Narva: Noch ist das Licht an

Plauen - Nix Genaues weiß man nicht! Unter diesem Titel hätte gestern das Gespräch der Grünen-Fraktionschefin im Sächsischen Landtag, Antje Hermenau, in der Philips Technologie GmbH - Business Center Automotive Plauen stehen können. Denn was der General Manager Gerhard Liebscher ans Licht brachte, war düster. In der früheren Narva ist derzeit massiv Kurzarbeit angesagt - wir berichteten. Doch keiner könne derzeit sagen, wie lange die Krise noch andauere.

"Wir bewegen uns derzeit auf Messers Schneide", umschrieb es der leitende Firmenvertreter. Derzeit helfe die verbesserte Kurzarbeiterregelung, die Liebscher lobte - und dabei auch das flexible Agieren der vogtländischen Arbeitsagentur. Eines stehe allerdings fest: Auf Dauer könne auch mit Kurzarbeit bei der "aktuell in Größenordnung reduzierten Auftragslage" nicht gegengesteuert werden. Im März arbeiteten rund 400 Beschäftigte kurz. Ansonsten hätten 130 Arbeitnehmer entlassen werden müssen, stellte der Manager klar. Und trotzdem schreibe man rote Zahlen. Im März fielen im Unternehmen an der Louis-Ferdinand-Schönherr-Straße über 20 000 Ausfallstunden an.

Wie die Zukunft des Unternehmens in der Vogtlandstadt aussieht, könne derzeit nicht gesagt werden. Grundlegende Entscheidungen würden ehedem nicht in Plauen getroffen. Zu normalen Zeiten hätten die Vogtländer 60 bis 65 Millionen Fahrzeuglampen pro Jahr hergestellt. "So viele Autos werden in diesem Jahr weltweit nicht gebaut", erinnerte der Manager. Bis April vergangenen Jahres lief der Plauener Philips-Betrieb an der Kapazitätsgrenze. Doch im vierten Quartal kam der Einbruch. Insbesondere die Produktionszahlen der amerikanischen Autoproduzenten bereiteten Liebscher Sorge, neben dem noch nicht abgeschlossenen Lagerabbau der gefertigten Autos. In den europäischen Autoschmieden brach die Produktion im Februar um 41 Prozent ein.

Die erhoffte Entlastung durch den osteuropäischen Ersatzteilmarkt habe sich nicht ergeben, denn dort sei ein dramatischer Währungseinbruch festzustellen. Infolgedessen die Produkte aus Westeuropa zu teuer werden. Für leichte Abmilderung habe die Abwrackprämie gesorgt. "Doch uns nützt dieses Hilfsmittel nur wenig", formulierte Liebscher und stellte den Sinn dessen in Frage. Da hatte er die Grünen-Politikerin auf seiner Seite. "Die Abwrackprämie ist ein falsches Zeichen!", kritisierte Hermenau. Das sei zu kurzsichtig gedacht. Was geschehe denn danach, wenn es diesen Zuschuss nicht mehr gebe? Und warum werden nur Autos so unterstützt? Sie sieht das Ganze als eine Wertvernichtung an.

Als die Grünen-Landespolitikerin vor zwei Jahren erstmalig in der Plauener Firma war, hatte sie beinahe überall nur Licht gesehen. "Der Standort muss kämpfen!", unterstrich Antje Hermenau und ergänzte leicht resigniert: "Die Landespolitik ist zu klein für das Problem hier."