Nach den Knollen folgt der Bergbaupfad

Den Ruf als eine der zehn schönsten Wanderregionen Deutschlands genießt das Vogtland. Mit dem Ausbau des Elsterradwegs und des Radwegs auf dem Alten Bahndamm zwischen Falkenstein und Oelsnitz wird die touristische Anziehungskraft weiter steigen. Die Oelsnitzer Stadtmarketing- und Tourismus GmbH will den Bergbaulehrpfad wieder beleben, der mit wundervollen Ausblicken enormes Potential hat.

 

Ein neues Konzept wird erarbeitet, den Hut dafür auf hat Mitarbeiter Michael Degenkolb. Corina Müller vom Stadtbauamt soll die Grundstücksfragen klären. Unterstützung kommt vom Verein der Oelsnitzer Wandersperken mit seinem Vorsitzenden Wolfgang Eschenbach.

Der "Lehr- und Wanderpfad Vogtländischer Bergbau" entstand 1976 mit einer Arbeitsgruppe des Kulturbundes unter Leitung des Lehrers Herbert Geyer. Grundlage bildete die von Paul Apitzsch beschriebene Wandertour von Oelsnitz nach Pirk. In den Jahren 1996/97 überarbeitete die ABS Textil Plauen in einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme den Lehrpfad. Unterstände wurden gebaut. Informationstafeln gaben an ausgewählten Punkten wie Gruben, Halden, Pingen, Restlöchern und Tagebauen Auskunft über den Bergbau um Oelsnitz, Schönbrunn, Bösenbrunn und Pirk zwischen dem 16. Jahrhundert und der Neuzeit. Die zehn Leute, darunter vier Frauen, trugen interessante Fakten aus den Archiven zusammen. Die "Bergordnung zu Oelsnitz, (Schön)Brunn und Lauterbach" anno 1513 spricht für die Bedeutung des Gebiets. Schon 1511 wurde in Oelsnitz ein Bergamt gegründet, das 1674 mit der Auerbacher Bergverwaltung zusammengelegt wurde und noch bis 1830 als Bergamt Voigtsberg bestand.

Mit dem Ende der Sachkostenzuschüsse endete die Verantwortung der Plauener Beschäftigungsgesellschaft für den Lehrpfad. Nachhaltigkeit und Pflege wurden damals nicht bedacht. Weder Stadt noch Landkreis waren zuständig. Einzelne Stationen vermüllten, Wegweiser verschwanden bei Forstarbeiten oder wurden - wie im Gelände des Lauterbacher Steinbruchs - umgefahren. Windbruch ließ Wegabschnitte in Wüstenei enden. Der Lehrpfad wurde zum Irrweg. "Es gab geharnischte Kritik von Wandergruppen. Der Bergbaupfad wurde aus der offiziellen Liste der Lehrpfade gestrichen und spielte keine Rolle mehr", erinnert sich Wolfgang Eschenbach.

Zum Glück hat sich die Orientierung auf den Wegabschnitten inzwischen verbessert. Teilstrecken gehören zum Vogtlandpanoramaweg und wurden neu beschildert. Zwar vom Zahn der Zeit benagt, aber noch lesbar sind die Informationstafeln, jedoch im Text nicht immer eindeutig. Deutlich wird, mit der Bergbaugeschichte hat die Region ein wichtiges Pfund, mit dem sie wuchern kann. Veranstaltungen wie die Mineralienbörse in der Vogtlandhalle verdeutlichen das große Interesse am Thema. "Langsam wird die Bedeutung wieder erkannt", freut sich Eschenbach. "Wir sind mit dem Herzen dabei", versichert der Wanderfreund.

Die Schautafeln des Bergbaulehrpfads sollen inhaltlich aufgearbeitet werden, der Streckenverlauf wird gestrafft und als "Rundweg mit wenig Abzweigungen" ausgewiesen, berichtet Michael Degenkolb über die Ergebnisse erster Beratungen. "Der Lauterbacher Steinbruch wird definitiv aus der Wegführung rausfallen", erklärt er. Es handle sich um Privatgelände mit Lkw-Verkehr und entsprechenden Gefahren für Wanderer. Zudem, die Plattform mit dem beeindruckenden Blick über das mächtige Becken existiert nicht mehr. Beginnen soll der Pfad auf der Höhe des Lauterbacher Sportplatzes und über die Höhe mit der Ludwig Fundgrube, einem ehemaligen Eisenbergwerk, nach Schönbrunn und Planschwitz führen. In Pirk wird über zwei Möglichkeiten der Wegeführung nachgedacht. Der Schneewinter hat der Streckenbegehung eine Zwangspause auferlegt.

Nach dem Vorbild des Mühlentaler Knollensteigs will auch die Oelsnitzer Stadtmarketing- und Tourismus GmbH über Fördermittel den Bergbaulehrpfad neu gestalten. Wer ist künftig für Pflege und Unterhaltung zuständig? Die offenen Fragen sollen im Laufe des Jahres geklärt werden, sagt Corina Müller vom Sachgebiet Grünflächen.  R. W.