Nach 20 Jahren fällt letzte Starterklappe

Der 20. Städtelauf von Plauen nach Hof, der genau auf den 50. Jahrestag des Mauerbaus fällt, wird der letzte sein. Die Cheforganisatoren Marion und Dieter Thoß wollen trotz eines weinenden Auges aufhören - und Nachfolger sind nicht in Sicht.

Plauen - "Mir ist schon etwas mulmig", gesteht Marion Thoß, die gemeinsam mit ihrem Mann Dieter seit gut zehn Jahren diesen besonderen Lauf zwischen zwei Partnerstädten, die einst durch den Eisernen Vorhang getrennt waren, bis ins Detail vorbereitet und die vielfältigen Aufgaben koordiniert haben. "Bereits von Anfang an sind wir bei der Organisation dabei. Doch einmal muss Schluss sein. Und dafür bietet sich der Jubiläumslauf doch bestens an. Auch wegen seines historischen Datums am 13. August, genau zum 50. Jahrestag des Mauerbaus. Mehr als 20 Jahre lang haben wir mit dem Städtelauf unseren Beitrag dazu geleistet, die Mauer in den Köpfen abzubauen", fügte Dieter Thoß hinzu. Der 70-Jährige ist bislang alle 19 Läufe mitgelaufen und will auch am Samstag zumindest die halbe Distanz über 16,5 Kilometer unter die Füße nehmen. "Ich muss ja vor den Läufern die 33 Kilometer Strecke im Ziel sein, um die Technik aufzubauen", sagt er wie zur Entschuldigung.

Sportliche Familie

Dabei sieht man seinem drahtigen Körper die sportliche Leidenschaft an. Vor 40 Jahren habe der Elektromeister die Liebe zum Laufen entdeckt. Gesundheitsprobleme hätten den Anstoß gegeben. 64 Marathons hat er inzwischen europaweit absolviert, darunter auch acht Mal den Junggfraumarathon in der Schweiz, bei dem fast 2000 Höhenmeter zu überwinden sind. "Ich laufe aus Spaß und nicht, um unbedingt zu gewinnen", sagte Dieter Thoß. "Und das ist auch der Sinn des Städtelaufes, dessen Motto lautet: Nicht gegeneinander - miteinander laufen". Bis zu ihrer Operation 2001 ist auch Marion Thoß mit ihrem Mann gelaufen. "Nun trainiere ich 107 Aerobic-Frauen bei unserem Verein TSV Olympia Plauen", erzählt die 59-Jährige. Komplett ist die sportliche Familie mit Roy, der ASV-Ringer trainiert. Mit ihm und seiner Partnerin Christine Hausmann haben die beiden auch tatkräftige Unterstützung im Städtelauf-Helferteam gefunden.

174 Läufer sind Rekord

Für den diesjährigen 20. und damit letzten Städtelauf Plauen-Hof haben sich bislang schon 123 Teilnehmer angemeldet. "Mehr als 170 können es nicht sein, weil sonst die Gruppen unter je einem Führungsläufer zu groß würden. Wir wollen ja, dass die Teilnehmer innerhalb einer Gruppe auch gemeinsam ins Ziel am Hofer Eisteich einlaufen", erklärt Marion Thoß. "Die Logistik rund um den Lauf ist immer eine große Herausforderung, denken wir nur an die sechs ?wandernden? Verpflegungsstellen. Da wird ein festes und zuverlässiges Team gebraucht. 62 Helfer sind seit Jahren dabei und garantieren eine reibungslose Versorgung und Betreuung unserer Sportler. Waren 1993 noch 40 Teilnehmer am Start, so wurde der bisherige Rekord mit 174 Läufern beim 10. Städtelauf erreicht. Voriges Jahr sind trotz schlechten Wetters noch immer 147 Läufer mitgerannt", blickt die Cheforganisatorin zurück. 

Nach dem Lauf ist vor dem Lauf - und so steckt Ehepaar Thoß bislang fast zwölf Monate in die Vorbereitung. Dieter Thoß kreiert die Flyer und Aufdrucke für die Erinnerungs-T-Shirts, fertigt die Urkunden, kümmert sich um die Tontechnik - und läuft auch die Strecke zusammen mit den anderen Führungsläufern ab. 13 solche Läufer begleiten auf der Strecke, damit die Teilnehmer sicher ankommen. Immer bestrebt ein Tempo zu finden, "bei dem man sich ohne japsen noch unterhalten kann". Ein so genannter Besenmann schließt das Läuferfeld ab - als letzter Mann auf einem Fahrrad.

