spedition Konvoi an ihren neuen Standort transportiert - ins polnische Pabianice, die Partnerstadt Plauens. "Wenn wir den genauen Termin erfahren, werden wir vielleicht mit einem Trauermarsch den letzten Lkw begleiten", sagt Rother, wissend, dass es sich um einen eher symbolischen Akt handelt.

Für die Konzernspitze, ist er sich sicher, sei das Thema abgehakt. "Die suchen nach Investoren für das Plauener Werk, aber zu welchen Konditionen und in welchem Stadium die Suche sich befinde, das weiß nur ein ganz kleiner Kreis der Chef-Etage", ist Rother überzeugt. "Und natürlich der Plauener Geschäftsführer Gerhard Liebscher, der muss ja wissen, mit wem er verhandelt."

Rother geht übrigens davon aus, dass die Investorensuche ernsthaft betrieben werde. "Aber das nimmt vermutlich ziemlich viel Zeit in Anspruch und die Herren in Eindhoven werden ja eine gewisse Erfahrung haben, wie lange sich so ein Deal hinziehen kann." Momentan heißt es für die Kollegen von Narva also tatsächlich nur abwarten und sich gedanklich auf verschiedene Entwicklungen vorzubereiten. tp