Nacht der Muse(e)n ohne Weberhäuser

Man könnte es literarisch angehen: "Gespräche im Hause Stein über den abwesenden Herrn von Goethe." Und so wurden gestern zwar die Teilnehmer der diesjährigen "Nacht der Muse(e)n vorgestellt, doch vor allem standen die Weberhäuser im Mittelpunkt - die dieses Jahr gar nicht teilnehmen.

Von Torsten Piontkowski

Plauen - 22 Einrichtungen und Institutionen hoffen zur 14. Auflage der Nacht der Muse(e)n am 28. Juni wieder auf einen stressigen Abend. Denn diesen Termin haben sich viele Plauener bereits wieder dick im Kalender angestrichen und ja - in manchen Museen und Galerien, im Theater, im Komturhof und anderswo wird es zuweilen wieder zu "Staus" kommen. Nur in einer "Ecke" Plauens, der vielleicht schönsten der Stadt, die auch als ihre Wiege gilt, wird es an diesem Abend ruhig bleiben: den Weberhäusern. Nicht nur, aber vor allem auch zur Nacht der Muse(e)n zogen sie zahlreiche Gäste an, die sich hier um Jahrhunderte zurückversetzt fühlten, bei einem Glas Wein oder Bier das besondere Ambiente der Häuser am Mühlgraben auf sich wirken ließen. Und nicht wenige werden sich anerkennend darüber geäußert haben, wie die "Hexen" des Unikat-Vereins das wieder mal auf die Reihe bekommen haben. Weshalb dann also nicht dieses Jahr? 

Unikat-Verein gerät
an seine Grenzen

Kerstin Rüffer, Urgestein des Vereins, spricht Klartext. Auch für die Weberhäuser gilt die "Nacht" nicht nur als einer der Magneten sondern auch als die jährlich größte Veranstaltung. Und natürlich hätte man die - wenn auch überschaubaren - Einnahmen an diesem Abend gut gebrauchen können zur Finanzierung anderer Projekte, die dem Verein am Herzen liegen - beispielsweise die Projektarbeit mit den Schülern. Doch bereits im letzten Jahr sei man an seine Grenzen gekommen, eigentlich darüber hinaus, sagt Kerstin Rüffer. Zur kürzlichen Walpurgisnacht waren die Bagger bis buchstäblich zur letzten Minute im Einsatz und die "Hexen" taten, was man ihnen nachsagt: Sie hexten buchstäblich, um die Nacht für die Gäste wieder zu einem Erlebnis werden zu lassen. Allerdings dürfe man bei derartig vielen Menschen auch den Sicherheitsaspekt nicht aus dem Auge lassen, fügt sie an. 

Ehrenämtler sind nicht
die alleinige Lösung

Doch dies und die Tatsache, dass der Verein im Wortsinne auf mehreren Baustellen unterwegs ist, weil unter seiner Regie auch die Handwerkerhöfe saniert werden, ist nur die halbe Wahrheit. Das Team fühlt sich ausgelaugt und irgendwo auch allein gelassen. "Wenn die Stadt uns nicht mehr braucht, dann wird es die Weberhäuser in der jetzigen Form eben nicht mehr geben", sagt Unikat-Mitglied Margitta Schier mit unüberhörbarer Wehmut in der Stimme. Noch ist das nicht die offizielle Lesart und Kerstin Rüffer hofft, die Häuser werden bei der nächsten "Nacht" wieder dabei sein. Dann vielleicht sogar auf erweitertem Gelände. Doch dann spricht sie aus, was gewissermaßen an die Substanz geht. "Unsere Ehrenämtler helfen wo sie nur können. Aber alle Aufgaben lassen sich einfach nicht auf ehrenamtliche Schultern delegieren." Der Unikat-Verein besteht derzeit aus 3,5 hauptamtlichen Mitarbeitern, 17 Mitglieder zählt er insgeamt. Mit dieser Personalausstattung "können wir unsere Vision nicht weiterleben. Denn der Verein gründete sich aus einer Vision heraus." 
Kulturbürgermeister Steffen Zenner sieht das ähnlich. Und dass er in diesem Falle zwischen zwei Stühlen sitzt, denkt er vielleicht. Man müsse den zahlreichen Besuchern der Weberhäuser, aber auch vieler anderer kultureller Einrichtungen der Stadt vor Augen führen, dass die Angebote möglicherweise schrumpfen werden, wenn sich nicht mehr Plauener ehrenamtlich engagieren. Natürlich muss er alle Vereine "im Blick" behalten, natürlich weiß er, wie schnell "Neidgefühle" aufkommen, wenn es um Geld oder Personalaussattung geht. Und ja, man unterstütze die Weberhäuser finanziell, wie auch erstmals in diesem Jahr den Bergknappenverein, den Komturhofverein. "Das geht am Ende in die Hunderttausende Euro", sagt Zenner. Wohl wissend, dass Geld zwar beruhigt, aber allein auch nicht gücklich macht. 

