Mylauer Verein mit Wasseruhr angezählt

Das Wasser steht dem Förderverein Freibad Mylau bis zum Hals. Und das, obwohl sich in den Becken derzeit gar kein Wasser befindet.

Mylau - Doch gerade das Wasser ist der Stein des Anstoßes. Es fließt nämlich seit Eröffnung des idyllisch gelegenen Bades im Jahr 1895 und damit seit nunmehr 117 Jahren aus einem Bächlein im Walde. Die Badebecken sind dabei eigentlich nur Zwischenstation, denn so, wie das kühle Nass auf der einen Seite zufließt, so läuft es am anderen Ende des Beckens wieder hinaus und auf direktem Weg in die Göltzsch. "Wäre das Freibad nicht", erklärt Wolfgang Meyer, der Vorsitzende des Badvereins, "dann würde das Bachwasser eben gleich in die Göltzsch gelangen."

Das sieht die Untere Wasserbehörde allerdings anders. Diese teilte dem Verein als Betreiber des Bades vor zwei Wochen in einem Schreiben mit, dass das Naturwasser illegal entnommen werde und künftig bezahlt werden müsse. Damit kommen auf den Verein laut Meyer Kosten von etwa 5000 Euro zu. "Wir müssen ein großes Loch bohren, einen Schacht mauern und eine Wasseruhr einbauen", erklärt der Vorsitzende. Und damit nicht genug, denn die Wasseruhr müsste von einem Fachmann immer im Frühjahr ein- und im Herbst wieder ausgebaut werden. Ein unverhältnismäßig großer technischer Aufwand, gegen den sich die engagierten Vereinsmitglieder zu wehren versuchen.

Deshalb habe man der Behörde vorgeschlagen, die Menge des zulaufenden Wassers ein Jahr lang zu messen und auf dieser Grundlage eine Pauschale für die nächsten Jahre zu ermitteln. Schließlich ist die Beckengröße von 2500 Kubikmetern ja bekannt. Das Ansinnen wurde von Amts wegen aber abgelehnt. Man hat dem Verein lediglich eine Galgenfrist bis zum nächsten Jahr eingeräumt, weil heuer mit der Umverlegung des Badeingangs hin zur neuen Rad- und Wanderbrücke über die Göltzsch und dem dadurch notwendigen Bau eines neuen Kassenhäuschens die Mittel bereits erschöpft sind. "Wir wehren uns nicht gegen die Bezahlung des Wassers an sich", stellt Wolfgang Meyer abschließend noch einmal fest. Schließlich handele es sich um Oberflächenwasser und das sei doch wesentlich billiger als Trinkwasser.

Aber die Auflagen empfänden die Vereinsmitglieder doch ein wenig als Schikane. Vor allem, weil sie nicht wissen, was den Behörden in Zukunft noch alles einfallen wird. Schließlich besteht der Förderverein aus einer Reihe engagierter Leute, die ihre Freizeit opfern, um das Freibad Mylau auch künftig für Badefreunde offen zu halten, nachdem die Stadt es längst aufgegeben hatte. Dass Freibadwasser aus natürlichen Quellen entnommen wird, ist in der Gegend durchaus üblich. Das Reichenbacher Freibad wird beispielsweise aus dem Sankt-Georg- Stollen gespeist. Laut Stadtsprecherin Heike Kessler habe Reichenbach die Wasserrechte dafür bereits vor Jahren von der Oberen Wasserbehörde in Chemnitz erworben. Darüber liege ein so genannter wasserrechtlicher Bescheid vor. Allerdings müsse das Wasser trotzdem bezahlt werden. Bis 2007 geschah dies aufgrund von Schätzungen. Bei der umfangreichen Sanierung hat man dann zwei Wasseruhren eingebaut, die auch im Winter an ihrem Standort bleiben können. ina