Nach den Hamsterkäufen im Supermarkt kommt der Lerneffekt

Verkäufer und Verkäuferinnen machen derzeit einen harten Job. Die Leute hamstern wie verrückt und das Personal kommt kaum nach mit dem Regaleauffüllen. Und manchmal wird der Ton auch rauer.

Ronny Kadelke, Edeka-Marktbetreiber in Falkenstein, Auerbach und Bergen will deeskalieren. Er glaubt, mit der Erfahrung der letzten Tage, an das Gute im Menschen. Und im Kunden sowieso. "Wir gehen den konstruktiven Weg. Unser Credo heißt: freundlich und zuvorkommend sein."
In seinen Märkten gebe es auch keine Restriktionen und keine Mengenvorgaben. Vielleicht kaufe der eine oder andere Kunde noch für den Nachbarn ein und packe vier Konserven in den Wagen oder zwei Pack Klopapier. Wer will einem Kunden das verbieten? Apropos Toilettenpapier: In seinen Filialen gebe es noch genug. "Wer die Zeiten gut beobachtet, baut vor als Marktleiter. Der frühe Vogel...", sagt Kadelke, der scheinbar auch nach den letzten anstrengenden Tagen den Humor behalten hat. Dabei beobachte Kadelke die Veränderung des Geschehens seit der vorigen Woche. Zwischen voriger Woche und diesem Mittwoch hamsterten die Leute wie verrückt Klopapier, Küchenrollen, Brotbackmischungen, Konserven, Nudeln, Fertigprodukte. Inzwischen ist von allem wieder da, etwas mau sieht es bei den Backmischungen aus. Und Desinfektionsmittel ist hoffnungslos vergriffen. Das wird es auch die nächsten Wochen nicht geben.
Seit Donnerstag hat sich das Einkaufsverhalten geändert. Die Leute kauften nicht mehr so viel, kommen dafür öfter. "Die Leute werden von Tag zu Tag sensibler. Es setzt ein Lerneffekt im Umgang mit Corona ein. Viele Kunden achten auf genügend Abstand zueinander", hat der Marktbetreiber beobachtet. In Sachen Mangelware will Kadelke beruhigen. Von zehn Sorten eines Produktes seien immer acht da.
Trotzdem stößt das Personal ab und an auf Kunden ohne Verständnis. Als Kadelke die Abstandsstreifen auf dem Boden vor den Theken und Kassen aufklebte, habe es schon einige dumme Kommentare gegeben. Je mehr das Land auf verschärfte Maßnahmen und eine Ausgangssperre zusteuert, um so vorsichtiger agieren die Händler. Vor seinen Kassen schützen Plexiglasscheiben die Verkäufer vor zu viel Kundenkontakt. Ähnlich hält es eine Apotheke in Rodewisch, die zudem noch getrennte Eingänge für kommende und gehende Kunden schaffte. Auch die Öffnungszeiten schrumpfen. Ein Optiker aus Auerbach sperrt am heutigen Samstag gar nicht erst auf, und unter der Woche schließt das Geschäft schon 14 Uhr. Kadelke will seine Märkte am Sonntag geschlossen halten, obwohl er öffnen dürfte. Das könne er seinen Mitarbeitern nicht antun, von denen viele Frauen sind und auch kleine Kinder haben. Auch wenn der Beruf des Verkäufers derzeit als systemrelavant eingestuft ist, und deren Kinder in der Kita notbetreut werden, ist jede Art Kinderbetreuung längst nicht geklärt. Mit variablen Dienst- und Schichtzeiten will Ronny Kadelke erreichen, dass die Mitarbeiter Beruf und Privatleben unter einen Hut bekommen. Von Edeka bekommen übrigens rund 40 ältere Leute Lebensmittel ins Haus geliefert. Der Lieferservice sei kostenlos.
Wenn es zu einer Ausgangssperre kommen wird, dann weiß Kadelke schon etwa, wie sein Markt aussehen wird. Ein befreundetet Marktleiter aus dem Kreis Mitterteich in Bayern berichtet von einem "Geistermarkt". Kadelke: "Die Kunden bleiben zu Hause. Der Markt ist fast leer".