Jeder Handgriff wird am Donnerstag und Freitag gebraucht. "Am Donnerstag holen wir von unserem langjährigen Partner Semmelrath in Hof die Transportfahrzeuge. Am Freitag Bänke, Tische und Getränke von der Sternquell Brauerei. Dann wird alles eingeladen - auch Bananen und Riegel - und am Samstag an die Verpflegungspunkte gebracht. Am Montag müssen Bänke, Tische, Leergut wieder weggebracht, die Autos wieder nach Hof geschafft werden. Und dann schnaufen wir alle zusammen erst einmal durch", lacht Marion Thoß. "Nur gut, dass wir uns blind allesamt aufeinander verlassen können und von den Partnern super unterstützt werden. Das ist auch der Grund, weshalb der Abschied nicht leicht fällt und gewiss Tränen fließen werden", sagt sie. Doch Ehemann Dieter tröstet: "Dafür können wir nach 20 Jahren auch mal im August Urlaub machen." Nach dem ersten Lauf am 13. Mai 1990 und drei Jahren Pause ging der zweite Lauf am 5. September 1993 über die Bühne. Ein Jahr später schon war ein Augustwochenende für die Lauffreunde reserviert. 1995 übrigens fand er das letzte Mal an einem 13. August statt.

Friedenlauf gab Anstoß

Die Idee zu dem Städtelauf wurde 1990 geboren. Der Extrem-Langstreckenläufer Heinz Estrak aus Wien startete am 4. Februar 1990 einen Lauf für den Frieden vom damaligen Unruheherd Timisoara (Rumänien) über Ungarn, Österreich und die Bundesrepublik nach Plauen. Ab Grenzübergang Blosenberg wurde er von den drei Langstreckenläufern Jürgen Lösche, Steffen Scheitig und Dieter Thoß begleitet. Gemeinsam mit drei weiteren Läufern, die sich unterwegs einreihten, und Heinz Estrak erreichten sie am Samstag, 17. Februar, gegen 16 Uhr zur Zeit der Plauener Demo das Plauener Rathaus und wurden von Tausenden mit stürmischem Beifall begrüßt.

"Beeindruckt vom Friedens-Lauf von Heinz Estrak kam der Gedanke auf, einen Lauf mit einem ebenso verbindenden Charakter ins Leben zu rufen. Bei den Plauener Vereinen fehlte es aber an personellen und materiellen Möglichkeiten. So wurde vom IfL Hof am 13. Mai 1990 mit Unterstützung der LG Olympia Plauen ein Lauf von Hof nach Plauen organisiert. Eigentlich sollte im jährlichen Wechsel ein Lauf zwischen beiden Partnerstädten stattfinden. Doch erst drei Jahre später nach der Neuformierung des Vereins als TSV Olympia Plauen zum Mehrspartenverein und damit mehr Mitgliedern waren die Voraussetzungen gegeben. Der vergangenes Jahr gestorbene damalige Vereinsvorsitzende Günter Trete wählte die landschaftlich reizvolle aber auch im Vogtland anspruchsvollste Laufstrecke über 33 Kilometer aus. Zusammen mit den Plauener Wanderfreunden fand am 5. September 1993 der erste Städtelauf von Plauen nach Hof auf dieser Strecke statt, die seitdem unverändert blieb", erläutert Dieter Thoß die Anfänge.

Landschaftlich reizvoll

Vom Concordia-Sportplatz geht es übers Schwarze Holz, Kürbitz, Butterweg, Burgstein - hier gesellen sich die 16,5-Kilometer-Läufer dazu - nach Ulitz und schließlich bis Hof. Am Ziel in Hof werden die Läufer vom Schwimmverein Hof zum gemeinsamen Ausklang am Eisteich willkommen geheißen. "In all den 20 Jahren hatten wir keinen Unfall bei dem Städtelauf - und das soll auch beim 20. so bleiben", wünscht sich Marion Thoß. Episoden gibt es hingegen eine Menge: Im vergangenen Jahr, als ein Unwetter die Fahrpläne der Bahn durcheinander wirbelte, war ein langjähriger Teilnehmer aus Hamburg, weil er den Start in Plauen verpasste, den Läufern allein hinterhergerannt.

Geehrt werden ältester und jüngster Teilnehmer, der am weitesten angereiste, die stärksten Vereins- und Firmengruppen sowie Geburtstagskinder. Marion Thoß hat sie alle im Blick. Zu den bislang beiden Jüngsten - mit 15 Jahren darf man mitlaufen - gehört beim Start zum 20. und damit letzten Städtelauf Plauen-Hof auch ihr Enkel Werner.