Museen machen munter mit Musik

Markneukirchen - Markneukirchens Musik-Museen machen mit: Am Samstagabend schwärmten viele Besucher in der "Langen Nacht" durch die drei Einrichtungen. Mit Sonderführungen und Musik wurde Sehens- und Hörenswertes geboten.

Im städtischen Musikinstrumenten-Museum zeigte sich Restaurator Frank Fickelscherer-Faßl der Zeit angemessen in Schlafanzug und führte durch die Geschichte der Streich-, Zupf- und Blasinstrumente. Man bekam Wissenswertes zu hören und Kuriositäten zu sehen, so von der Steichholzgeige, die von einem Kriegsgefangenen im Ersten Weltkrieg gebaut wurde, oder von einer Geige im Spazierstock aus dem Jahr 1750.

Eine technische Besonderheit ist die Trichtergeige, 1925 erfunden vom Markneukirchner Ingenieur Willy Tiebel: Damit sollte die Aufnahme auf Grammophonplatten besser gelingen. In der Blasinstrumentenabteilung präsentierte Fickelscherer-Faßl Exoten, so das Didgeridoo der australischen Ureinwohner, ein Obertoninstrument aus der Familie der Aerophone. Dass man auch mit einem einfachen Gartenschlauch und einem Mundstück hervorragende Töne erzeugen kann, bewies der Instrumentenkenner lautstark.

Die Leiterin des Museum Heidrun Eichler führte die Besucher in die Welt der Handzug-, der Tasteninstrumente und zu den außereuropäischen Musikinstrumenten. Ins Auge fiel den Besuchern das Riesen-Piano-Akkordeon. Es ist wohl mit 1,80 Meter Höhe und 100 Kilogramm Gewicht das weltgrößte Instrument der Akkordeonfamilie und natürlich müssen viele Hände zur Stelle sein, um die 128 Diskanttasten und 423 Bassknöpfe zu bedienen. Der Bau wurde 1937 in der Handzuginstrumentenstadt Klingenthal von der Aristenfamilie Doorlay in Auftrag gegeben. Dank des Internets tauchte vor einiger Zeit sogar ein Nachkomme auf, der einiges zur Geschichte der Künstlerfamilie ins rechte Licht rückte.

In der Tasteninstrumentenabteilung stellte Frau Eichler das wertvollste Instrument der über 3600 Sammlungsstücke des Museums vor: Es handelt sich um ein Clavichord von 1750 aus der Werkstatt von Gottfried Silbermann, dem berühmtesten Orgelbauers aller Zeiten. Auf einem Nachbau gab Frau Eichler eine klanglichen Einblick in das Instrument, welches auf Grund seiner Klangerzeugung zur Familie der Saiteninstrumente gehört.

Neben den eigentlichen Musikinstrumenten hat das Museum auch mechanische Spielwerke zu bieten, was besonders bei den anwesenden Kindern zur nächtlichen Zeit auf großes Interesse stieß: Von der Spieluhr, über die Drehorgel, den Polyphonen bis zu den elektrischen Klavieren hat das Museum einiges zu bieten.

Wer aber tiefer in das Innenleben der Spielwerke eintauchen wollte begab sich zur Museumsnacht nach Wohlhausen zu Hüttels Musikwerkeaustellung. Dort präsentierten Wolfgang und Barbara Hüttl ihre private Sammlung vieler großer und kleiner Spielwerke. Von einer Spieluhr fürs Wohnzimmer mit jahreszeitlich austauschbaren Dekor und natürlich der passenden Musik über verschiedenste Drehorgeln bis zu großen Jahrmarktorchestrions, beispielsweise des Schaustellers Hammerschmidt aus Plauen, oder dem größten Spielwerk in der Ausstellung, welches auf der Vogelwiese in Dresden noch bis 1959 zur Belustigung der Jahrmarktbesucher seinen Dienst tat.

Ein Besucher aus Thüringen, der zu den Musiktagen nach Markneukirchen gekommen ist, konnte sich an das Spielwerk im hammerschmidtschen Kettenkarussell aus seiner Kinderzeit in Plauen erinnern.

Wolfgang Hüttels Leidenschaft für mechanische Spielwerke begann durch seine Bekanntschaft mit Giovanni Bacigalupo, dem wohl bekanntesten deutschen Drehorgelbauer in Berlin in den 1970er Jahren. Hüttel lernte von ihm, verdingte sich in der Welt der Schausteller und so entstand der Gedanke, eine Sammlung mechanischer Spielwerke aufzubauen, zumal er sah, dass dieses Instrumentarium durch die moderne Beschallungstechnik zum Untergang verurteilt war.

Hüttels berufliche Ausbildung und technisches Geschick ist es zu verdanken, das viele der Ausstellungsstücke wieder zu neuem Glanz kamen und vor dem Untergang bewahrt wurden. Heute kommen viele Sammler von Spielwerken zu ihm, um die lieb gewonnenen Stücke reparieren zu lassen.

Im nächsten Jahr möchte die Familie Hüttel ihre Ausstellung mit einem weiteren Raum erweitern. Dort steht unter anderem ein Orchestrion der Klingenthaler Firma Fritz Otto Glass aus dem Jahr 1908 und ein selbst spielendes Akkordeon. Das älteste Stück der Sammlung ist eine große Standuhr mit Spielwerk von 1831. Sie stand einst im Rittergut von Wohlhausen. Aber auch moderne Geräte sind zu sehen, die das Zeitalter der mechanischen Spielwerke beendeten, so der "Edison Home Phonograph", der Vorläufer der späteren Grammophone.

Wer musikalisch zur Nacht der Museen noch nicht so richtig auf seine Kosten gekommen war, konnte sich im Framus Museum die "Drei swingenden Vier" zu später Stunde, ab 22 Uhr, zu Gemüte führen. Die drei blutjungen Instrumentalisten mit Sängerin Catrin Enderlein erfreuten die Nachtschwärmer mit Evergreens aus Jazz, Swing und Dixieland. Bandchef Sebastian Wildgrube führte durch das abendliche Programm und erheiterte die Zuhörer mit manchem Sketch und kleinen Musikergeschichten. B. Mü.