"MyBoshi" erobert Deutschland

Konradsreuth - Die "unglaubliche Gründer-Idee" zweier Studenten aus der Region entwickelt sich zur Erfolgsgeschichte. Die handgefertigten "MyBoshi"-Mützen finden immer mehr Abnehmer in ganz Deutschland.

 

Die beiden Jungunternehmer konnten sich in den vergangenen Monaten kaum retten vor Presse-Anfragen. Radio- und Fernsehsender, Klatsch- und Boulevard-Blätter sowie seriöse Tageszeitungen und Magazine wollten über "die unglaubliche Gründer-Idee" und die Tatsache berichten, dass zwei Männer im Alter von 26 und 25 Jahren mit der Häkel-Nadel auf dem bundesdeutschen Textilmarkt ein neues Tor aufgestoßen haben. "MyBoshi" heißt das Produkt, das die Existenzgründer Thomas Jaenisch und Felix Rohland erfunden haben und das mittlerweile Tausende meist junge Menschen im Lande als "Körperschmuck" und Kälteschutz tragen, ganz nach dem Firmen-Motto: "Jedem Kopf sein Deckel."

Initialzündung in Japan

"Boshi" ist die japanische Bezeichnung für "Mütze", und "My" erklärt sich von selbst, steht für "mein eigenes", für den individualistischen Aspekt des Produkts. Thomas Jaenisch und Felix Rohland - Ersterer studiert noch an der Bergakademie Freiberg Wirtschaftsingenieurwesen, sein Partner hat in diesem Jahr das Studium fürs Realschul-Lehramt in Bayreuth abgeschlossen - hatten sich Anfang vorigen Jahres bei einem Skilehrer-Austausch in Japan von einer spanischen Skilehrerin in die Kunst des Häkelns einweisen lassen. "Wir häkelten sozusagen aus Langeweile Mützen für den Eigengebrauch", erzählt Thomas Jaenisch. "In Tokio sprachen uns dann auf der Straße zwei Australier an, die wissen wollten, woher wir die tollen Mützen haben. Sie waren begeistert von den handgefertigten Kopfbedeckungen und kauften sie uns an Ort und Stelle ab. Nach diesem Erlebnis beschlossen wir, eine Firma zu gründen und die Mützen in Serie herzustellen."

Zehn Häkel-Omis im Boot

Anfangs, kurz nach der Gründung einer Gesellschaft bürgerlichen Rechts im März 2009, häkelten Jaenisch und Rohland einen Großteil ihrer Mützen noch selbst. "Wir verkauften sie an Freunde und Bekannte, dann an Freundesfreunde und deren Freunde in unserer Heimat-Region", erzählt Jaenisch. Als die beiden Häkel-Meister aber mit dem Produzieren nicht mehr nachkamen, holten sie immer mehr "Häkel-Omis" als Mitarbeiterinnen ins Boot. Mittlerweile arbeiten zehn Damen (meist reiferer Jahrgänge) in ganz Oberfranken für "MyBoshi".

"Wir sind mit unseren Häkel-Omis zufrieden", freut sich Jaenisch, "und es macht Spaß, mit ihnen zusammenzuarbeiten, schon deshalb, weil sie uns nicht nur Qualitätsprodukte zaubern, sondern uns auch die eine oder andere Lebensweisheit gratis dazu liefern."

Die beiden Firmengründer räumen ein, dass sie sich wegen der großen Nachfrage schon mit dem Gedanken getragen hätten, ihre Mützen auch in China fertigen zu lassen. Doch davon sei man wieder abgekommen. "Wir haben erkannt", sagt Felix Rohland, "dass man in Fernost wenig vom Häkeln versteht, dass die Lieferzeiten zu lange ausfallen und dass - vor allem in China - die Qualität nicht stimmt. Deshalb bleiben wir dabei: Jede unserer Mützen, die zu 30 Prozent aus Schurwolle und zu 70 Prozent aus Acrylfasern besteht, ist ein Unikat, ein handgefertigtes Produkt ,Made in Germany?, aus der Textilhochburg Oberfranken."

Zu den Hauptabnehmern der "Boshis" gehören in erster Linie sport- und naturbegeisterte Menschen, wie Thomas Jaenisch verrät. "Vor allem Snowboarder und Skifahrer, Biker und Kletterer und viele andere, die in der Natur unterwegs sind, tragen die Boshis, weil diese ähnliche Eigenschaften wie Wollmützen haben: Sie sind weich, bequem und wärmend, sind robust und pflegeleicht."

Als besonderen Clou bieten die findigen Existenzgründer aus Hochfranken auf ihrer Internet-Seite einen Konfigurator an: Mit diesem Programm können sich Kunden ihre Mütze individuell zusammenstellen, kann jeder sein eigener Mode-Designer werden und eine Mütze nach seinem Geschmack entwerfen und bestellen, mit oder ohne Bommel, mit Käppi-Ansatz oder einfach rund, knallig bunt oder naturfarben, erdfarben oder pink, mit breiten oder mit schmalen Farbstreifen. "Mit seiner maßgeschneiderten Boshi - die wir in zwei Größen herstellen und in einer originellen Design-Dose verschicken - zeigt der Träger, welcher Charakterkopf darunter steckt", sagt Thomas Jaenisch schmunzelnd.

Vertrieb übers Internet

Mittlerweile verkaufen die beiden Häkel-Pioniere fünf bis fünfzehn Mützen pro Tag, wie Rohland verrät, "mit steigender Tendenz". Der Vertrieb läuft hauptsächlich übers Internet, aber auch über "real existierende" Verkaufsstellen in Karlsruhe, Bochum, Helmbrechts, Essen und Hof. Auch in Österreich gibt es schon zwei Geschäfte, die Boshis aus Hochfranken im Angebot haben. "Wir freuen uns schon auf die heiße Zeit, wenn?s richtig kalt wird", sagt Thomas Jaenisch. "Winter und Weihnachten sind Boshi-Zeit."    Roland Rischawy