Müssen, wenn man darf

Rodau - Was hat kaltes Bier mit der Agrargenossenschaft Rodau zu tun? Kaltes Wasser für die Kuh ist wie kaltes Bier beim Menschen: Beide müssen - obwohl die Kuh nicht dürfte: Sie möchte ja Milch produzieren. Deshalb soll das Wasser für die Rodauer Kühe künftig temperiert werden: Die Wärme kommt aus der Biogasanlage. Das Unternehmen erhielt jüngst den Sonderpreis der Mitteldeutschen Genossenschaftsbanken. "Der Preis gehört allen unseren Mitarbeitern", sagt Frank Wendorff, ein Brandenburger, der als geschäftsführende Vorstand seit fünf Jahren die Geschicke der Genossenschaft lenkt, die etwa 60 Mitglieder zählt und 2006 das 50-jährige Bestehen gefeiert hat. Die 22 Beschäftigten (plus 4 Lehrlinge) verkaufen Raps und Weizen, sie produzieren Milch und mästen Schweine, und sie machen Strom und Wärme aus Gülle, Getreide und Grünem. Und wofür gab es den Preis? "Für unsere Investitionen", sagt Wendorff: 1,2 Millionen für die Biogasanlage und 300 000 in die Reko der Milchviehanlage: Die Tiere haben jetzt mehr Licht, mehr Luft, mehr Komfort. "Glückliche Kühe geben mehr Milch", fügt der Chef hinzu. Nach seinen Worten ist der Kuhstall an die Wärme der Biogasanlage angeschlossen - dieses Jahr sollen Kälbchenstall und Bürogebäude folgen, die Werkstatt 2010. Vorstellbar sei auch, Einfamilienhäuser zu heizen - per Fernleitung. Wendorff verweist mit Stolz auf die gute Zusammenarbeit mit der Gemeinde: "Die Feuerwehr darf bei uns üben und bekommt eine kleine Spende, der Waldbadverein darf unseren Hänger nutzen. Wir sind territorial integriert." Die Genossenschaft auch: Die Milchkühe stehen in Rodau, die Schweine wachsen in Leubnitz, die Jungrinder gedeihen in Kornbach und in Mehltheuer gibt es ein Getreidelager. Die Rodauer bewirtschaften 1000 Hektar - laut Wendorff müssten es allerdings mehr sein, um noch effektiver arbeiten zu können. Überhaupt wünscht sich der 46-jährige Diplom-Landwirt einen freien Markt für landwirtschaftliche Produkte, "damit sich die wirtschaftlichsten Betriebe durchsetzen - aber das ist politisch im Augenblick nicht durchsetzbar." In den Ställen der Agrargenossenschaft stehen 1450 Schweine, die von 25 auf 120 Kilo gemästet werden. Es gibt 600 Rinder - 250 davon geben Milch, im Schnitt 8700 Liter pro Jahr. Wendorff kritisiert den Milchpreis, der gerade wieder ins Bodenlose falle: 24 Cent pro Liter. "Das Kommando gibt Aldi."  ufa K www.ag-rodau.de

 

Zur Geschichte: Die Agrargenossenschaft Rodau bildete sich 1991 aus der LPG Tierproduktion Rodau und Teilen der LPG Pflanzenprodukton Syrau. Das sei damals nicht selbstverständlich gewesen: Aber man habe Verantwortung für die Arbeitsplätze übernommen - und die 2,5 Millionen Euro Schulden. "Vor zwei Jahren waren die Altschulden vom Tisch", sagt Wendorff. "Damit gehörten wir zu den ersten 20 Genossenschaften in Deutschland."  ufa