Muscheln die Freiheit geschenkt

1300 Flussperlmuscheln verlassen nach 15 Jahren ihre Kinderstube in der Aufzuchtstation Raun: Sachsens Umweltminister Wolfram Günther wilderte die ersten 14 Muscheln in den Raunerbach aus.

Von Cornelia Henze

Der größte Feind der Flußperlmuschel ist der Mensch. In der Vergangenheit wegen ihrer exquisiten Schmuckperlen ausgebeutet und fast ausgerottet, gilt sie heute als eine vom Aussterben bedrohte Art. Sachsen hat nun eine Offensive für den Artenschutz gestartet. Innerhalb des seit 2001 laufenden Muschelnachzuchtprogramm in Raun bei Bad Brambach wurden die ersten erwachsenen und geschlechtsreifen Muscheln in den Raunerbach ausgewildert. In der Freiheit und im Kiesbett des klaren Bachwassers sollen die Muscheln der ersten Generation aus der Aufzuchtstelle nun Nachkommen in die Welt setzen. Alle drei Jahre ist eine Muschel in der Lage, 4 Millionen Eier zu produzieren. In den nächsten Wochen werden nach und nach die 1300 Muscheln in Bäche, allesamt Zuflüsse der Weißen Elster, freigesetzt. Vier gute, dafür geeignete Gewässer habe man zwischen Raun und Adorf dafür gefunden, sagt Felix Grunicke, Biologe und Doktorand von der TU Dresden. "Geht es der Flussperlmuschel gut, geht es auch anderen Artgen gut", ist Umweltminister Wolfram Günther überzeugt. Für den Akt der Freisetzung zog sich der Minister Gummistiefel über und ließ sich von den Uni-Biologen und Mitarbeitern der Aufzuchtstation die Kandidaten mit der harten Schale reichen. Im Schnitt sind sie in den 15 Jahren 5 Zentimeter gewachsen; die größte misst 6,7 Zentimeter. Eine jede Muschel bekam auf ihre Schale eine Nummer und einen Mini-Sender aufgeklebt. Aufgabe der Rauner Muschelfreunde ist es ab jetzt, das weitere Leben der Weichtiere zu verfolgen, zu beobachten, ob und wo sie im Gewässer eine Heimat finden. Ein Detektor nimmt Kontakt mit dem Sender auf und erzeugt ein akustisches Signal. So können die Muscheln aufgespürt werden. 80, ja gar über 100 Jahre alt kann eine Muschel werden. Das Bundesprojekt "ArKoNaVera" läuft zwischen 2015 und 2021 unter Regie von Vogtlandkreis, Sächsischer Landesstiftung Natur und Umwelt, der Uni und kostet 2,5 Millionen Euro.