Musikalische Waldhorn-Brüder

24 Schneeflöckchen aus der Drechslerei Kuhnert Rothenkirchen verbergen sich hinter den Türchen unseres Adventskalenders. Alle erzählen eine Geschichte. Schneeflöckchen besuchte diesmal die musikalischen Winkel-Brüder.

Bad Elster - Sie wohnen im vogtländischen Musikwinkel, heißen namentlich Winkel und machen Musik: Die beiden Elsteraner Brüder Jonas und Lukas Winkel erinnern sich gerne an ihren ersten gemeinsamen Erfolg als Waldhornduo beim Preisträgerkonzert des Regionalwettbewerbs von "Jugend musiziert", bei dem sie im Februar 2011 den 2. Platz belegten. "Der vogtländische Musikwinkel lebt" hatte dazu eine Zeitung über sie geschrieben. "Ob das so gewollt war, unser Hobby, die Musik und unseren Familiennamen Winkel mit unserer Heimat, dem "Musikwinkel", zu assoziieren, weiß ich bis heute nicht", meint der 25-jährige Lukas. "Vielleicht hätten wir damals einen Sponsorenvertrag als Markenbotschafter mit der hiesigen Musikindustrie abschließen sollen, denn wir waren und sind immer noch sehr viel unterwegs", fügt er schmunzelnd an. "Auf alle Fälle war das der Start in ein sehr erfolgreiches Jahr für uns als Waldhornduo", erinnert sich Jonas, sein 5 Jahre jüngerer Bruder. Fest steht: Tatsächlich haben beide Musik im Blut. Zur Musik gekommen sind die Elsteraner schon früh durch ihre Mutter. Sie singt im Kirchenchor und spielt Blockflöte. So blieb nicht aus, dass Lukas und Jonas schon als Kinder an das Singen und Musizieren herangeführt wurden. "Wir waren noch im Vorschulalter, als uns unsere Mutter bei Kantor Michael Schmidt in der Kurende und zum Blockflötenunterricht angemeldet hat", blicken die Musikanten auf den Beginn  ihrer musikalischen Laufbahn zurück. Ihr Interesse und die Liebe zur Musik wuchs. "Vielleicht prägte uns auch gerade diese Zeit, dass wir bis heute am liebsten im Ensemble musizieren", vermuten Lukas und Jonas. Besonders geschätzt wurde das vor allem Lehrerinnen und Lehrer des Gymnasiums Markneukirchen beim "Klassenmusizieren" und bei den Musicalproduktionen, bei denen sie auch ihr Schauspiel- und Gesangstalent unter Beweis stellten. Jeweils ab der dritten Klasse hatten beide begonnen, Waldhorn zu spielen. Das lag wohl daran, das väterlicherseits dieses Instrument eine Hauptrolle spielt. "Wenn der Vater, 2 Tanten, 2 Onkels und auch der Opa Waldhorn blasen, blieb uns letztendlich nichts weiter übrig, als diese Tradition fortzusetzen", macht Lukas mit Augenzwinkern aufmerksam.
Natürlich wird auch in der Familie gemeinsam musiziert, nicht nur für den "Hausgebrauch", sondern auch in der Öffentlichkeit. "Gerade in der Advents- und Weihnachtszeit sind wir mit unserem Waldhornensemble "FAMILY BRASS" viel unterwegs, so am 3. Adventswochenende in Nürnberg und Umgebung.
Am 2. Weihnachtsfeiertag kann man uns 16.30 Uhr beim traditionellen Pyramidenkonzert auf dem Badeplatz Bad Elster hören", berichtet Jonas. Er sorgte 2017 mit einem "Geradeaushorn" als Mitglied eines Blechbläserquintetts des Plauner Konservatoriums für Aufmerksamkeit. "Diese besondere Bauform eines Waldhorns versetzte die Jurymitglieder bei den Wettbewerbsvorspielen von ‘Jugend musiziert‘ jedes Mal in Erstaunen", erinnert sich Jonas. "Da wir für die 4. Stimme keinen sonst üblichen Posaunen- oder Tenorhornspieler fanden, hatte mein Vater die Idee, die Klanggebung mit einem Geradeaushorn, das im Besitz seines Cousins ist, zu imitieren", erklärt er. Und es hat sich gelohnt: das Quintett gewann in Paderborn beim Bundeswettbewerb "Jugend musiziert" einen 2. Preis.
Dieses eher seltene Instrument wurde 1982 in einer Kleinstserie in der damaligen "VEB Blechblas- und Signalinstrumentenfabrik" in Markneukirchen gebaut und trägt die Bezeichnung "B-Waldhorn in Trompetenform". Wer wie Lukas und Jonas so gerne Musik macht, könnte eventuell auch auf den Gedanken kommen, das Hobby zum Beruf zu machen. "Nein, Berufsmusiker wäre glaube ich nichts für mich gewesen", sagt Lukas, der an der Hochschule Ansbach den Studiengang Multimediale Information und Kommunikation belegt. Er ist gerade dabei, seine Masterarbeit zum Thema "Mediale Aufwertung des Unterrichts durch den Einsatz von Lehr- und Lernvideos" vorzubereiten.
 Ähnlich sieht es auch Jonas, der an der Hochschule Amberg Medientechnik und Medienproduktion studiert. "Aber, wenn es in Adorf die von unserem Ur-Urgroßvater Robert Piering 1882 gegründete Metallblasinstrumenten-Fabrikation noch gäbe, dann hätten wir die vielleicht übernommen - und in Musik-Winkel-Manufaktur umbenannt", fügt Lukas schmunzelnd an. Steffen Adler