Musikalisch vielfältig wie bunte Herbstblätter

Vier Musikvirtuosen - Günter Sommer, Ralf Stiller, Cornelius Herrmann und Matthias Grünert - waren zu Gast beim Greizer Promi-Talk.

Von Karsten Schaarschmidt

Greiz Musikalisch emotional und stimmungsvoll von melancholisch bis amüsant ausgelassen, präsentierte sich die 291. Folge von "Prominente im Gespräch" in der Greizer Stadtkirche "St. Marien". Damit traf der Titel "Ein musikalischer Herbstabend", den Initiator Harald Seidel gewählt hatte, genau ins Schwarze. Kein Wunder, hatten sich im Gotteshaus doch mit Jazz-Legende Günter "Baby" Sommer, Dresdens Frauenkirchenkantor Matthias Grünert, dem Greizer Kantor Ralf Stiller sowie dem Cellisten Cornelius Herrmann vier Großmeister der Musik versammelt - um den gut 120 Gästen die Hohe Schule der Musik zu Gehör zu bringen.
Aber auch in anderer Hinsicht hielt der Abend Gehaltvolles parat: Der Beginn der Sanierung der Kreutzbach-Jehmlich-Orgel in der Stadtkirche scheint auf der Zielgeraden zu sein. Das berichtete Dr. Olaf Geidel, Orgelbeauftragter der Kirchengemeinde. "Lieber gestern als heute" würde er mit der Restauration beginnen wollen, sagte er und ließ die bisherige Geschichte in Sachen Sanierung Revue passieren. 2015 seien die ersten Schritte gegangen worden. Ziel, damals wie heute: das Instrument so zu reparieren, dass der klangliche Zustand von 1919 wieder hergestellt ist. Es sei eine Ausschreibung erfolgt, bei der die beteiligten Orgelbaufirmen einen Kostenaufwand von zirka 400.000 Euro ermittelt hätten. 2018 schließlich habe die Gemeinde die Zusage vom Land Thüringen erhalten, das 50 Prozent der Kosten über ehemaliges SED-Vermögen finanziert würden, die der Freistaat vom Bund zugewiesen bekommen hatte. Doch das Geld sei nicht geflossen, weil das Landesdenkmalamt das erste Vergabeverfahren bemängelt habe, sodass im Frühjahr dieses Jahres die Sanierung erneut ausgeschrieben werden musste. Mittlerweile sei die Entscheidung für eine Firma gefallen, der Vertrag werde in zwei bis drei Wochen unterschrieben vorliegen, so Geidel. Er hoffe, dass nun die Parallelen zum Flughafen "BER" beendet sind. Und: "Ich hoffe, dass die große alte Dame der Stadtkirche wieder so erklingen wird, wie es ihr würdig ist", schloss der Orgelbeauftragte seine Informationen.
Für diesen Abend erklang die Orgel also noch im unsanierten Zustand. Matthias Grünert umschiffte die Klippen des beagten Instruments jedoch lässig in seiner Virtuosität. Unter anderem mit Johann Sebastian Bachs "Toccata und Fuge d-Moll" und einer Sonate Felix Mendelsohns bewies er, wie gewohnt, sein Können als überragender Organist. Als wahrer Hexenmeister an allen Schlagwerken brillierte ebenso Günter "Baby" Sommer. Am Schlagzeug, der Schlitztrommel und mitunter sogar auf dem Fußboden der Kirche knüpfte er mit viel Spielwitz einen vielschichtigen rhythmischen Klangteppich, dem er mit Gesangslauten und einer Mundharmonika zusätzliche Farbtupfer schenkte. Eine gemeinsam mit Kantor Ralf Stiller am Flügel gespielte Improvisation entwickelte sich zu einem faszinierenden musikalischen Zwiegespräch zwischen den beiden Virtuosen. Stiller präsentierte sich zudem im Duo mit dem nicht minder souverän agierenden Cellisten Cornelius Herrmann. Sie intonierten unter anderem Frederic Chopins "Largo" und Camille Saint-Saëns Werk "Prière" - und zeichneten damit für den getragen-melancholischen Teil verantwortlich. Einer der Höhepunkte des Abends war die gemeinsame Improvisation über das Kirchenliedthema "Nun bitten wir den Heiligen Geist" von allen vier Akteuren. Sommer, Grünert, Stiller und Herrmann parlierten dabei als kongeniale Musiker - und schenkten den Gästen einen musikalischen Hochgenuss.