Närrischer Lindwurm stürmt durch Plauen

Der 26. Plauener Faschingsumzug lockte gestern wieder rund 25.000 Plauener und Vogtländer an die rund 1,5 Kilometer lange Strecke entlang des närrischen Lindwurmes.

Plauen Es wird alles nicht so heiß gegessen, wie es gekocht wird, sagt der Volksmund und hatte wieder mal recht. Zwar waren die Temperaturen vor allem für die beiden Pinguine angenehm, die als Zaungäste entlang des Umzuges mitwatschelten, doch die avisierten Orkanböen blieben aus. Nur vereinzelt wehte es eine Narrenkappe vom Haupthaar ihres Trägers. Noch bevor sich die 46 Festwagen in Bewegung setzten, konnten sich die Mönche (in Begleitung ihres Nachwuchses), die Seeräuber und vor allem die zahlreichen weiblichen Katzen mit Rostern stärken und Glühwein aufwärmen.
An der Spitze des Zuges - noch vor dem Marschallwagen - erinnerte Blume-August daran, dass er selbst als langjähriges Plauener Original galt. Auf dem Marschallwagen hatte - wie bereits im Vorjahr - Landesvater Michael Kretschmer Platz genommen. Er bewies, dass er ordentlich austeilen kann, auch wenn ihm der große Wurf - dem Wind geschuldet - eher nicht gelang. Seine original Wurzener Flips wurden dennoch nicht zu Flops, sondern landeten zumindest zu Füßen seines Volkes. Unterstützt wurde er von der vogtländischen Bundestagsabgeordneten Yvonne Magwas, deren große Brille wohl dokumentieren sollte, dass in der CDU derzeit keiner mehr so richtig durchblickt. Ebenfalls kräftig am Austeilen war Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer als Burgherr gewandet - auch dies wohl als Symbol, dass ihm Burgfrieden sehr am Herzen liegt. Stürmische Tänze vollführte das Konfetti, das sich noch am Abend in mancher Perücke wiederfinden ließ, die vor allem von Herren getragen wurde, die sonst mit einer Fleischmütze vorlieb nehmen müssen. Noch kurz vor dem Start war "Micha", wie ihn der Umzugssprecher in lockerer Faschings-Sprache nannte, die ersten Wagen entlang spaziert und hatte den lockeren Small-Talk mit seinen Untertanen gesucht - und gefunden. Vom Vogtland-Echo bekam er sogar ein Ständchen gespielt. Ob "Micha" später noch jemand erklärte, was das Lied mit dem Titel "De Fotz von Zobes" eigentlich bedeutet, blieb offen und der Landesvater fragte auch nicht nach.
Dass Qualität zuweilen tatsächlich mit Quantität einhergeht, darauf verwies stolz der Präsident des Vogtländischen Carneval Vereins, Joachim Kriester. "Das sind mehrere Zentner Wurfartikel und Konfetti die da von den Wagen geworfen wurden. Zwei Tonnen werden es wohl mindestens sein.
Doch nicht nur die Vereine, die von Narren aus ganz Sachsen, Thüringen und Oberfranken unterstützt wurden, hatten sich kreativ in Schale geschmissen. Auch am Wegesrand hatte man sich über die politische Lage im Lande seine Gedanken gemacht. Als Vertreter der Spaßkasse war ein Vater unterwegs, dessen Sohnemann schon mal die Dosen zum Sammeln der Negativzinsen hochhielt. Stadteinwärts ging es dann nochmals ums Geld, wenn auch nur symbolisch wie im Falle der "Katholischen Kirchen Mäuse". Die Skifaschingsfreunde Stöckigt hatten ein Glücksrad der Parteien an Bord, mit dem man sich die Welt drehen konnte, wie sie einem gefällt.
Nach Ankunft aller Wagen ging die Party auf dem Altmarkt noch lange weiter. Auf der Bühne zeigten viele Vereine einen Ausschnitt aus ihrem Programm. Einige von Ihnen werden wohl gleich durchmachen bis Aschermittwoch, wenn alles wieder vorbei ist und die fünfte Jahreszeit endet. röss/top