Nach "Sabine" kommt der Käfer

Glimpflich davon gekommen ist der Oelsnitzer Stadtwald beim Sturmtief "Sabine". "Sabine" ist also überstanden, doch nun ist der Käfer im Anmarsch.

Von Renate Wöllner

Rund 45 Festmeter Schadholz verzeichnet Thomas Liebetrau, Revierleiter im Staatsbetrieb Sachsenforst, im Röhrholz, der stadtnahen grünen Lunge. Die Menge entspricht etwas mehr als einer Lkw-Ladung - "nicht sehr viel im Vergleich zu anderen Gegenden", sagt der Förster. Betroffen sind nur Fichten in Einzelwürfen über das gesamte Waldstück verteilt. Schäden seinen in allen Besitzarten festzustellen, die meisten an Standorten, wo bereits eine Flanke in die vorderste Front gerissen war. "Es hätte schlimmer kommen können", meint Liebetrau. Orkan Eberhard im März 2019 habe grimmiger gewütet. Entwarnung vor den Frühjahrsstürmen will er aber noch nicht geben. "Es sind weiterhin starke Windbewegungen zu erwarten", prophezeit der erfahrene Forstmann.
Mit dem Aufräumen warte man noch ein paar Tage. Der Regen der vergangenen Tage hat die Waldwege bodenlos gemacht. Schwere Technik würde hier große Schäden anrichten, deren Reparatur ins Geld ginge - das man nicht hat. Doch geborgen werden muss das Schadholz, das ansonsten dem Borkenkäfer willkommene Nahrung bieten würde. Da es so gut wie keinen Frost gegeben hat, bereitet sich der Schädling im Waldboden schon jetzt auf den nächsten Angriff vor. Ein neues "Käferjahr" stehe entsprechend der registrierten Befallsmengen bevor.
Die aktuelle Waldschutz- und Holzmarktsituation allgemein und im Oelsnitzer Stadtwald sieht ohnehin nicht rosig aus. "Seit Ende 2017 gibt es eine noch nie gekannte Häufung von Schadenereignissen - Stürme, Schneebruch und Borkenkäferbefall sowie extreme Dürreperioden", berichtete Liebetrau kürzlich im Stadtrat. Die europaweite Schadsituation führe zu einer langanhaltenden angespannten Lage auf dem Holzmarkt. Das Angebot an Rundholz übersteigt den Bedarf. Infolgedessen sind die Preise für Sägeholz im Vergleich zum langjährigen Mittel um 50 bis 70 Prozent gefallen und liegen derzeit bei 30 bis 40 Euro pro Festmeter. Das hat auch Auswirkungen auf die Forsteinrichtung im Oelsnitzer Stadtwald, der außer dem Röhrholz noch weitere Schläge im Oberland umfasst. Ein planmäßiges Wirtschaften nach dem strategischen Betriebskonzept von 2016 bis 2025 sei in diesem Wirtschaftsjahr nur in geringem Umfang möglich. Konzentrieren will sich Liebetrau dabei auf die zeitnahe Aufarbeitung von Schadholz, Arbeiten zur Verkehrssicherung, Investitionen und die Wiederbewaldung von Schadflächen. Kosten von rund 9600 Euro stehen Erlöse lediglich aus Waldschutzförderung von 2000 Euro gegenüber. Bei den Investitionen zur Waldverjüngung liege man Ende des Jahres mit 88 Prozent über dem Zeitsoll. Gerechnet von 2014 bis 2020 zeigt sich im Saldo von Einnahmen und Ausgaben ein Betriebsergebnis von 64 Euro pro Jahr und Hektar. Im Vergleich dazu betrug das Ergebnis des vergangenen Einrichtungszeitraums rund 81 Euro. Die Stadträte spendeten dem Wirtschaftsplan einhellig Zustimmung sowie Lob und Dank für die solide Arbeit.