Mythengestalten bevölkern alle Etagen

Auerbach - Die Auerbacher Künstlerin Birgit Kraneiß ist immer für eine Überraschung gut. Das liegt an ihrer Vielseitigkeit gepaart mit außergewöhnlicher Fantasie. An ihrer fantastischen Welt voll von märchen- und mythenhaften Gestalten lässt sie uns Vogtländer seit Dienstag teilhaben.

 

Denn all die farbenprächtigen Geschöpfe ihrer Gedankenwelt - sei es als Collage, Zeichnung oder als handgefertigte Puppe - bevölkern noch bis 11. Juni sämtliche Etagen der Vogtland-Sparkasse in Auerbach unter dem Titel "Vom Fischer unn synn Fru".

Ein Kieselstein ist für Birgit Kraneiß nicht einfach ein Kieselstein, und eine Glasscherbe nicht nur eine Glasscherbe. Alltagsgegenstände, Weggeworfenes, nicht mehr Beachtetes gibt Birgit Kraneiß eine neue Bestimmung. Aus Steinen, Scherben, Glas-, Porzellanteilchen oder Stofffetzchen entstehen neue künstlerische Welten. Vorzugsweise als Collage. Einer Reihe von Bibliotheken ausgemusterten für den Bücherfriedhof gestapelten Büchern verleiht sie ein zweites Leben. Die großen Kalenderblätter - allesamt Kunstdrucke von August Macke - hat sie vermengt aus Bilderschnipseln dieser Bücher. Da finden sich griechische Götterskulpturen auf einer Macke-Landschaft, ein Esel samt Reiter vor Mackeschen Torbögen und Arkaden wieder.

Die großformatigen Collagen tragen dann Titel wie "Die schöne Helena bittet Neptun um seinen Segen für ihren Liebsten, der Fischer ist", "Esel streck dich" oder "Die kleine Vogelstimmerin". Vielseitigkeit ist Birgit Kraneiß" Markenzeichen. Vor zig Jahren machte die gebürtige Wismarerin und gelernte Meißner Porzellanmalerin mit Seidenmalerei auf sich aufmerksam, inzwischen ist sie zu Hause in vielen grafischen Techniken, in der Zeichnung ebenso wie der Collage.

Die künstlerische Multi-Frau bemalt Straußeneier genau wie Urnen und Särge, erzählt Geschichten, spielt mit ihren wundersamen selbstgebauten Puppen Theater, ja trat gar als Bauchtänzerin aus 1001 Nacht auf. Längst hat sich Birgit Kraneiß von dem Druck, etwas Tiefgründiges mit ihren Arbeiten sagen zu wollen, befreit. "Etwas nur zum Spaß machen zu wollen, dazu muss man stehen", sagt sie. Schön ist eben, was gefällt - aus dem Auge des Betrachters. Dem gefällt beim Rundgang durch die Sparkasse wohl vieles. Staunend bleibt er vor dem Märchenzyklus stehen, in dem tapfere Recken sich dem Teufel zum Kampfe stellen und durch eine pastellene Landschaft mit von Türmchen und Zinnen gekrönten Schlössern reitet.

"Die Schöne Malinka und der Nachtreiher" verzaubern ebenso wie das Bildnis einer geheimnisvollen Muslimin und das von Katinka, welche die Züge ihrer Töchter Nathalie und Olivia tragen. Auch die der Künstlerin selbst begegnen einem immer wieder in Porträts in großzügigen Formaten. Sei es als stolze Fürstin oder als russische Dame mit schwermütigem Blick. Gestern lässt sich Birgit Kraneiß von der russischen Seele und Puschkin-Gedichten inspirieren, heute vom klaren Hellas, morgen von der orientalischen Welt.

Die Welten von Birgit Kraneiß kennen keine Grenzen, fließen vom Märchen in die Wirklichkeit, von Gestern ins Heute und Morgen. Immer wieder aber kehrt sie in ihre Ostsee-Heimat zurück - zahlreiche maritime Darstellungen, vom Meer über die Möwe bis hin zum "Fischer unn synn Fru" gehören zu ihr, der "fischköppischen Künsterin", wie sie sich selbst nennt. Manchmal will Birgit Kraneiß aber auch nur eine Amaryllis sein, die bei Wismar, im feinen Sandstrand gesteckt, zwischen Quallen und Seetang aufwuchs, und nun, verpflanzt ins Vogtland, bei liebevoller Pflege auch dort erblüht und noch lange mit kunstvollen Blüten überraschen wird. Ein Versprechen, das die Künstlerin ihren Vogtländern in der Sprache einer Collage gibt.

 Die Ausstellung ist der Öffentlichkeit zugänglich noch bis 11. Juni, Montag und Freitag von 8.30 bis 15 Uhr, Dienstag und Donnerstag von 830 bis 18 Uhr und Mittwoch von 8.30 bis 12.30 Uhr.  gl