Müllanlage Oelsnitz: Landrat erteilt Absage

Uwe Schink ist von zwei seiner drei Geschäftsführerposten entbunden: Von der Deponie Schneidenbach Betreibergesellschaft (DSG) und der Glitzner GmbH. Grund: In den Ausschreibungen der Restmüll-Vergabe sei Schink ein gravierender Fehler passiert. Landrat Keil spricht von einem "Vertrauensverlust". Zudem stellt Keil den Betrieb der MBS-Anlage in Oelsnitz in Frage.

Plauen - Davon hat Rolf Keil die Aufsichtsräte am Dienstag unterrichtet. Abgestimmt wurde darüber nicht. Der am 29. Dezember 2017 von all seinen Posten plötzlich freigestellte Geschäftsführer tritt wieder seinen Dienst an - allerdings einzig als Geschäftsführer des Kreisentsorgungsverbandes Vogtland (KEV).

Denn einen Fehler begangen, der die Amtsenthebung nach Keils Worten eindeutig rechtfertige, habe Schink als Chef der DSG. Schink hatte im Sommer vom Landrat den Auftrag bekommen, über einen Wettbewerb in öffentlicher Ausschreibung zu ermitteln, welche der zwei Arten von Restmüllentsorgung die günstigere, sprich preiswertere, ist:

Den Restmüll direkt in eine Verbrennungsanlage zu geben oder den Müll vor der Verbrennung erst in der kreiseigenen MBS-Anlage in Oelsnitz zu Ersatzbrennstoffen (EBS) aufzubereiten. "Die Vorbehandlung in der MBS-Anlage Oelsnitz war jedoch nicht Bestandteil in den Ausschreibungsformularen", nennt Keil den Fehler.

Schink hatte es also versäumt, diesen Vorbehandlungsschritt zu nennen - und die jährlichen Kosten dafür von rund zwei Millionen Euro.

Beide Wege der Restmüll-Entsorgung kosteten letztlich gleich viel: Über sechs Jahre gerechnet - so lange gilt die Auftragsbindung mit den Müllverbrennungsanlagen - sind das 18 Millionen Euro. Nur: Die jährlich entstehenden zwei Millionen Euro in der Oelsnitzer Sortieranlage sind Extrakosten, die letztlich der Bürger zu tragen hat und den Weiterbetrieb jener Anlage in Frage stellen.

Keil: "Ich wollte im Wettbewerb wissen, welcher Weg effizienter ist und die Frage klären, ob wir uns von alten Strukturen trennen müssen." Letzteres beantwortet Keil mit Ja - die direkte Restmüllverbrennung komme nach der Rechnung des Landrates den Kreis billiger. Konkrete Zahlen konnten zum Pressegespräch nicht genannt werden.

Sehr konkret steht allerdings die Zahl 9 Millionen Euro. So hoch sind die Schulden der kreiseigenen DSG an den Vogtlandkreis - resultierend aus dem Bau der Oelsnitzer Sortieranlage vor einigen Jahren, die auch mit Inbetriebnahme defizitär arbeitete und immer wieder in die Schlagzeilen geriet.

Jährlich stotterte die DSG rund 700.000 Euro des Darlehens an den Kreis ab. Steht die Frage, wie die DSG jemals das Darlehen tilgen kann, sollte sich der Kreis von der Sortieranlage verabschieden und diese still legen. Fragen dieser Art verschiebt der Landrat auf später.

Wie auch die nach der neuen Geschäftsführung bei DSG und Glitzner und danach, ob die Leistung der Müllverbrennung neu ausgeschrieben werden muss. Fünf Angebote großer Müllverbrennungsanlagen seien bisher eingegangen. Die Geschäfte bei DSG und Glitzner führt vorübergehend Prokurist Stefan Häußer. "Ich finde es unsolide, dass man einen, der über Jahre gute Arbeit geleistet hat, so abstraft. Eine Abmahnung hätte gereicht", so die Meinung von Aufsichtsrat Wolfgang Hinz zu Schinks Entlassung.