Nachwuchskünstler bei Calliope

"Das sollten wir unbedingt zur Tradition werden lassen", kommentierte ein Besucher des 48. Calliope-Konzertes im Reichenbacher Veranstaltungsforum.

Reichenbach - Anlass war eine kluge Idee der Veranstalterin Sarah Stamboltsyan: In wenigen Tagen beginnt der Bundeswettbewerb "Jugend musiziert" 2019 in Halle, wo sich die besten musikalischen Nachwuchstalente Deutschlands miteinander messen. Um solchen Spitzentalenten kurz zuvor nochmals eine konzertante Bewährungssituation zu bieten, lud sie sieben Teilnehmer ein, die zuvor in den Landeswettbewerben Thüringen und Sachsen auf sich aufmerksam gemacht hatten. So wurde dieses Calliope-Konzert nicht nur zu einer interessanten Leistungsshow junger Talente, sondern ein erlebnisreiches Kammerkonzert mit erstaunlichen, ja bewundernswert ausdrucksstarken, schon reifen interpretatorischen Darbietungen.Schon zu Beginn verblüffte Laetitia Pittschaft aus Augustusburg mit ihren Darbietungen auf dem Vicoria-Knopfakkordeon. Sie spielte ihre drei spieltechnisch höchst anspruchsvollen Werke durchweg mit geschlossenen Augen, was ihre auf sensibelste Ausdrucksstärke hin angelegte Interpretationsweise schon optisch belegte: Das Bach-Prélude aus der Englischen Suite kam stilgerecht wie von der Orgel, sehr schön geführt der Kontrapunkt im Melodie-Bass-Manual, musikantisch vorzüglich das Allegro Ritmico aus Angelis populären "Impasse" (ausgezeichnete Balgtechnik!) und erstaunlich ausdrucksvoll die Melancholie des vollgriffigen Superstücks der russischen Schule "Revelation" (Offenbarung) von Sergey Voytenko.Das nachfolgende Duo aus Gera überzeugte mit hoher kammermusikalischer Harmonie. Johannes Deutsch glänzte auf seiner Klarinette mit sehr schöner Klangkultur: weich im Ansatz, sauber intonierend in allen Lagen, dynamisch beeindruckend vom feinsten Pianissimo bis zum Fortissimo; Pia Kneisel begleitete sicher, fehlerlos in ihrem Klavierpart. Höhepunkt der Darbietungen waren die "Tänzerischen Präludien" von Witold Lutoslawski, zumal beide die starken Kontraste der fünf launigen Tänze auf den Punkt ausspielten.Auch das Gitarrenduo "KonSequenz" mit Franziska Schuhmann und Janek Wasilewski erhielt viel Beifall. Beide lernen am Clara-Wieck-Gymnasium/Robert-Schumann-Konservatorium Zwickau. Auch hier beeindruckte die Harmonie zwischen beiden: Ständige Blickkontakte gewährleisteten selbst die kniffligsten Einsätze. Höhepunkt ihrer Darbietungen war die effektvolle Hommage "Un café con Astor" von Maro Godoy Villalobos für den argentinischen König des Tango Nuevo Astor Piazzolla: spieltechnisch exquisit samt den Slap-Effekten, vielleicht etwas zu vorsichtig, das Stück kann noch mehr Temperament vertragen. Zum Abschluss musizierten Xenia Lemberski (Violine) und Mikhail Kambarov (Klavier) - beide mit ganz eindrucksvollen Leistungen auf ihrem Instrument. Xenia Lemberski spielte aus der 3. Bach-Partita den berühmten Satz "Gavotte en Rondeau" mit bestechender Intonation (selbst in den effektvollen Doppelgriffpassagen!), gutem Bogen und vollem Ton. Im Duo mit Mikhail Kambarov (Tschaikowski "Meditation" op. 42) glänzte sie mit tollem Lagenspiel bis in den höchsten Diskant - hervorragend! Mikhail Kambarov war ihr nicht nur ein außerordentlich gut mitgestaltender Dou-Partner, sondern erwies sich mit der Klavier-Interpretation von Chopins "Barcarolle" op. 60 als ausgezeichnet veranlagter Jungpianist.                veho