Nächtlicher Streifzug durch Plauener Museen

Menschenmengen in Kaufhäusern - das kennen wir. Aber in Museen? Am Freitag zur 9. "Nacht der Museen" zeigten Plauener und Vogtländer, dass sie nun wirklich keine Kultur-Muffel sind und Plauen erwies sich verdient als Mittelpunkt des Vogtlandes.

Unzählige Menschen pilgerten von Attraktion zu Attraktion - 21 Museen waren bis 1 Uhr nachts offen und boten über das Übliche hinaus noch ein "Mehr" an Hinguckern und Aktion. "Bimmelimbimbim" tönt die aus den 1960-er Jahren stammende historische Straßenbahn und entlässt einen Pulk Menschen auf den "Tunnel". Von hier aus strömen sie in den Malzhaus-Keller, wo gerade Loreen Zacher großen Applaus für ihre lyrischen Popsongs erhält. Wer lieber die lauen Sommernachts-Temperaturen genießen will, ist am Komturhof richtig. Dort verschlingt "Simon der Feurige" zu vorgerückter Stunde gerade eine heiße Flamme. Nebenan duftet es verführerisch nach Gebratenem.

"Mittelalter" heißt das Thema am ältesten Gebäude der Stadt - klar, dass da Plauens ältester Ritter, "Heinrich von Plauen" nicht fehlen darf. Gegenüber am Luftschutzmuseum Meyerhofen geht es gedanklich in die Zeit des Zweiten Weltkrieges. Die lange Menschenschlange vor dem Eingang der neu entdeckten Stollen will nicht abreißen. Bergknappe Gert Müller und seine Mannen schleusen im Viertelstundentakt immer neue Besucher durch die Keller, vorbei an Artefakte aus dem Weltkrieg, zwei Kisten Bombensplittern, zwei Fünf-Zentner-Bomben und mehr.

Gleich zu Beginn der Museumsnacht darf sich Bergknappe Müller über eine besondere Schenkung freuen. Susi Müller, heute 77 Jahre alt, übergibt dem Bergknappen zwei alte Gasmasken, eine Feuerpatsche mit Eimer zur Bekämpfung von Brandbomben sowie einen originalen Rot-Kreuz-Kasten. Gefunden hat die alte Dame die Sachen in ihrem Elternhaus in der Bismarck-Straße, das sie über ein dreiviertel Jahrhundert bewohnte und nun beräumte, weil sie in eine Seniorenresidenz umzog.

Dort habe sie auch als Kind die Mehrzahl der 14 Luftangriffe erlebt, erzählt sie Gert Müller. Besagte Gegenstände, die nun einen Platz im Luftschutzmuseum erhalten, lagerten am Kellereingang. Eingeladen wird Frau Müller von ihrem Namensvetter sogleich zum Rundgang durch die Keller, in denen einst Bier gelagert wurde.

Verwinkelt geht es auch im Plauener Theater zu. Viele Besucher sehen erstmals den Ort, wo sich die Schauspieler schminken lassen vorm Auftritt - sie stehen unter der großen Drehbühne, schauen kurz in den Malsaal hinein, wo gerade die Kulisse zu "Cabaret" entsteht. Und sie staunen über 300.000 Kostüme, die der Fundus des Theaters hergibt. "Wir hatten mal ein Kleid, auf das unsere Schneider 5.000 echte Marabu-Federn aufnähen mussten. Auf ein anderes Kleid kamen 1.200 handgedrehte Rosen - eine Heidenarbeit war das", erzählt Kostümausstatter Tino Helbig einem staunenden Publikum.

Zu vorgerückter Stunde singt und klingt es überall auf den Plätzen. Unzählige Lämpchen und Lampions locken in den lauschigen Garten der Weberhäuser, wo man zu der Musik der hauseigenen Weberhaus-Band ein Speckfettbrot und ein Bier genießt. Tango-Musik tönt über den Altmarkt, einen Hauch von Luxus verströmt die XXL-Limousine, in die Besucher einen Blick werfen dürfen. Wer Lust hat und noch kann, darf auch zu Späterstunde noch 230 Stufen zum Rathausturm erklimmen und das Spektakel von oben bewundern. cze