"Multi-Jobber" im Vogtland drastisch gestiegen

Die Zahl der "Multi-Jobber", die zusätzlich einen Minijob machen, ist im Vogtland in den vergangenen zehn Jahren um fast Dreiviertel angestiegen.

Plauen - Immer mehr Menschen im Vogtlandkreis brauchen einen Zweit-Job: Mehr als 4330 Berufstätige waren im vergangenen Jahr auf einen Mini-Job als zusätzliche Einnahmequelle angewiesen. Das geht aus einer Untersuchung hervor, die das Pestel-Institut in Hannover im Auftrag der Gewerkschaft Verdi und Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) gemacht hat.

"Blickt man zehn Jahre zurück, so hat es eine Zunahme von nahezu 75 Prozent gegeben", sagt Studienleiter Matthias Günther. Im vergangenen Jahr hätten nahezu fünf Prozent der Beschäftigten im Vogtlandkreis sich mit einem 400-Euro-Job nebenher etwas dazuverdient.

"Wir haben das Phänomen der Multi-Jobber. Das sind Menschen, die mit dem Geld, das sie in ihrem Hauptjob verdienen, nicht mehr auskommen. Deshalb müssen sie auf einen oder mehrere Nebenjobs ausweichen, um überhaupt noch über die Runden zu kommen. Aus der puren Lust an einer 55- oder 60-Stunden-Woche macht das jedenfalls keiner", sagt die Geschäftsführerin des Verdi-Bezirks Vogtland/Zwickau, Kerstin Eger. Sie macht für das "Multi-Jobben" vor allem Niedriglöhne verantwortlich. "Auf der einen Seite werden Stundenlöhne bezahlt, die im Keller sind. Auf der anderen Seite steigen die Lebenshaltungskosten.

Das beste Beispiel ist das Wohnen. Hier dreht sich - nicht zuletzt wegen der Heiz- und Nebenkosten - die Preisspirale unaufhörlich nach oben. Da sind Niedrigverdiener gezwungen, nach Feierabend und an den Wochenenden noch einmal zur Zweit-Arbeit zu gehen", so Eger. Abhilfe gegen den Zwang zu mehreren Jobs könne ein einheitlicher gesetzlicher Mindestlohn schaffen. Die Gewerkschaften Verdi und NGG forderten 8,50 Euro pro Stunde als Mindestlohn. Dieser Betrag liege nur "haarscharf über dem Hartz-IV-Niveau" und könne daher nur ein Einstieg sein. va