Nächtliche Abschiebung in Plauen

17. Januar, ein kalter Wintermorgen. Der Freistaat Sachsen lässt 31 mazedonische und 47 serbische Staatsangehörige vom Flughafen Dresden aus nach Belgrad und Skopje zurück fliegen. Darunter zwei Familien und eine Frau aus dem Plauener Asylbewerberheim.

Plauen - "Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge hat die Asyl und Asylfolgeanträge als offensichtlich unbegründet abgelehnt", hieß es dazu aus dem sächsischen Innenministerium. Ob die zwei mazedonischen Familien - die eine mit fünf Kindern, die andere mit drei minderjährigen Kindern - und die alleinstehende Frau aus Serbien verstanden, was ihnen da gesagt wurde und welche unmittelbare Bedeutung das für sie haben würde - man wird es nicht mehr erfahren. Denn seit jenem 17. Januar befinden sich die Sinti und Roma, die im Asylbewerberheim im Plauener Westend im November/Dezember vorigen Jahres Unterschlupf gesucht hatten, wieder in ihrer Heimat.

Einer ungeliebten Heimat, denn dass sie als Zigeuner dort bestenfalls gelitten sind, hat sich auch im "zivilisierten" Europa längst herumgesprochen. Wie es sich auch herumgesprochen hat, dass die Regierungen in Belgrad und Skopje mehr oder weniger deutliche "Tipps" geben, wie die Sinti und Roma der winterlichen Kälte in ihren Dörfern entgehen können. Indem sie die Wintermonate in deutschen Asylbewerberheimen verbringen. Wohl wissend, dass ihr Antrag keinerlei Aussicht auf Erfolg hat. Allerdings: Mehrere Bundesländer hatten sich für einen Abschiebestopp in der kalten Jahreszeit entschieden.

Nicht so Sachsen. Seit dem Wegfall der Visumspflicht 2009 suchten immer mehr Menschen aus Serbien und Mazedonien im Wortsinne nach etwas Wärme in Deutschland. Auch jene Familien, die aus dem Asylbewerberheim in Plauen geholt wurden, hatten die letztlich erfolglose Odysse bereits ein Mal hinter sich. Doch diesmal gestaltete sich die Abschiebung etwas anders, drastischer. Denn die Betroffenen wurden mitten in der Nacht von Polizisten aus dem Schlaf geweckt. Vor dem Asylbewerberheim hielt ein Bus, in dem sich bereits Personen aus anderen Heimen befanden. Bisher sei es so gewesen, dass die Betroffenen vorher über den Tag ihrer Abschiebung informiert wurden, Zeit hatten ihre paar Habseligkeiten zu packen und sich zu verabschieden, sagen Augenzeugen der Ereignisse jener Nacht.

Natürlich seien die Kinder verängstigt gewesen, obwohl die Erwachsenen sich bemüht hätten, sie zu beruhigen und vor allem selbst keinerlei Widerstand leisteten. Ob Gewalt im Spiel war? Die Augenzeugen verneinen dies, aber sonderlich freundlich seien die "recht vielen Polizisten" auch nicht gewesen. Für unnötige Aufregung soll die gegen 2 und 3 Uhr in der Frühe abgelaufene Aktion zudem gesorgt haben, weil die Beamten gar nicht gewusst hätten, in welchen Räumen sich die Abzuschiebenden aufhielten. Lediglich der nächtliche Wachschutz sei anwesend gewesen, der den Beamten aber auch nicht weiterhelfen konnte.

Logisch also, dass auch andere Heimbewohner schnell mitbekamen, dass da "was im Busch" war und ihrerseits Angst bekamen. Drei Tage habe es gedauert, bis sich die allgemeine Aufregung wieder gelegt habe, heißt es. Vor allem wohl auch deshalb, weil sich noch weitere Asylbewerber aus den betroffenen Ländern im Heim aufhalten. Einige sollen sich bereits bei der Ausländerbehörde gemeldet haben und ihre freiwillige Rückkehr avisiert haben. "Nur nicht so abgeholt werden wie in dieser Nacht". Gegen die von Sachsen praktizierte Sammelabschiebung hatte bereits das Netzwerk "Asyl - Migration - Flucht" protestiert. Offenbar erfolglos. Weitere Roma und Sinti sind seit Ende vorigen Jahres nicht nach Plauen überwiesen worden, heißt es auf Anfrage.