Gute Entwicklung 
ist "Fluch und Segen"

Stichwort Personal. Irgendwann komme ein erfolgreich agierender Verein an seine personellen Grenzen hinsichtlich Ehrenamt. Und das betrifft auch die Altersstruktur. Dann stehe die Frage, wie weiter. Und einen unpopulären Vergleich schiebt er nach: Die Weberhäuser rudern mit 3,5 Mitarbeitern über dem Wasser, das Vogtlandmuseum verfüge andererseits auch nur über fünf Beschäftigte. Die gute Entwicklung in Sachen Kultur sei "Fluch und Segen" zugleich. Vor diesem Hintergrund müsse sich die Stadt bekennen - wollen wir eine bestimmte Einrichtung erhalten und leider auch fragen: Können wie sie uns leisten. In der Abwesenheit der Weberhäuser zur dieNjährigen Nacht der Muse(e)n sieht er denn auch eine aus der Not geborene Chance. Man erzeuge ein Gefühl, wie es in der Stadt ohne die Weberhäuser aussehe. 

Handwerkerhöfe
ein zweites Standbein

"Die jetzige ist keine Lösung", findet Margitta Schier deutliche Worte. "Ohne die Stadt geht es nicht mehr weiter." Und ein wenig sucht sie die "Schuld" auch bei sich. "Ich bin ja so eine die immer gesagt hat, es wird schon irgendwie weiter gehen."
Dass Axel Markert von der Gebäude- und Anlagenverwaltung mit am Tisch sitzt, hat ebenfalls mit den Weberhäusern, genauer gesagt den Handwerkerhöfen zu tun. Auch dies eine im Wortsinne Baustelle des Unikat-Vereins. Weshalb ziehen die sich noch so eine Rute übern Allerwertesten bei allen anderen Problemen, wird sich jetzt mancher fragen. Tatsache ist: Die Weberhäuser hat der Unikat-Verein nur gemietet. Die Eigner zeigen sich zwar mehr oder weniger verkaufsbereit, "doch die Summe können wir uns nicht leisten", stellt Kerstin Rüffer klar. Deshalb müsse man sich mit den Handwerkerhöfen eine Art zweites Standbein schaffen. Dort aber sei die Altbausubstanz sehr schlecht, entsprechend gingen die Vereinsmitglieder in Eigenleistung, um die Kosten im Zaum zu halten. Markert sprich von insgesamt 200 000 Euro, die samt Planung und anderer Leistungen zur Verfügung stehen. Vor allem die stark beschädigten Dachbalken hätten die Kosten gesteigert. Nun stehen noch Sanitär- und Elektroarbeiten an, einschließlich Wärmeversorgung. Zwar fließen Fördermittel, doch das Budget ist mit 20 000 Euro denkbar knapp. Rüffer lakonisch: "Das ist fast schon Hexenwerk." Die gute Nachricht hebt sie sich für den Schluss auf: Am 24. Mai werde im kleinen Kreis Richtfest für den Handwerkerhof gefeiert.

Wasserwerfer vor
dem Wendedenkmal?

Und nun nochmal zum eigentlichen Anlass der Presserunde: Zenner verspricht für den 28. Juni, zwischen 18 und 1 Uhr, wieder Erlebnisse und Eindrücke für Jedermann. Erstmals im Angebot: eine Lasershow am Schlosshang, der quasi niemand "entgehen" kann. Das Spektakel beginnt 21.30 Uhr und endet eine Stunde nach Mitternacht. Auf dem Altmarkt wird an die Existenz des einstigen Flugplatzes an der Schöpsdrehe erinnert und auch hier lässt Zenner eine Vision einfließen. "Wir müssen in Plauen wieder etwas größer denken als gewohnt." Im Schauraum der Jugendherberge "Alte Feuerwache" wird der legendäre Wasserwerfer zu sehen sein, mit dessen gegenwärtigem Standort der Kulturbürgermeister allerdings hadert. Er sei ein Stück dem Verfall preisgegeben. Sein Vorschlag: Unterbringung in einem Glaspavillon direkt am Wendedenkmal. Keine riesige Vision, aber immerhin wäre es eine.

Veranstaltungen

Galerie e.o.plauen
Vogtlandmuseum Plauen
Atelier Thomas Beurich
Vogtlandbliothek
Lutherkirche
Stadtarchiv
Rathausturm
Galerie am Altmarkt
Plauener Spitzenmuseum
Kunstverein Malzhaus Plauen
Malzhaus
Weisbachsches Haus
St.-Johanniskirche
Komturhof
Luftschutzmuseum
Plauener Straßenbahn
Vogtlandtheater
Galerie des BBKV
Galerie Forum K
Quartier 30
Modespitze Plauen
Schaustickerei
Der Bändchenverkauf als Eintritt für alle Einrichtungen beginnt am 27. Mai und endet am 27. Juni zum Vorverkaufspreis von sechs Euro (ermäßigt drei). Am 28. Juni selbst sind die Bändchen in jeder teilnehmenden Einrichtung erhältlich. In Kürze erscheint eine Broschüre mit der Übersicht aller Teilnehmer und ihrem speziellen Angebot.