Nachtwächter wieder unterwegs

Mittlerweile begibt sich der Plauener Nachtwächter wieder auf seinen abendlichen Altstadtspaziergang. Zunächst alle 14 Tage. Seine erste touristische Führung nach langer Pause war bestens besucht.

Von Frank Blenz

Groß in der Statur, mächtig sein schwarzer Umhang, imposant die Hellebarde in der Hand und dabei doch gar nicht bedrohlich: Uwe Rödel, alias Nachwächter Friedrich Wilhelm, nahm seine zwei Dutzend Abendschwärmer freundlich und sehr gut gelaunt auf die Reise zu Fuß durch die Plauener Geschichte.


"Endlich geht es wieder los", sagte der Tourchef und erntete Kopfnicken bei seinem Publikum. Das erfuhr zunächst, dass er, also die Figur, welche der heutige Plauener verkörpert, tatsächlich im 19. Jahrhundert in Plauen lebte, wohnhaft in der Dobenaustraße und Nachtwächter war. Zu dessen Ausrüstung gehörten unter anderem auch fünf Schlüssel, Uwe Rödel hatte diese symbolisch dabei, sie hingen an seinem Gürtel. "Die Schlüssel standen dem Wächter zur Verfügung, damit er bei Bedarf die fünf Tore der Stadtmauern öffnen konnte, wenn diese verschlossen waren und doch noch Leute in die oder heraus aus der Stadt wollten", so Rödel. Heutzutage gibt es keine Tore mehr, allein mit viel Fantasie tauchten die Teilnehmer der Tour des Nachtwächters durch die Altstadt in seine Geschichten quer durch die Jahrhunderte ein.


Die Route war geschickt gewählt. Kompakt zusammengefasst reihten sich die Stationen durch das Areal aneinander, welches sich früher innerhalb der Stadtmauern befand mit Ausnahme des jetzigen Lutherparks.
Unter den Besuchern war Kerstin Wiesend aus Plauen, die ihren Freund Knut Böhm aus Dresden im Schlepptau hatte. Beide zeigten sich gleichfalls froh, dass die Stadt auflebt. Es tut gut, so ihr Tenor. Beide versprühten Neugier und Unternehmungslust. "Ich bin dieses Wochenende für das Programm zuständig. So habe ich mir gedacht, dass mein Dresdner gleich passend etwas über die Historie Plauens bei so einem Stadtgang erfahren kann. Und: Ich habe auch dazu gelernt", sagte die Plauenerin.
Die Besucher erfuhren binnen zweieinhalb Stunden vom Nachtwächter wie diese alte Stadt funktionierte, die wichtigen Gebäude von Lutherkirche, den Bürgerhäusern in der Nobelstraße bis zum Komturhof mit Leben erfüllt wurden, welchen Persönlichkeiten die Stadt prägten, inklusive Napoleon, und mit welchen Gewerken die Plauener ihr Geld verdienten. Anekdoten satt hatte der Nachtwächter parat, Weberhausgeschichten, Ritterstorys, Gründerzeitepisoden, Gedichte rezitierte er gar.


Die Inhalte sollen indes hier nicht verraten werden, lieber sollen Interessierte sich Termine bei ihm in Echtheit reservieren lassen und dann den Storys der Reise durch die Zeit aufmerksam lauschen und etwas erleben, bat der Nachtwächter den schreibenden Reporter. "Alle zwei Wochen wird es vorerst Touren geben, wir fangen vorsichtig an. Aber aufgepasst: die nächsten zwei Termine sind schon ausgebucht", sagte der Plauener Nachtwächter Uwe Rödel alias Friedrich Wilhelm.