Musical über "Tramp" Charlie

In einer unterhaltsamen Inszenierung präsentierte im Rahmen einer Europatournee das Ensemble vom Frank Serr Showservice International mit der Aufführung "Chaplin - Das Musical" im König Albert Theater eine e Hommage an einen der größten Komiker der Filmgeschichte des 20. Jahrhunderts.

Von Steffen Adler

Bad Elster Mit viel Musik- und Tanzszenen wurde von den Protagonisten und Tänzern die Geschichte von Charlie Chaplins raschen Aufstieg und seinem späteren Fall in Ungnade dargestellt.
"Jeder Tag, an dem du nicht lächelst, ist ein verlorener Tag", lautet das Motto des Komikers, der am 16. April 1889 in London geboren wurde. Seine Eltern waren beide Künstler an den britischen Music Halls, der Vater Sänger und Entertainer, die Mutter Tänzerin und Sängerin. Er hatte das Talent seiner Eltern geerbt und fühlte sich schon früh von der Bühne angezogen.
"Sieh nur an die vielen Leute" stimmte ein Song auf Chaplin als Stummfilm-Ikone ein. Schon als Kind erfuhr er von seiner Mutter, wie unter der Verkleidung des Menschen so vieles stattfinden kann. Bereits 1894 erhielt Chaplin erstmals die Chance, mit einer Gesangsdarbietung vor Publikum aufzutreten und vier Jahre später wird er als 9-jähriger auf Empfehlung seines Vaters für die Music-Hall-Gruppe "The Eight Lancashire Lads" engagiert. Es folgen weitere Engagements in England und internationale Theater-Tourneen, bevor sich Chaplin nach einem lukrativen Angebot entschließt in die USA zugehen, wo er einen Vertrag bei den Keystone Filmstudios unterschreibt. Dort macht ihm Studiochef Mack Senet klar, dass Theater und Film sehr weit auseinander liegen.
"Ich muss erst ein Motiv für meinen Charakter finden", macht Chaplin ihn bei ersten Probeaufnahmen aufmerksam. Als Senet meint, Chaplin sei nicht komisch und talentiert genug, erfindet Chaplin für sich selbst eine neue Rolle. Ein Paar alte Schuhen, eine übergroße Hose, eine zu kleine Jacke und eine Melone sowie ein falscher Schnurrbart und Stock machen ihn in der Rolle "Tramp" schon bald erfolgreich.
Als der von vielen Frauen umschwärmte Chaplin von seiner Geliebten getäuscht wird, dass sie von ihm schwanger sei, inspiriert ihn das zu der Stummfilm-Tragikomödie "The Kid".
Der Charakter des Landstreichers Tramp wurde in vielen folgenden Filmen weiterentwickelt. Es schlossen sich auch weitere Verpflichtungen bei amerikanischen Filmgesellschaften an und Chaplins Halbbruder Sydney übernimmt sein Management.
Filme wie "The Gold Rush" oder "Lichter der Großstadt" machen ihn populär und ganz Amerika ist von ihm begeistert. Doch als er immer häufiger politische Themen für seine Filme aufgreift ändert sich das. "Was ist, wenn alles zerbricht?" zieht sich ein Song wie ein roter Faden über das Geschehen. Sydney Chaplin versucht Charlie zu überzeugen, seine beim Publikum beliebten komischen Rollen wie den Tramp nicht aufzugeben. "Alle wollen so sein wie er, nur ich nicht", ist Charlie Chaplin überzeugt und meint: "Ich habe sie lange genug zum Lachen gebracht."
Auch macht sich Chaplin in seinem Film "Der große Diktator" über Adolf Hitler zur Zeit des Nationalsozialismus lustig, ahmt ihn nach und sagt: "Der Kerl hat mir meinen Schnurrbart gestohlen".
Als Chaplin auf einer kommunistischen Versammlung spricht, bezichtigt ihn die Kolumnistin Hedda Hopper zu sogenannten "unamerikanischen Umtrieben". 1952 wird Chaplin der Nähe zum Kommunismus verdächtigt, die Einreise in die USA verweigert.
Um seinen zweiten Ehren-Oscar bei einer Verleihung entgegenzunehmen, gewährte man ihm 20 Jahre später ein 10 Tages-Visum für die USA. "Ich vermisse die Zeit wo nicht gesprochen wurde", lässt Autor und Komponist Christopher Curtis seinen Chaplin im Musical klagen.
Charlie Chaplin, der insgesamt vier Mal verheiratet war, wird außerdem von Schauspielerin Joan Barry mit einer Vaterschaftsklage konfrontiert, die seinem Ansehen in der Öffentlichkeit enorm schaden.
Schließlich findet Chaplin Kraft in der erfüllten Liebe zu seiner vierten und letzten Ehefrau Oona O'Neill , der Liebe seines Lebens, mit der er acht gemeinsame Kinder hat. 1973 erhielt Charlie Chaplin seinen ersten "echten" Oscar für die beste Filmmusik zu "Rampenlicht". Der 12-minütige Applaus, den er dafür vom Publikum erhielt, stellt bis heute einen Rekord in der Oscar-Geschichte dar. Viele einfühlsame Songs und Balladen der Hauptakteure sowie glanzvolle Auftritte der Tänzerinnen und Tänzer rückten die vielfältigen persönlichen Eindrücke aus dem Leben von Charlie Chaplin eindrucksvoll ins Rampenlicht.
In das Musical integriert wurden zudem historische Szenen auf einer Leinwand mit Charlie Chaplin. Am Ende spendeten die Zuschauer dem heiteren und dramatischen Musical langen Applaus.