Nach Gans jetzt Saure Gurken

Das Geschäft über die Festtage lief in der Plauener Gastronomie den Umständen entsprechend gut. Viele Wirte boten Essen zum Abholen an. Die "Matsch" und andere richteten sogar einen eigenen Lieferservice ein.

Von Marko Wild

Plauen Nicht mal ansatzweise sei der Umsatz über Weihnachten und Neujahr an das Vorjahr herangekommen. Heiko Floss, Inhaber der "Matsch", schätzt das Ergebnis auf 60 Prozent. Für den Moment hätte das trotzdem gut funktioniert. Sprich, die Kosten kamen rein. "Das war es dann aber auch schon." Gans und Ente ging am besten. Die Matsch lieferte aus von Mehltheuer bis Theuma. Zu ihren üblichen Preisen, da der Aufwand durch die Lieferung in etwa dem entfallenen Service in der Gaststube entsprach.
"Gerade wird es aber ziemlich wenig", fährt Floss fort. "Januar und Februar sind eh Saure-Gurken-Zeit. Der Lockdown kommt da jetzt noch drauf. Wenn es so weiter geht, müssen wir halt doch mal eine Zeit lang ganz zu machen." Dass es irgendwann wieder besser wird, diesen Optimismus hat Floss aber noch nicht verloren. "Alles gut", lacht er. "Man darf sich die Laune nicht verderben lassen." Sein Rezept: "Die Politik wird komplett ignoriert. Das ist ja nur noch unglaubhaft, was von da kommt." Jeden Tag eine Information, die der des Vortages widerspräche. "Da drehste ja durch, wenn'de das noch ernst nimmst."
Carsten Beck, Inhaber des "Waldhaus Reißig", bot Essen zum Abholen an. Neben Gans und Ente ging auch Hirschbraten gut. "Wir verpacken das Essen, um zu vermeiden, dass mit eigenem Geschirr irgendeine Infektionskette zu uns hereingeschleppt wird." Was sich seiner Meinung nach leider ein klein wenig nachteilig auf den Geschmack auswirkt. "Du kannst abgepacktes Essen nicht so frisch servieren, wie auf dem Teller. Wenn die Gans knusprig ist und dann mit dem Verpackungsmaterial in Berührung kommt, dann ist sie nachher eben ein bisschen babbelig." Er finde es schade, dass sich die gewohnte Qualität auf diese Weise nicht ganz aufrecht erhalten ließe.
"Aber wir haben ein treues Stammpublikum. Das weiß Bescheid und kann damit umgehen." Etwa 300 Stammgäste und 200 "Wanderer" - wie Beck diejenigen nennt, die keine Stammgäste sind - machen die Kundschaft aus, "zum Teil anspruchsvolle Leute, aber auch oft Menschen, die nicht mehr selber kochen; weniger die Jungen."
Im "Waldhaus Reißig", wo die fetten Tage auch erst einmal pausieren, wurde über Weihnachten und Neujahr ebenfalls rund 60 Prozent des Vorjahresumsatzes erreicht. Bei den üblichen Preisen, weil Abpacken und Verpackungsmaterial mit eingepreist werden mussten.
Trotz der auch für Beck insgesamt "guten bis sehr guten" Nachfrage sei die Stimmung unter den Angestellten nicht nur eitel Sonnenschein. "Die Situation ist aber heikel; man muss sich überlegen, was man wozu sagt. Schwierig", gibt er zu bedenken, "ist es auch besonders für den, der nicht über Eigentum verfügt, sondern in einem Pachtverhältnis steckt. Bei Eigentum kann man immer noch ein wenig hin- und herjonglieren." Um so wenig wie möglich Einbußen zu fahren, gibt es im Waldhaus heuer nicht den sonst im Januar üblichen Betriebsurlaub. Stattdessen will Beck an den Wochenenden erst einmal "durchziehen" und bis auf Weiteres Essen zur Abholung zubereiten.
Weniger erfreulich lief und läuft es beim Inder "Ganesha". Am 25. und 26. Dezember seien seine Leute zu Hause gewesen, erfuhren wir vom Chef mit starkem Akzent. "Geschäfte? Ho, ho...", lacht er. "Heute 4 Bestellungen, manchmal 5, manchmal 8, Freitag, Samstag bisschen mehr. Wenn dieser Lockdown fertig, wir arbeiten wieder. Jetzt warten." Im Moment seien bis auf drei alle im Urlaub. Geschlossen werde täglich um 14 Uhr, bis dahin arbeite man die wenigen Bestellungen ab.