Nach dem Abi erst mal reisen und jobben

Cara Ullmann und Judith Zeidler sind zwei von drei Schülerinnen, die am Julius-Mosen-GymnasiumOelsnitz ihr Abi mit Bestnote 1,0 gebaut haben.

Von Renate Wöllner

Mit 855 von 900 Punkten liegt ihr Ergebnis rechnerisch sogar unter 1,0. "Ich war keine extrem fleißige Schülerin. Allerdings habe ich gelernt, mir einen strengen Plan bezüglich meiner Prioritäten zu setzen", reflektiert Cara. So hatte sie alle Hausaufgaben möglichst zeitig gemacht, wusste, wann, welche wie wichtige Arbeit anstand und hatte Lernpläne aufgestellt. In der Schule habe sie stets mitgearbeitet. Eine unterhaltsame Sitznachbarin war sie nicht, sagt Cara von sich selbst. "Viel in der Schule, wenig zu Hause, das war mein Motto." Eine Streberin wollte sie nie sein, dafür ihre Jugendzeit genießen. Anderen zu helfen, das habe ihr geholfen. So hat sich Cara vor Klausuren mit einigen Freunden hingesetzt und versucht, Nachhilfe zu geben. Für sie übte jedes Schulfach eine gewisse Faszination aus, so dass sie keine Fächer abwählte. Als Leistungsfachkombination wählte sie Mathe und Chemie. Begeistert von den Naturwissenschaften, absolvierte Cara ein Praktikum bei Bayer in Berlin und nahm an Chemiewettbewerben der BA Glauchau und der TU Chemnitz teil. Voriges Jahr sogar an einem einwöchigen Schülerkolleg an der Bergakademie Freiberg.
"Meine Begeisterung für Mathe ist genetisch bedingt. Meine Oma ist Mathelehrerin und glücklich hat sie meine Teilnahme am Känguruwettbewerb oder dem Adam-Ries-Wettbewerb unterstützt." Bei der Matheolympiade belegte Cara dieses Jahr den ersten Platz. Neben der Schule spielt die Oelsnitzerin Querflöte in der Adorfer Musikschule und im Schulorchester, der Mosens Brass Band. Cara schreibt für die Schülerzeitung und ist Badmintonspielerin im 1. BC Adorf. . Ansonsten trifft sich Cara gern mit Freunden, liest viel, feiert, tanzt, bäckt und reist gern. Sofort studieren will Cara ab Herbst nicht, da sie sich für keine Richtung entscheiden kann. Kommendes Jahr arbeitet und reist sie in Drei-Monats-Schritten im Wechsel. Zusätzlich sind  Praktika in den Bereichen Psychologie, Pharmazie, Lehramt und den MINT-Fächern geplant, um die Studiumsuche zu unterstützten.
Meine Familie hat mich super unterstützt und mir nie Druck gemacht. Meistens habe ich mir den eher selber noch gemacht und sie mussten das dann ertragen. Sie - das sind Mum, Dad und die 15-jährige Schwester, die das Markneukirchener Gymnasium besucht". Auch die Großeltern seien immer für sie da gewesen - mal mit Schokolade, mal mit Wissen. Dank ihrer Familie, sei sie zu einem hinterfragenden, strebsamen und hoffentlich freundlichen Menschen geworden. "Als geborene Berlinerin musste ich mir vor allem die Freundlichkeit und ein paar vogtländische Grundregeln antrainieren."
Und noch ein Wort zur Corona-Zeit: "Die Schulschließung hatte glücklicherweise keine weitreichenden Folgen für meine Abiturvorbereitung. Den Lehrplan hatten wir dank guter Vorarbeit durchgearbeitet." Schade findet Cara, dass Mottowoche und Abiparty ausfielen.
Ganz anders bei Judith Zeidler. Die Corona-Zeit hat bei ihr dazu geführt, dass sie sich unsicher in ihrer Vorbereitung auf das Abi gefühlt hatte. Dann aber erreichte sie 848 von 900 Punkten. "Die Konsultationen über Skype waren ungewohnt. Das hat dazu geführt, dass ich mich sehr unsicher und eher schlecht vorbereitet gefühlt habe. Ich habe wenig Schwierigkeiten, mich selbstständig zum Lernen zu motivieren. Trotzdem war es eine schwierige Situation, da bis zum Schluss unklar war, ob überhaupt normale Prüfungen stattfinden können." Für die schriftlichen Prüfungen - Deutsch und Bio (Leistungskurs), und Mathe-Grundkurs wandte Judith eine bestimmte Lernmethode an: "Ich habe mir Lose gebastelt, immer eins für eine überschaubare Menge an Lernstoff. Dann habe ich jeden Tag ein paar Lose gezogen und die Themen dann so lange gelernt, bis ich es konnte.." Ihre Ergebnisse hält Judith für eine Mischung aus Glück und einer ordentlichen Portion Ehrgeiz. Judith interessiert sich sehr für Tiere und Natur, weshalb sie Biologie immer besonders mochte und das auch als Leistungskurs gewählt hatte - so wie Deutsch und Englisch. Die Oelsnitzerin liest gern und viel - ab und zu auch englischsprachige Bücher - und schreibt Texte aller Art. Judith spielt Volleyball und Klavier und reitet. Im Sommer verbringt sie viel Zeit im und am Wasser. Außerdem hält Judith mit Fischen, Kaninchen und einer Katze einen halben Zoo zu Hause.
"Nach dem Abi wollte ich ursprünglich erst mal arbeiten und reisen - am liebsten nach Australien, aber wegen Corona geht das jetzt nicht. Ich weiß noch nicht, ob ich Humanmedizin oder Tiermedizin studieren will."
Die Patchwork-Familie mit vier kleinen Schwestern ist verteilt auf zwei Haushalte. Judith wohnt bei ihrem Vater mit den beiden Jüngsten. "Vor allem im Lockdown habe ich die meiste Zeit bei meinem Freund verbracht. Da konnte ich in Ruhe lernen."